
Heute morgen war kurz nach 6 Uhr Tagwache für mich, ich hatte eh sehr schlecht geschlafen als Ölsardine. Monk war ebenfalls kurz darauf wach. Wir hatten in diesem Shelter gestern abend schräge Leute angetroffen. Ein relativ junger, Tabak kauender Mann, der der Tabak ständig ausspuckte und erzählte, dass er heute den Trail verlassen würde wegen anderweitiger Verpflichtungen. Eine junge Frau, welche von sich sagte, dass sie krank sei und ebenfalls morgen ginge. Welcher Art die Krankheit war blieb unklar, aber die Frau konnte trotzdem ständig barfuss auf dem kalten und nassen Waldbogen rumlaufen. Ihre Lieblingsbeschäftigung schien zu sein, die Anwesenden wortlos anzustarren, ihr eigenes Gesicht war bis auf die Augen hinter der Decke versteckt (erinnerte mich an die amerikanische Serie Tool time, dort war von einem Nachbarn auch immer nur der obere Teil des Gesichts zu sehen, weil er hinter einem Zaun stand). Am unheimlichsten war aber ein relativ kleiner, griesgrämiger Mann um die 50 in Tarnkleidung (die Jacke war viel zu gross), der ein riesiges Messer trug. Er sprach praktisch kein Wort, kaute und spuckte ebenfalls Tabak und stand am liebsten mit dem Rücken zu den Anwesenden. Monk nahm den Film „Deliverance“ in den Mund und machte sich am Morgen bald vom Acker, so suspekt war ihm die Geschichte.
Knapp vor 8h war auch ich auf dem Trail Richtung Southern Nantahala Wilderness.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, bis zum Carter Gap Shelter zu laufen (12.5 Meilen) mit der Option, bei guter Form noch 3.7 Meilen bis zum Betty Creek Gap anzuhängen. Am Morgen war der Himmel bevölkt und es war angenehm kühl. Monk und ich waren gut in Form, wir legten die ersten 4.9 Meilen bis zum Standing Indian Shelter in zwei Stunden zurück, dies trotz grösserer Steigungen, die wir nehmen mussten. Beim Trail lag dort ein zerrissener gelber Sack, den ich schnell als Bärensack identifiziert hatte. In der Nähe lag ein Zweiter. Eine Hikerin, die vom Shelter kam, klärte uns auf. In der Nacht hatte ein Bär etwa drei bis vier Bärensäcke runtergeholt, welche mit der alten Methode (Schnur um einen Baumstamm gewickelt) befestigt waren. Ranger Nick hatte uns bei der Einführung genau vor dem gewarnt und uns die PCT Methode gezeigt, bei welcher die Schnur frei hängt. Und interessanterweise konnte der Bär keine der Säcke mit der PCT Methode runterholen. Aber er hatte sicherlich auch so genug zum Fressen 😉. Die Hiker im Shelter haben das Ganze im übrigen voll mitbekommen😯.

Auf dem Trail wurde ich wieder von einer wilden Orchidee begrüsst, diese war in der schönsten Blüte.
Auf einmal war der gesamte Trail mit Blattwerk bedeckt, welches aber nicht mehr ganz war. Dies erstreckte sich sicherlich über eine Meile. Im Gegenzug waren die Bäume und Büsche ziemlich entlaubt. Wir wussten ja von gestern, wie ein starker Gewitterregen aussieht, aber dies hier? Und tatsächlich hatte hier ebenfalls gestern ein Hagelsturm gewütet mit Golfballgrossen Hagelkörnern. So gesehen hatten wir noch Glück gehabt.
Wir kamen um 14h beim Carter Gap Shelter an. Einerseits war es uns noch zu früh, um Quartier zu beziehen, andererseits fühlten wir uns noch fit. Also assen wir eine Kleinigkeit und zogen dann weiter.
Während der Hiker days waren Monk und ich an einem Vortrag über den American Chestnut Tree. Es handelt sich um die Edelkastanie, welche im Jahr 1908 im New Yorker Stadtteil Bronx im Zoo mit einem aus Asien eingeschleppten Pilz angesteckt wurde. Die Pilzinfektion breitete sich immer mehr aus, bis Ende der fünfziger Jahre starben in den USA geschätzt 4 Milliarden (sic!) Bäume. Es wird nun mittels Biotechnologie versucht, Pilzresistente Bäume zu züchten, um den Baum wieder grossflächig anzusiedeln. Am Vortrag wurde darauf hingewiesen, dass einzelne Bäume überlebt hätten und es wurde um Mithilfe gebeten, solche Bäume zu melden. Gross war meine Überraschung, als ich auf dem Hike in einem im letzten Jahr abgebrannten Stück drei Bäume entdeckte, von denen einer in diesem Jahr sogar Früchte getragen hatte.


Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich gebessert, die Sonne schien und es war wärmer geworden.
Wir wanderten weiter auf dem abgebrannten Stück und kamen auf dem Ridgepole Mountain zu einem wunderbaren Aussichtspunkt.





Ab hier ging es nur noch abwärts bis zum Betty Creek Gap. Unterwegs sah ich noch diesen grossen Baumpilz.


Interessant war auch zu beobachten, wie die abgebrannten Bäume und Büsche schon wieder austrieben. Die Natur ist ein Wunder.



Um 16h15 trafen wir am Ziel ein und schlugen als erstes unsere Zelte auf. Im Sonnenschein hängten wir noch Sachen auf, welche vom Vortag oder der Nacht feucht waren.
Nach dem Abendessen zogen wir uns zur Nachtruhe zurück.
Zurückgelegte Meilen: 16.2 heute (Bestleistung), total 105.8 (inkl. A.T. Approach von 8.8 Meilen). Morgen werden wir nach drei Meilen die offiziellen 100 A.T. Meilen haben.🤗🤗🤗
