Das Wichtigste in Kürze:
Start: 07h45, Va. 615, Suiter Road, Laurel Creek
Ankunft Ziel: 16h50, Jenny Knob Shelter
Wetter: Leicht bewölkt, leichte Brise, kühl, gegen Abend warm und volle Sonne.
Zurückgelegte Meilen: 18.8 heute, 603.1 seit Anfang (970.4 Kilometer).
Elevation (in Fuss): 2450′-3100′-2600′-3090′-2720′-3101′-2800′
Besonderes: Zum ersten Mal in einem Hostel auf Spendenbasis übernachtet.

Und hier die Tagesgeschichte:
Wir hatten ja im Lickskillet Hostel übernachtet. Morgens um 02h00 wurde ich wach, der Vollmond schien durch’s Fenster, die Gegend war in dieses spezielle Licht getaucht. Ein schönes, unwirkliches Bild. Ich hatte heute zum ersten Mal den Wecker gestellt (05h45), weil um 07h00 Bubba, der Shuttle driver, bestellt war. Ich machte zuerst Frühstück für Monk und mich, es hatte ja noch Hamburger Buns und Käse von gestern übrig. Dazu hatte ich Schinken gekauft. Mit etwas Butter aus dem Kühlschrank sowie Senf ergab das wunderbare Sandwiches. Dazu je ein Joghurt und Orangensaft sowie Kaffee, fast wie im Hotel 😋. Anschliessend hiess es noch, die Zähne zu putzen und die Packung zu erstellen. Ich hatte gestern ein altes Taschenbuch zweckentfremdet und mit den Seiten meine nassen Schuhe ausgestopft. Ein alter Trick, der aber immer noch wirkt. Ich entnahm das Papier, die Schuhe waren praktisch trocken. Als ich sie anziehen wollte, passierte das Malheur, ein Schuhbändel riss. Und das 5 Min. vor Abfahrt! Ich nahm ein Messer und schnitt die andere Hälfte auch ab. Ich hatte Ersatz-Schuhbändel in der Schweiz gekauft und würde diese noch einziehen, bevor wir loslaufen.
Das Lickskillet Hostel funktioniert auf Spendenbasis, es gibt keine Preisliste. Wir wurden bereits bei der Ankunft darauf hingewiesen, dass wir alles aus dem Kühlschrank, Tiefkühler und dem Vorratsschrank brauchen dürften, sofern es nicht namentlich angeschrieben sei. Beim Auschecken gaben wir dann je US $ 25.
Bubba war pünktlich und fuhr uns zum Punkt, wo er uns gestern aufgeladen hatte. Unterwegs erzählte er ein bisschen aus seinem Leben als Shuttle driver. Interessant war, dass nach den Filmen „Into the wilds“ und „Wild“ die Anzahl der Hiker massiv zugenommen hat. Speziell nach „Wild“ mit Reese Witherspoon war im Jahr darauf die Anzahl Frauen auf dem Trail überproportional hoch.
Nachdem uns Bubba abgeladen hatte, nahm ich meine Ersatzschuhbändel hervor. 120cm, aber zu kurz!😕 Und ich hatte dem Verkäufer in einem Schuhgeschäft noch meine Schuhe gezeigt. Also gut, zusammenknoten und kürzen war die Devise.
Beim Aufstieg kamen wir an diesen wunderbar blühenden Rhododendren vorbei.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, fast 19 Meilen zu laufen. Es war eine wunderbare Strecke den Kreten entlang, mehrheitlich nur leichte Ups and Downs.
Die Natur überrascht immer wieder, hier mit einer farbenfrohen Ansiedlung von Moosen.

Ich hatte mir vorgestern für Fr. 60 die App Guthook’s runtergeladen und letzte Nacht die Karten via WiFi installiert. Sensationell, diese App! Der komplette A.T. ist jetzt auf meinem Mobile offline installiert, inkl. Position, Distanz und Detailangaben zu Shelters, Wasserstellen, Food supply, Sehenswürdigkeiten etc. Meine exakte Position wird mittels GPS ermittelt und angezeigt, d.h. ich brauche kein Telefonnetz dazu (was ja auch oft nicht vorhanden ist). Auch als Digital immigrant kann man immer was lernen😎.
Wir kamen nach gut 7 Meilen zur Brushy Mountain Outpost am U.S. 52 Highway. Dieser kleine Laden hat alles, was man zum Auffüllen der Vorräte braucht, dazu eine Deli mit Sandwiches, Burgers und Frühstück. Wir beschlossen, dort etwas zu essen. Auf der Karte war ein Brushy Mountain Burger für US $ 7.50. Ich bestellte diesen, die Besitzerin erklärte mir, wie er zusammengestellt sei und fragte, ob ich ihn so wolle. Vielleicht hätte ich besser zuhören sollen……🤔.
Es kam folgendes:

Das, was unten wie Brot aussieht, ist eine 3cm dicke Tranche gebratener Fleischkäse!!! Dazu das Brötchen, Hamburgerfleisch sowie Käse. Meine Güte, und ich hatte noch Fries und Slaw (Kabissalat) bestellt. Aber ich kann alle beruhigen. Das Ganze habe ich nicht gegessen, war schlicht unmöglich.
Mit vollem Magen mussten wir nun wieder eine grössere Steigung erklimmen, das war echt anstrengend.
Auf dem weiteren Weg kamen wir an einem aktuellen Warnhinweis für Bärenaktivität vorbei, allerdings nicht für unseren Zielshelter.

Die Lehre aus dem heutigen Tag ist, immer soviel Wasser mitzunehmen, dass auch beim Wegfall einer Quelle wegen Trockenheit (ist heute passiert) kein Problem entsteht. Wie schon erwähnt ist dieser Abschnitt von Virginia eh nicht fürstlich mit Wasserquellen ausgestattet. Übrigens: In der App Guthook’s sind auch aktuelle Meldungen von Hikern zu Wasserquellen etc. ersichtlich.
