19. Juni 2018 – Tag 41 / Gemütlich in Damascus, Virginia

Das Wichtigste in Kürze:

Start: —

Ankunft Ziel: —

Wetter: Den ganzen Tag Sonne, sehr heiss, um 17h00 kurzes Gewitter.

Zurückgelegte Meilen: 0 heute, 470.1 seit Anfang (756.4 Kilometer)

Elevation (in Fuss): 1928′

Besonderes: Mein erstes Barbeque auf dem Trail und grossartiger Support bei meiner Charity Aktion zugunsten von Tischlein deck dich

Vor der Tagesgeschichte zuerst die Wetterprognosen für Damascus für die nächsten 5 Tage:

Mittwoch: Unwetter 29/20

Donnerstag: Heftiges Unwetter 26/20

Freitag: Heftiges Unwetter 27/18

Samstag: Regenschauer 29/20

Sonntag: Heftiges Unwetter 30/19

Und ich habe heute meine Regenhose per Post weggeschickt….bäh 😝

Heute morgen war gemütliches Aufstehen angesagt. Das Frühstück, welches in der Übernachtungspauschale inkludiert ist, wird im Woodchuck Hostel ab 06h30 angeboten. Irgendwie waren alle Gäste früh hungrig, um 06h45 war bereits ein Riesenbetrieb im Frühstücksraum. Ich muss sagen, das Angebot war sehr reichhaltig und erstklassig😋.

Nach dem Frühstück zogen wir uns auf’s Zimmer zurück. Ich wollte endlich meine Blog Bereinigung abschliessen und war konzentriert am Thema. Eagle Eye und Monk waren ebenfalls mit ihren Handys beschäftigt. Bei uns im Zimmer war noch ein vierter Hiker einquartiert gewesen, B-Cat aus China! Während er am Zusammenpacken war, weil er heute wieder auf den Trail ging, hatten wir noch gute Gespräche.

Nachdem ich den Blog auf Vordermann gebracht hatte, fing ich an, meine Packung auf Unnötiges zu überprüfen. Es kam doch noch das Eine oder Andere zusammen. Eagle Eye machte das Gleiche bei seinen Sachen. Anschliessend gingen wir zu dritt zum Post Office. Eagle Eye sandte seine Sachen an seine Schwester, ich meine postlagernd an mich nach Glasgow, Virginia.

Nach der Post waren die zwei Outdoor Läden an der Hauptstrasse dran. Ich kaufte mir ein T-Shirt und zwei Behälter für Flüssigkeiten.

Anschliessend gingen wir ins Diner Mittag essen. Nach dem Mittag war Siesta angesagt. Ich versuchte, im Blog ein Menü einzurichten, mittlerweile sind ja schon über 50 Beiträge geschaltet. Das Resultat überzeugte mich aber nicht wirklich, sodass ich das Ganze wieder löschte 😐.

Am Sonntag hatte ich eine E-Mail an den Finanzchef meines letzten Arbeitgebers gesandt und gefragt, ob sie mich bei der Charity Aktion zugunsten von Tischlein deck dich unterstützen könnten. Grossartig, am Montag kam die Zusage, das Ganze intern zu promoten, heute war schon nach vorgängiger Rücksprache mit mir ein entsprechender Artikel prominent auf dem Firmen Intranet geschaltet. Herzlichen Dank an Kent und Mia für die schnelle und sehr professionelle Unterstützung. Ich hoffe, dass doch einige Mitarbeitende bereit sind, hier einen Obolus zu leisten.

Wir hatten gestern Rib-Eye Steaks gekauft und gleich mariniert. Die Planung war, dass wir heute noch Beilagen kaufen und dann abends auf dem Gasgrill unser Fleisch machen.

Um 17h00 war wieder der Shuttle zur Food City geplant. Ich brauchte aber Bewegung und lief zu Fuss hin. Ich hatte Glück, die schweren Regenwolken, welche aufzogen, hielten genau bis zu meinem Eintreffen bei der Food City.

Ich kaufte alle Zutaten für eine grosse und reichhaltige Schüssel Salat sowie für frische Maiskolben vom Grill. Zurück zum Hostel nahm ich den Shuttle. Nach meiner Rückkehr machten wir zu dritt den Salat sowie ich die Maiskolben. Eagle Eye setzte den Gasgrill in Betrieb.

Dieses erste BBQ auf dem Trail war einfach nur himmlisch! Das Fleisch war super mariniert und zart, der Salat knackig frisch und die Maiskolben nach meinem Rezept lecker.

Das Hostel erlaubt keinen Alkohol und keine Drogen auf dem Gelände. Wir beschlossen daher, nach dem Essen im Diner noch etwas trinken zu gehen.

Hier noch ein paar Impressionen von Damascus (hauptsächlich Main Road)

Das Trottoir ist mit Ziegelsteinen belegt, welche gespendet wurden

Das angekündigte Revitalisierungsprojekt ist zwingend nötig. Damascus ist auch eine der vielen Kleinstädte in den USA, welche langsam sterben. Ich sah diverse Geschäfte, welche geschlossen waren.

Und hier nochmals unser Hostel.

Ich habe jetzt Damascus zum zweiten Mal erlebt, dieses Mal jedoch gesittet und ruhig. Eigentlich ein schmuckes Städtchen, jedoch ist wenig los ausserhalb der Trail days.

Morgen geht es zurück auf den Trail, wir freuen uns alle. Geplant sind 16 Meilen, hoffentlich macht uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung.

June 19th, 2018 – A special welcome to my former colleagues at Equatex

Dear former colleagues,

Some of you started already to follow my blog after todays article on Confluence. In this respect, a great thank you goes to Kent and Mia for their respective support.

It’s a great pleasure to know that you are interested in my further success on the Appalachian trail. I will continue to publish daily articles in german language. If you struggle with german, just copy my article to Google translate or similar translation tools.

And please don’t forget to check whether you want to support my charity work. It costs you only 1 Rappen (or more if you like) per Kilometer I hiked on the trail.

Wish you a great summer in Switzerland.

Best regards,

Erwin Pike Freiburghaus

FINALER UPDATE / 19. Juni 2018 – Sämtliche Blogeinträge sind komplett

Liebe Blog Besucherinnen und Besucher

Die Blogeinträge des Monats Mai wurden aktualisiert und enthalten jetzt alle Fotos. Ebenso wurde der Eintrag vom 28. Mai neu erstellt, dieser war verloren gegangen.

Ich bedanke mich für die Geduld.

Beste Grüsse

Erwin Pike Freiburghaus

P.S. Bitte um Rückmeldung, falls mit meinem Blog Probleme auftreten oder Fehler festgestellt werden. Herzlichen Dank.

28. Mai 2018 – Tag 19 / The Smokies beginnen und meine zwei ersten Bären 🐻🐻

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h30, Fontana Hilton

Ankunft Ziel: 17h00, Russell Field Shelter

Wetter: Regnerisch

Zurückgelegte Meilen: 14.9 heute, 180.4 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 1775′-1700′-3800′-3653′-4520′-3842′-4775′-4080′-4360′

Besonderes: Ich habe meine zwei ersten Schwarzbären in freier Wildbahn gesehen

Ein letzter Blick auf den Fontana Stausee

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute war es also soweit. Ich hatte schon viel über The Great Smoky Mountains National Park gehört. Die Smokies sind mit über 9 Millionen Besuchern im Jahr der am meisten besuchte Nationalpark in den USA. Die Schönheit, aber auch die Wildheit, sind Garant für eindrückliche Erlebnisse. Hunderte von Meilen Trails gehen durch den Park, der A.T. ist mit 72.3 Meilen der Längste davon.

Die Vorfreude auf diesen Abschnitt meines Trails war jedoch getrübt worden durch die Wetterprognosen für die kommenden Tage. Regen, Regen, Regen, dazwischen mal ein Gewitter……⛈🌧

Nach dem Abmarsch vom Fontana Hilton machten wir beim Visitor Center an der Staumauer nochmals kurz halt. Einerseits wollte ich noch Blog Einträge hochladen, andererseits mussten wir noch das Tagesdatum in die Hiker Bewilligungen für die Smokies eintragen.

Fontana Staumauer, mit 480 Fuss =146.3 Meter) Höhe der höchste Damm in den östlichen Vereinigten Staaten (Photo by Monk)

Nach dem Überqueren der Mauer betraten wir den Park. Den Regenschutz für den Rucksack hatte ich schon übergezogen, Monk hatte einen grossen Abfallsack für sein Backpack.

Nach einer Waldstrasse bogen wir auf den Trail ab. Dort war die Box, in welche wir einen Kontrollabschnitt unserer Bewilligung deponieren mussten.

Am ersten Tag der Smokies musste Höhe gewonnen werden. Wir stiegen den Berg hoch und es fing zu regnen an. Bei Sonnenschein hätten diese Blumen sicher noch besser auf den Fotos gewirkt.

Und die Aussicht wäre auch besser gewesen.

Nach knapp über vier Meilen führte ein kurzer Seitentrail zum Shuckstack Fire Tower.

Mir war bewusst, dass ich wegen der Regenwolken nicht viel sehen würde, aber ich kletterte trotzdem hoch. Ich hatte Glück, etwas Aussicht war doch da.

Hier noch das Video zum Tag:

Witzig: Vom Turm sah ich Hosen und einen Schlafsack in den Bäumen hängen. Man erklärte mir, dass dies in der Regel von Hikern sei, welche aufgegeben haben.

Im weiteren Verlauf der Wanderung kamen wir an den folgenden Warnschildern vorbei, welche auf die Gefahr durch Bären hinwiesen. Aus diesem Grund war auch ein Zeltplatz geschlossen worden.

Weiter ging die Wanderung am ersten Shelter vorbei. Auf dem weiteren Weg fotografierte ich diese Blumen im Regen.

Nass, aber glücklich kamen wir am Abend beim Russell Field Shelter an. Nach dem Abendessen hiess es nur noch, die Food bags an den vorhandenen Bear cables hochzuziehen, dann waren wir bereit für die Nacht.

Doch Moment…….wie war das jetzt mit den zwei Schwarzbären?🤔

Nach der Ankunft beim Shelter wollte ich Wasser holen gehen. Dazu musste ich einen Trail hangabwärts gehen. Ca. 30m nach dem Shelter hörte ich vorne rechts ein Geräusch. Keine 50m vor mir flüchtete ein Schwarzbär in den Wald, gefolgt von einem Zweiten. Ich rief nur BEAR, dann informierte ich die Anwesenden im Shelter. Überraschend für mich war, dass die zwei Bären keine 100m vom Shelter entfernt waren. Mit einem leicht flauen Gefühl im Magen ging ich dann Wasser holen, zurück im Shelter war ich dann in Rekordzeit 😁.

18. Juni 2018 – Tag 40 / Goodbye Tennessee, welcome Virginia

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h15, Abingdon Gap Shelter

Ankunft Ziel: 10h50, Woodchuck Hostel, Damascus / Virginia

Wetter: Den ganzen Tag Sonne, heiss 😰.

Zurückgelegte Meilen: 10.2 heute, 470.1 seit Anfang (756.4 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 3773′-1928′

Besonderes: 10.2 Meilen in Rekordzeit (3h10′) gelaufen und neu im vierten Bundesstaat auf dem Trail (nach Georgia, North Carolina und Tennessee)

State line Tennessee/Virginia

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute kamen wir nach 10.2 Meilen in Damascus in Virginia an. Damascus wird auch „the friendliest town on the trail“ genannt und ist Heimat der jährlichen Trail days. Und genau an diesen Trail days waren Monk und ich ja kurz nach dem Start auf dem A.T. (siehe dazu meine Einträge vom 17.-19. Mai).

Damascus ist ausserhalb der Trail days eine gutbürgerliche Kleinstadt, welche aber ziemlich verschlafen ist. Und dennoch führt ihr Ruf dazu, dass es schon fast ein Mekka für A.T. Hiker ist.

In den letzten Wochen haben wir immer wieder Section hiker (d.h. solche, welche nur eine gewisse Strecke laufen wollen) getroffen, welche als Endziel Damascus angegeben haben. Dies führte bei uns zur Frage, was denn eigentlich in Damascus los ist, dass da alle hinwollen🤔.

Auch gestern abend beim Shelter war Damascus DAS Thema und etliche der anwesenden Hiker sagten, dass sie dort einen Zero day einlegen werden. Auch wir drei hatten dies bereits so besprochen.

Am Morgen lag irgendwie eine freudige Erwartung in der Luft. Ich hatte zwar nicht sehr tief geschlafen (die Mäuse im Shelter waren unheimlich aktiv), aber bereits kurz vor 6 Uhr morgens machte ich mir Tee und Haferflocken.

Um 07h010 war ich bereit für den Trail, musste aber zum ersten Mal auf Monk warten 😁.

Ich fühlte mich sehr gut und zog mit grossen Schritten aus. Natürlich ging es mehrheitlich abwärts, aber auch in den kurzen Abschnitten bergauf war ich schnell unterwegs. Unterwegs überholte ich mehrere Hiker und schloss zu Eagle Eye auf, welcher um 07h00 gestartet war. Nach 2 Stunden respektive 6.5 Meilen kam ich bereits bei der Grenzlinie zwischen Tennessee und Virginia an. Eagle Eye, den ich überholt hatte, kam ebenfalls an und machte von mir ein Foto.

Anschliessend wollte ich den heutigen Wandertag zu Ende bringen und gab nochmals alles. Um 10h25 trat ich aus dem Wald und war in Damascus.

Hier herrschte bereits eine gute Hitze, bis am Nachmittag kletterte das Thermometer gar auf 32 Grad!

Ich wartete auf Monk und Eagle Eye, um zu entscheiden, wo wir schlafen. Eagle Eye hatte vorgängig schon abgecheckt, welches Hostel in Frage käme. Er nannte das Woodchuck Hostel, welches gemäss einem Führer eines der drei besten Hostels auf dem Trail sei.

Wir gingen zum Hostel und fragten, ob wir ein Halbprivat- oder Privatzimmer haben könnten. Wir bekamen für US $ 25 pro Person/Tag ein Bett in einem schönen Viererzimmer im Haupthaus mit eigenem WC und Dusche. Und erst noch mit Frühstück😋!

Nach Einchecken, Dusche und Kleiderwäsche starten wollten wir in das Old Mill Inn etwas essen gehen. Dieses Restaurant mit schöner Terrasse mit Blick auf den Fluss kannten wir noch von den Trail days. Doch Fehlanzeige, das Restaurant ist Montag/Dienstag/Mittwoch geschlossen. So gingen wir weiter auf der Main Street und dann um die Ecke ins Damascus Diner. Dort assen wir sehr gut. Anschliessend gingen wir in der Ofenhitze zurück ins Hostel. Um 17h00 wurden wir ins Food Center gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Nach der Rückfahrt beschlossen wir, später noch eine Pizza zu essen. Pizza Plus, die örtliche Pizzeria, lag beim Food Center. Also wieder dort hin. Absolut super, sie hatten ein grosses Salatbuffet, aus welchem wir uns herzlich bedienten.

Beim Zurückgehen sah ich mein optimales Trail Zubehör, welches ich nur noch kaufen müsste😜.

Gesättigt von Pizza und Salat gingen wir ins Zimmer, alle lagen nun auf ihrem Bett mit dem Handy in der Hand.

17. Juni 2018 – Tag 39 / Trail magic

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h15, Nick Grindstaff Monument

Ankunft Ziel: 16h25, Abingdon Gap Shelter

Wetter: Den ganzen Tag Sonne, angenehm warm.

Zurückgelegte Meilen: 14.6 heute, 459.9 seit Anfang (740 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 4090′-4120′-3450′-4080′-3384′-3900′-3653′-3773′

Besonderes: Erlebte Trail magic und Mücken ohne Ende.

Und hier die Tagesgeschichte:

Die heutige Nacht im Zelt war nicht die Beste. Zwar hatten wir gutes Wetter, sogar ohne Morgentau (d.h. ein trockenes Zelt zum Einpacken). Aber ich war bereits nach 3 Uhr morgens wach und entschied, einen „verloren“ gegangenen Blog (Datum 12. Juni) nochmals zu erstellen. Als ich kurz vor 5 Uhr fertig war, konnte ich nicht mehr einschlafen. Ab halb Sechs hörte ich Monk, um Sechs war seine übliche Kaffeeprozedur dran. Kein Problem, ich hatte direkt vor dem Zelt meine Küche und machte mir ebenfalls einen Kaffee. Anschliessend machte ich mir Ramen zum Frühstück. Monk war wie üblich schnell fertig und ging auf den Trail.

Ich nahm mir Zeit und packte alles gemütlich zusammen, nahm dann nach Online Konsultation der „Krankenschwester meines Vertrauens“ ein Schmerzmittel für das lädierte Knie und machte mich auch auf den Weg.

Morgenstimmung auf dem Trail

Der heutige Tag war profilmässig nicht so fordernd, es waren eher rollende Hügel.

Im Laufe des Morgens musste ich mal austreten. Ich verliess den Trail und ging etwa 100 Meter in den Wald. Hinter einem umgestürzten Baum traf ich dann die folgende Situation an.

Ein zentrales Anliegen aller Trailverantwortlichen ist das Motto: „Leave no trace – Hinterlass keine Spuren“. Damit wird versucht, die Natur in der heutigen Form für nachfolgende Generationen zu bewahren. Zusätzlich sollen damit die wilden Tiere nicht an die Menschen gewöhnt werden. Überall steht „Pack in – Pack out“, gemeint ist, dass man seinen Abfall mitnimmt. Das dumme und egoistische Verhalten einzelner Hiker ist einfach nur störend. Ich packte den ganzen Trash zusammen und nahm ihn mit.

Nach knapp 5 Meilen kam ich zu einer Strasse. Direkt dahinter kam jetzt ein wunderbares Stück Trail, welches durch Wiesen, Felder und über offene Weiden führte. Hier der Beginn durch eine Wiese.

Nun ging es wieder in den Wald. Ich war noch am Telefon mit Tanja, als eine junge Thru-Hikerin an mir vorbeilief. Es war YoYo.

Im weiteren Verlauf holte ich sie wieder ein, wir kamen kurz ins Gespräch, dann zog ich davon. Beim Double Springs Shelter nach 6.3 Meilen musste ich Wasser holen, YoYo zog wieder an mir vorbei 😁.

Nun war ich also mit Wasser versorgt und lief die weiteren Meilen mit gutem Schwung.

Ich hatte im Führer gesehen, dass knapp bei 10 Meilen das Low Gap kommt, bei welchem man zu einem Grocery Store und Restaurant trampen kann. Ich sandte Monk eine SMS und fragte, ob er schon beim Gap vorbei war. Er antwortete, dass er gerade dort sei. Ich schlug vor, eine Pause einzulegen. Er wollte erst nicht, teilte dann aber mit, dass ein Trail Angel am Gap sei und eisgekühlte Getränke sowie Snacks und Früchte verteile. Er würde mal eine gewisse Zeit dort verbringen. Ich gab Gas und war nach 1 Std. und 15 Min dort.

Monk, Eagle Eye, YoYo, Whalmo, Pike

Aber hallo, das war jetzt wirklich Trail magic vom Feinsten. Whalmo, der den A.T. komplett über mehrere Jahre abgelaufen ist, stand mit seinem Wagen beim Gap. Er hatte eine grosse Kühltruhe dabei, gefüllt mit Eis, verschiedenen Sodas sowie Wasser. Früchte (Trauben, Äpfel, Bananen) sowie verschiedenes süsses Gebäck rundeten das Angebot ab. Whalmo hatte an alles gedacht und auch Klappstühle mitgebracht. Monk sass mit Whalmo gemütlich dort, als ich zeitgleich mit YoYo zum Gap kam. Wir nahmen ebenfalls Platz und genossen die Getränke sowie die Snacks. Später stiess auch noch Eagle Eye dazu. Whalmo, ein Manager von REI, erzählte uns, wie er den A.T. absolviert hatte. Dies war nun sein vierter (sic!) Sonntag in Serie, wo er den Trail Angel spielte. Nach gut 1 Std. und 40 Minuten brachen Monk und ich wieder auf, um die letzten 5 Meilen bis zum Shelter zu laufen.

Thank you very much, Whamo!

Ich war im Schuss und zog davon.

Unterwegs sah ich noch diese Blume, welche „mit musste“.

Direkt beim Shelter steht eine geschützte fleischfressende Pflanze, Monk hat sie zufällig entdeckt.

Nach dem Abendessen waren alle Hiker relativ schnell in ihren Unterkünften verschwunden. Dies hatte sicher auch mit den Unmengen an Mücken zu tun, welche extrem lästig waren.

Ich habe mir mein Innenzelt IM SHELTER aufgebaut, damit ich an meinem Blog arbeiten kann, ohne lebendig gefressen zu werden.😎

Und zum Schluss noch etwas offizielle Statistik:

Wir haben heute den Mile marker für 450 Meilen überschritten. An diesem Punkt des Trails sind bereits 50 Prozent der als Thru-Hiker registrierten Personen ausgestiegen. But Pike keeps on going!

12. Juni 2018 – Tag 34 / Blütenpracht im Nebel

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h30, Roan High Knob Shelter

Ankunft Ziel: 16h15, Mountain Harbor Hostel

Wetter: Nebel, zwischendurch etwas sonnig, abends volle Sonne und richtig heiss

Zurückgelegte Meilen: 16.3 heute, 394.8 seit Anfang (635.2 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 6285′-5512′-5826′-5640′-5807′-5770′-5800′-5050′-5180′-4682′-5459′-4960′-5587′-4400′-4820′-2860′-2880′

Besonderes: Staatsgrenze North Carolina/Tennessee überschritten / Top Kundenservice im Mountain Harbor Hostel

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute waren die Roan Mountains angesagt. Diese sind ein beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet.

Im 18. und 19. Jahrhundert war hier ein Grand Hotel zuoberst auf dem Roan High Knob, heute sind nur noch einzelne Grundmauern vorhanden. Die betuchten Gäste reisten per Eisenbahn an und wurden dann per Pferdegespann auf den Berg gefahren. Oben wartete dann ein Profifotograf, der den „gefährlichen“ Ausflug in die „wilden“ Berge dokumentierte 😁.

Auf dem ehemaligen Fuhrweg machten wir uns auf den Weg. Nach dem gestrigen Regen war es nun sehr dunstig und feucht. Nicht lange nach dem Start lief Monk mit dem Kopf gegen einen tiefhängenden Ast und ging kurz in die Knie. Der Zusammenprall war so heftig, dass er leicht am Kopf blutete. Kurz darauf rutschte ich aus und machte Bekanntschaft mit den spitzen Felsen. Doppelt Autsch!

Die Sonne versuchte, sich durch den Dunst zu kämpfen, aber erfolglos.

Die Roan Mountains sind auch für ihre Blütenpracht bekannt. Immer wieder blieben wir stehen, um diese auch im Nebel zu bewundern.

Die heutige Strecke ging über mehrere Knobs (Berggipfel), ein Rauf und Runter (klingt doch irgendwie bekannt, oder 😉).

Das dominante Thema war aber der Nebel und die damit zusammende Feuchtigkeit. Hier einige Impressionen:

Aber es gab sogar mal Sonne unterwegs, als wir oberhalb des Nebels waren.

Bevor es nun endgültig bergab ging, ein letzter Blick auf eine Gedenkplakette.

Beim Abstieg sah ich diesen wunderschönen Baumpilz in Blumenform.

Und dann passierten wir die Staatsgrenze zwischen North Carolina und Tennessee. Ein weiterer Bundesstaat ist abgehakt. Schön war’s, aber auch fordernd.

Wir hatten heute ja wieder eine lange Strecke gewählt. Das letzte Teilstück war äusserst mühsam, Felsen, Steine, Wurzeln, Morast. Alles Bedingungen, welches schnelles Vorankommen verunmöglicht. Dazu ging mir das Wasser aus, was noch nie vorgekommen ist. Und Wasser wäre nötig gewesen, denn die Sonne hatte sich hier durchgesetzt und es wurde richtig heiss! Ich war genervt und kurz davor, hinzuschmeissen!

Letztendlich kamen wir aber beim Highway an. Wir hatten zwei Hostel zur Auswahl, eines 0.3 Meilen entfernt, das andere im nächsten Ort ein paar Meilen entfernt. Ort tönt immer gut, also Daumen hoch und Autostopp.

Ein Fahrer hielt, er war selber Hiker und empfahl uns wärmstens das nahehelegene Hostel und fuhr uns auch gleich hin. Nach Check-In und Aufsetzen der Wäsche machten wir uns per Autostopp auf Richtung nächstem Ort. Wir wollten ein Stück Fleisch vom Grill und ein Bier dazu. Aber Fehlanzeige, der ganze Ort, der in Tennessee liegt, ist trocken. In einem Diner hatten wir gutes Essen. Im Supermarkt gegenüber empfahl man uns, über die Staatsgrenze nach North Carolina zu fahren (etwa 8 Meilen), dort gäbe es Bier!

Wir trampten zum Hostel zurück. Dort war um 17h00 ein Beer run gewesen, diesen hatten wir leider verpasst.

Ich ging zur Eigentümerin und fragte, ob sie allfällig noch Bier übrig hätte zum Verkauf. Sie verneinte, bot aber an, mich und Monk kurz über die Staatsgrenze zum Biereinkauf zu fahren. Wow, ein unglaublicher Kundenservice.

Zufrieden sassen wir dann noch mit anderen Hikern zusammen (ein Paar aus Bayern).

16. Juni 2018 – Tag 38 / Ein Fünftel des A.T. ist absolviert!

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h30, Shook Branch Road (Boots Off Hostel)

Ankunft Ziel: 17h45, Nick Grindstaff Monument

Wetter: Am Morgen Sonne, bereits sehr warm, dann heiss, ab 14h00 teilweise bewölkt, gewittrig.

Zurückgelegte Meilen: 17.3 heute, 445.3 seit Anfang (716.5 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 2000′-1990′-2100′-1915′-2480′-2240′-4190′-4000′-4125′-4090′

Besonderes: Mit dem heutigen Tag haben wir 20 % des Appalachian trail absolviert!😁

Nick Grindstaff Monument

Und hier die Tagesgeschichte:

Nachdem ich letzte Nacht bis weit nach Mitternacht am Blog gearbeitet hatte (muss ja jetzt noch alles wieder in Schuss bringen), schlief ich heute bis kurz vor 07h00😲.

Als ich mich aus meiner Koje geschält hatte und nach draussen ging, stand Monk schon bereit zum Abmarsch. Ich sagte ihm, dass er ruhig schon gehen sollte, ich wollte zuerst frühstücken. Wir vereinbarten, dass wir heute bis zum Iron Mountain Shelter gehen würden (16 Meilen). Monk zog los.

Das Boots Off Hostel gehört für mich bis jetzt zu den Top Drei Hostels, die ich gesehen habe. Für US $ 20 plus tax schläft man in einem tollen Bunkhouse mit Kopfkissen und Decke, individuellem Vorhang, Leselampe und Stecker. Die sanitären Einrichtungen sind kreativ (Dusche) und sehr gepflegt. Und das Frühstück ist auch noch dabei.👍

Bunkhouse von aussen

Individuelle Schlafkojen mit Vorhang (im Bild Eagle Eye)

Duschkabinen von aussen

Duschkabine von innen

Dusche auf kreative Art (funktioniert sensationell!)

Toilettenanlage

Sauber und modern

Ausgelassene Stimmung beim Frühstück

Um 08h30 waren Eagle Eye und ich gestärkt vom Frühstück zum Abmarsch bereit.

Wir würden heute auf gut 4000 Fuss steigen und etwa auf dieser Höhe morgen den ganzen Tag marschieren.

Unterhalb des Hostels liegt der Watauga Stausee, ein schönes Feriengebiet Wir liefen die Strasse runter, überquerten die Hauptstrasse und kamen direkt beim öffentlichen Schwimmbad runter. Warum hatte ich das gestern nicht realisiert, ich wäre schwimmen gegangen.

Da es noch Morgen war, waren Wildgänse die einzigen Gäste.

Wir liefen nun dem See entlang in Richtung der Staumauer.

Wir benötigten gut eineinhalb Stunden, bis wir dort ankamen.

Wie man sieht, besteht die Staumauer aus Steinen und nicht aus Beton. Diese wurden direkt nebendran aus dem Fels gebrochen.

Nun begann der Anstieg in die Big Larel Branch Wilderness.

Wir passierten den ersten Shelter, den Watauga Lake Shelter. Dieser ist wegen Bärenaktivität geschlossen. Ich erfuhr später den Hintergrund der Geschichte. Ein sogenannter „Jäger“ wollte einen Bären schiessen und hatte die unglaublich dumme Idee, den Bären in der Nähe des Shelters mit Hundefutter anzulocken. Natürlich sprach dies nicht nur einen Bären an. Der Jäger erlegte einen männlichen Bären, zwischenzeitlich hatte sich aber eine Bärenmutter mit einem Jungbären an die Futtergaben gewöhnt. Diese Tiere kamen nun regelmässig zur Hütte und suchten dort Futter. Die Begegnung mit Hikern war zu gefährlich, deshalb wurde der Shelter gesperrt und soll im nächsten Jahr sogar abgerissen werden!

Eagle Eye und ich wanderten weiter zum zweiten Shelter, dem Vandeventer Shelter. Diesen erreichten wir nach 9.2 Meilen. Die Aussicht war wieder einmal beeindruckend.

Wir assen etwas Kleines zu Mittag, dies war für mich eine Premiere, bis dato hatte ich immer nur Snacks gehabt. Tortillas mit etwas Thon darauf, gerollt, fertig waren feine Wraps 😋.

Beim Shelter hatten wir Snowman getroffen, einen älteren Thru-Hiker, welcher ebenfalls im Boots Off Hostel übernachtet hatte. Nach einigen guten Gesprächen zog er los und meinte noch, dass wir ihn wohl bald einholen würden.

Kurz darauf zogen auch Eagle Eye und ich los. Tatsächlich holten wir Snowman bald ein und überholten ihn. Dieser Abschnitt des Trails war wieder einmal absoluter Mist für mich. Steine, Felsblöcke, Wurzeln, eine ewige Stolperei. Und dann passierte es: Ich blieb an einem Felsen hängen und stürzte. Ich landete mit dem rechten Knie direkt auf einem Stein, es tat zuerst mal zünftig weh. Eagle Eye hatte nichts bemerkt und war weg.

Nachdem ich mich sortiert hatte, löste ich die Rucksackriemen und rappelte mich auf. Das Knie war zum Glück nicht gross blutig geschrammt, aber es war stark geprellt. Langsam fing ich wieder zu laufen an, ich wusste, dass Bewegung jetzt das Beste ist (Durchblutung).

Endlich kam ich beim Shelter an, etliche Hiker inkl. Eagle Eye waren dort und hatten ihre Zelte und Hängematten aufgestellt, der Shelter war vollkommen leer. Einzig von Monk keine Spur! Ich sandte ihm eine SMS und fragte, wo er stecke. Die Antwort kam umgehend, er war noch 1.3 Meilen weitergelaufen und hatte sein Zelt beim Nick Grindstaff Monument aufgeschlagen. Ich machte mich zähneknirschend auf den Weg und lief die zusätzlichen 1.3 Meilen.

Beim Monument angekommen klärte ich mit Monk die Situation. Er wollte nicht beim Shelter bleiben, da zu viele Leute, Rauch überall wegen Lagerfeuern, Unmenge an Mücken, keine Blätter als Unterlage (seine Luftmatraze ging kaputt, ist jetzt eine OHNELUFTMATRATZE 🤣). Ich sagte Monk, dass ich eine Nachricht erwartet hätte, wo er sei. Er hatte mir tatsächlich mit Candy einen Pfeil gelegt, diesen sah ich aber erst, als ich schon wieder Richtung Monument loslief. Nun war alles geklärt und ich gratulierte Monk noch zum ersten Fünftel des A.T., welchen wir heute erreicht haben. Eine tolle Leistung, auf welche ich stolz bin!

Nun noch etwas zum Monument.

Nick Grindstaff reiste westwärts um sein Glück zu machen, wurde aber während seiner Reise ausgeraubt. Er kehrte zu den Iron Mountains zurück, wo er über 40 Jahre lebte und zu einem der berühmtesten Eremiten der Region wurde. Er starb 1923, die Tafel am Kamin wurde 1925 errichtet. Darauf steht: Er lebte allein, leidete allein, starb allein.

Spendenaufruf / 1 Rappen für jeden zurückgelegten Kilometer von Pike an Tischlein deck dich

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

Ich hoffe, der Blog gefällt und lädt dazu ein, regelmässig an meinem grossen Abenteuer virtuell teilzunehmen. Gerne nehme ich Input zum Blog entgegen, ein Kommentar im Blog oder eine E-Mail an erwin.freiburghaus@gmail.com reicht.

In den vergangenen Wochen auf dem Trail ist mir bewusster geworden, dass das Thema Food waste, also das Vernichten von noch geniessbaren Lebensmitteln (auch in der Schweiz) ein grosses Problem ist. Unser eigenes Einkaufsverhalten lässt uns oft nur die schönsten Früchte, frischesten Salate, geradesten Rüebli etc. aussuchen, der Rest bleibt liegen und wird oft weggeworfen.

Ich möchte nun etwas dagegen unternehmen und die folgende Institution mit eurer Hilfe unterstützen.

Tischlein deck dich

http://www.tischlein.ch

Diese Institution verteilt Lebensmittel an bedürftige Personen in der Schweiz (ja, davon gibt es leider mehr als man denkt).

Ich stelle mir vor, dass interessierte Personen für jeden Kilometer, den ich auf dem Trail zu Fuss zurückgelegt habe, nach meiner Rückkehr einen Rappen (oder ein Mehrfaches davon) spenden. Da der Trail die Länge von rund 3500 km hat, ist der maximale Spendebetrag Fr. 35 (oder ein Mehrfaches), wenn ich den Trail fertig laufe. Stand 15. Juni abends habe ich 688.7 Kilometer zurückgelegt, d.h. ein/e Spendewillige/r müsste Fr. 6.89 bezahlen, wenn ich jetzt aufhören würde. Schön wäre es, wenn ich 50 Leserinnen und Leser des Blogs überzeugen könnte, mich hier zu unterstützen. Deshalb auch die Bitte: Macht meinen Blog bekannt und leitet die URL weiter (https://hikerpike.blog)

Ein Leser hat sich bereits gemeldet und spendet 5 (fünf!) Rappen pro Kilometer. Grandios!!!👏👏

Vielen Dank

Erwin Pike Freiburghaus

FAQ

Wie kann ich mitmachen?

Sende eine E-Mail an erwin.freiburghaus@gmail.com

Betreff: Tischlein deck dich

Text: Ja, ich mache mit

Name, Vorname(n), Anzahl Rappen pro Kilometer (Auswahl: 1 oder Mehrfaches davon)

Ich verpflichte mich, auf Aufforderung durch Erwin den geforderten Betrag (max. Fr. 35 oder Mehrfaches davon) gemäss seinen Instruktionen zu überweisen.

Meine Name darf im Blog genannt werden (Auswahl: ja oder nein).

Wie kann ich mich über den aktuellen Kilometerstand von Pike informieren?

Im Tagesblog wird der aktuelle Stand genannt.

Was passiert mit meinem Geld?

Jeder an Erwin bezahlte Betrag wird vollumfänglich der Vereinigung Tischlein deck dich überwiesen. Eine Abrechnung wird im Blog aufgeschaltet.

Bekomme ich eine Spendenquittung?

Nein, dies ist nicht vorgesehen.