29. Mai 2019 – Tag 20 / Der Berg ruft…

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h40, Russell Field Shelter

Ankunft Ziel: 16h50, Double Spring Gap Shelter

Wetter: Dauerregen, Wege deshalb nur noch Sumpf

Zurückgelegte Meilen: 16.4 heute, 205.6 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 4360′-4328′-5527′-4920′-5215′-4435′-4880′-4840′-5240′-4817′-5607′-5430′-5550′-5507′

Besonderes: Wild-Truthahn und Deer gesichtet.

Auf dem Rocky top (5441 Fuss oder 1632.3m ü.M.)

Und hier die Tagesgeschichte:

Der heutige zweite Tag in den Smockies war zäh. Mit einem sehr kurzen Unterbruch hatten wir Dauerregen. Eine grosse Front als Vorläufer des tropischen Sturms bringt im Moment viel Regen und stürmischen Wind. Die Aussichten für die kommenden Tage sind nicht berauschend😐. Der Name Smockies kommt im Übrigen daher, dass aufgrund des vielen Regens, der hier jährlich fällt, oftmals die Sicht schlecht ist respektive Regenwolken wie Rauch die Berge verhüllt.

Wir starteten bereits um 07h40. Die Nacht war wegen des stürmischen Windes bei mir unruhig gewesen. Auch kam um 22h30 am Vorabend noch ein Hiker-Paar an. Diese waren zwar sehr rücksichtsvoll und ruhig, aber ich fragte mich dann lange, was sie mit ihrem Essen gemacht hatten. War dieses ev. im Shelter oder hatten sie es ordnungsgemäss versorgt?

Wir wussten aus dem Führer, dass wir heute einige hohe Gipfel passieren würden. Als Minimum-Tagesziel hatten wir den Derrick Knob Shelter nach 9 Meilen gesetzt. Im Nationalpark gilt die Regel, dass man im Shelter oder auf bezeichneten Zeltplätzen schlafen muss, wildes Campieren ist strikte verboten. Shelter haben immer den Vorrang. Die Thru-Hiker haben hier sogar gewisse Privilegien, aber auch Pflichten.

Aufgrund der Wettersituation war klat, dass ich die Regenjacke von Beginn tragen würde, nicht jedoch die Regenhose. Eines hatte ich aber nicht bedacht. Seit unserem Start auf dem Trail ist die Vegetation stark gewachsen. Im Moment steht das Gras schon sehr hoch. Bei Regen neigt sich das Gras stark Richtung Trail. Dies hat zwei eminente Nachteile. Erstens werden die Wanderstöcke permanent gebremst, der Krafteinsatz ist entsprechend höher. Zweitens wird konstant Wasser an den Socken und Schuhen abgestreift. Aus diesem waren meine Socken und Füsse nach einer gewissen Zeit triefend nass (trotz Goretex im Schuh). Das andere Paar Socken war von gestern noch feucht, aber ich musste trotzdem wechseln, weil ich sonst Blasen befürchtete. Apropos Blasen: Heute habe ich die 200 Meilen Marke überschritten ohne irgendwelche Blasen bisher. Danke an LOWA für die hochwertigen und bequemen Schuhe (nein, nicht gesponsort, sondern selber bezahlt).

Der Anstieg zu den Gipfeln ging über lange Zeit durch fast schon Regenwald. Es regnete konstant, alles war grün, überall tropfte es, die Luftfeuchtigkeit war enorm. Einzig die Temperatur stimmte nicht. In diesem Wald sah ich auch zun ersten Mal einen Wild-Truthahn. Leider war das Tier schnell im Unterholz verschwunden, sodass ich kein Foto machen konnte. Irgendwann veränderte sich die Vegetation aufgrund der Höhe merklich, viel mehr offene Grasflächen tauchten auf und es wurde felsig.

Beim ersten hohen Gipfel (Rocky top) machte eine Hikerin (Hubbles, eine 23-jährige Film- und Fernseh-Schauspielerin aus New York) ein Foto von mir (siehe oben).

Hier ein Video vom Gipfel:

Gemäss Führer gab es verschiedene Aussichtspunkte auf der Strecke. Heute war jedoch nichts, ABER AUCH GAR NICHTS zu sehen, eine dicke Regendecke verunmöglichte jede Sicht. Auch sonst war heute fototechnisch nichts zu holen.

Als wir beim Zielshelter angekommen waren, beschlossen wir, zum nächsten Shelter zu laufen (+5.7 Meilen) oder allfällig bis zu übernächsten (+7.4 Meilen).

Die Wege wurden aufgrund des Dauerregens immer schlechter psssierbar.

Ein Hiker, der mir entgegenkam, meinte auf meine Frage, wie es im laufe, nur: Muddy and tired (schlammig und müde). Eine doch ungewöhnlich ehrliche Antwort, weil sonst nämlich auf solche eine Frage aus Prinzip nur sehr positive Antworten kommen.

Der nächste Shelter war leer, aber auch teilweise unter Wasser und voll im Wind. Ein leichter Entscheid, weiter zu gehen und die letzten 1.7 Meilen zu machen. Diese hatten es aber nochmals in sich, der Weg war teilweise komplett unter Wasser, der Boden tief und morastig. Auf diesem Stück mussten meine letzten Snacks dran glauben, ich lief quasi auf Reserve. War aber irgendwie auch normal, ich lief bereits über 15 Meilen bei grossen Höhenunterschieden, war komplett nass und dreckig.

Ich kann mir so langsam vorstellem, wie es einem Thru-Hiker gehen muss, der tagelang im Nassen unterwegs ist, mangels Shelters (oder weil diese voll sind) Campieren muss, aber kein Geld, nur schon gelegentlich mal in einem Hostel zu schlafen, wo er für US $ 20-30 ein Bett und eine warme Dusche erhält und die Chance hat, seine Sachen zu Trocknen.

Endlich beim Shelter angekommen musste ich feststellen, dass dieser schon sehr gut gefüllt war, es hatte nur noch wenig freie Plätze. Aber wenigstens hatte jemand ein Feuer hinbekommen im Kamin (ein Luxus, die meisten Shelter haben nur offene Feuerstellen im Freien draussen, das macht im Dauerregen aber keinen Spass respektive ist nicht praktikabel). Alle versuchten, ihre Schuhe zu trocknen, ein Bild für Götter.

Der Rest der Bekleidung wird morgen immer noch feucht sein, bei diesen Temperaturen respektive der Luftfeuchtigkeit trocknet nichts.

Direkt hinter dem Shelter war ein Deer (Reh) am Äsen, welches sich durch Nichts (auch nicht durch mich😉) aus der Ruhe bringrn liess.

Das Essen (Idahoe Kartoffelstock aus dem Beutel mit einem Knoblauch Dip gepimpt schmeckte HERRLICH und wärmte von innen😋). Zum Abschluss gönnte ich mir (rein zur Prophylaxe 😉) einen Whisky. Da ich doch etwas kalt hatte, war ich bald im Schlafsack.

Wir sind jetzt noch 2.8 Meilen vom Clingmans Dome entfernt, dem höchsten Punkt auf dem gesamten A.T. Morgen früh werden wir ihn besteigen (6643 Fuss, 1992.9m ü.M.). 🤗😎👍💪

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