Das Wichtigste in Kürze:
Start: 09h20, Blackrock Hut
Ankunft Ziel: 18h10, Pinefield Hut
Wetter: Sehr schwül, sonnig
Zurückgelegte Meilen: 13.2 heute, 896.9 seit Anfang (1443.1 Kilometer).
Elevation (in Fuss): 2645′-3100′-2600′-3300′-2950′-3200′-2430′
Besonderes: Milchshake auf dem Trail und Bär Nr. 6 gesehen

An dieser Stelle möchte ich zuerst meiner Mutter auch auf diesem Weg nochmals herzlich zum Geburtstag gratulieren und ihr eine stabile Gesundheit wünschen.
Dann hat Claudio, ein ehemaliger UBS Kollege, via Blog die Frage gestellt wie ich mich konditionell vorbereitet habe, um jeden Tag so viele Kilometer zu laufen. Tja, eigentlich wollte ich im April jeden Tag Sport treiben, um mich vorzubereiten. Aber mit den ganzen Arbeiten rund um den Auszug aus dem Haus Ende April kam das zu kurz. Ich war mit Tanja zwei Tage im Jura auf dem Höhenweg, das war es dann auch schon. Entsprechend habe ich am Anfang auf dem A.T. gelitten (Muskelkater hatte ich nie, aber die Kraft fehlte teilweise in den Beinen, um die zusätzliche Last des Rucksacks über die Berge zu tragen), bis ich meine Trail legs hatte. Aber das geht vermutlich den Meisten so. Und Ranger Nick hatte es uns bei der Einführung am 10. Mai gesagt. Entscheidend sind genau zwei Dinge für den erfolgreichen Abschluss des Thru-Hikings: Head and heart (Kopf und Herz). Man muss den Willen habe und wissen, weshalb man dies auf sich nimmt. Und dann einfach immer einen Schritt nach dem anderen.
Nun zur Tagesgeschichte:
Beim Pinefield Hut (Shelter) hatten wir zum zweiten Mal Bear Pols, eine praktische Vorrichtung, um die Food bags bärensicher aufzuhängen. Einzig die Stange, welche zum Aufhängen benützt wird, ist sehr schwer, da aus Eisen.

Nach dem Frühstück am Tisch wurde die Packung erstellt. Wir hatten uns für heute eine Distanz von etwas über 13 Meilen vorgenommen, fast schon gemütlich. Damit war aber auch klar, dass wir die 900 Meilen Marke erst morgen überschreiten würden.
Monk war wie üblich früh bereit und zog los. Ich liess mir noch etwas Zeit. Tim Andrew (Trailname Stripes), ein pensionierter Feuerwehrmann aus Connecticut, war seit zwei Monaten mit einem Hiking partner unterwegs. Henry Perkins (Trailname Bugbites) hatte ihm gestern eröffnet, dass er den Trail wegen seiner Knies verlassen würde. Stripes war natürlich betroffen nach einer so langen Zeit auf dem Trail.
Ich sprach kurz mit Stripes und wir beschlossen, heute gemeinsam zu laufen. Ein Zwischenziel für heute war der Loft Mountain Camp Store auf dem Trail, um Re-Supply zu machen und einen der berühmten Milkshakes zu geniessen.
Wir zogen los, ich voraus, Stripes hinterher. Nach einem ersten kurzen Anstieg von 20 Minuten wurden wir bereits mit einer grossartigen Aussicht belohnt. Stripes meinte nur, ich sei verdammt schnell unterwegs.



Rund eine Stunde später bei einem Parkplatz dann ein grossartiger Moment. Ein Bär (mittlerweile meine Nr. 6) lief über die Strasse, machte es sich in einem Gebüsch direkt an der Strasse bequem und war dort sicher 5 Minuten. Es hatte dort Beeren, ich konnte ihn beim Fressen beobachten und war direkt gegenüber auf der anderen Strassenseite. Natürlich war der Bär nicht zahm, aber auf jeden Fall auch nicht Menschen scheu.

Hier ein kurzes Video dazu:
Nachdem der Bär sich getrollt hatte, zogen Stripes und ich weiter.
Auf dem weiteren Weg sah ich auf einmal rechts bei einem Ausblick zwei Personen, die in Sesseln sassen und weit ins Land schauten. Ein Bild für Götter.

Ich sprach die beiden an. Es waren Locals aus Richmond, welche auf dem nahe liegenden Campground waren. Sie hatten beide ein Buch auf den Knien und genossen den Augenblick.
Nach ein paar Minuten freundlichem Austausch zogen wir weiter. Jetzt war der Camp Store angesagt!
Wir trafen dort auf einige andere Hiker, ein richtiges Happening. Stripes musste Re-supply machen, ich war noch gut. Aber ein Sandwich nahm ich trotzdem und ass es mit Hochgenuss. Der Milchshake danach war himmlisch. Zu unserer Überraschung tauchte auch Bugbites auf, er wollte nun doch weitermachen. Irgendwie hatten alle den lazy day Modus, keiner schien hier je wieder weg zu wollen. Irgendwann wurde es mir zuviel und ich ging.
Tim (Stripes) und Henry (Bugbites) am Rasten

Unterwegs machte ich immer wieder eine Pause, sodass Henry und Tim aufschliessen konnten. Hier noch ein Ausblick vom Nachmittag.

Praktisch miteinander liefen wir beim Shelter ein.
Nach dem Abendessen war noch etwas Blogen angesagt, ich musste den Rückstand aufholen. Aber irgendwann konnte ich nicht mehr und musste schlafen
