19. Mai 2018 – Tag 10 / Trail days Parade

Auch die letzte Nacht war laut bis weit in den frühen Morgen. Ich schlief jedoch einiges besser, da ich Gehörschutzpfropfen montiert hatte. Und aufgrund von stärkerem Regen in der Nacht waren auch weniger Leute unterwegs als in der Nacht vorher. Wir hatten beschlossen, dass wir heute nach der Parade abreisen würden.

Ab 6 Uhr morgens wurde in der Kirche ein Pancake Buffet angeboten. Dazu gab es Kaffee, Wasser, Limonade und Gatorade zum Trinken, alles für US $ 5.

An unserem Tisch nahm Lil Wayne (Trailname) Platz.

LIL WAYNE: It (the A.T. ) ruined my life in the best way

Sie machte 1200 Meilen auf dem A.T. im letzten Jahr. Unter anderem weil ihr das Geld ausging, musste sie abbrechen. Sie kam hierher, um die Atmosphäre des Trails wieder zu fühlen. Ihr Traum ist der Triple Crowner. Diese Auszeichnung erhält, wer den A.T., den PCT (Pacific Crest Trail; geht von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze entlang der Westküste) und den CDT (Continental Divide Trail; geht von New Mexico bis zum Glacier National Park) gelaufen ist.

Gizmo hatte seit Beginn des Trails sein Knie getaped, er hatte es vorher verletzt. Heute morgen nahm sich Jennifer, welche Krankenschwester ist, der Sache an. Das Knie hatte nämlich angefangen, permanent zu Schmerzen. Am Frühstückstisch wurde nun munter getaped. Mit mehreren Tapes wurde das Knie stabilisiert.

Da die Schmerzen nicht abnahmen, nahm Gizmo ein Medikament und entschied sich, den Fussdoktor aufzusuchen, welcher kostenlos für die Hiker da war. Leider war die Erstdiagnose nicht gut, es könnte ein Meniskusschaden sein. Gizmo wird am Montag einen Arzt aufsuchen und muss allfällig ein MRI machen. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass er den Trail aufgeben muss. Traurige Nachrichten also 😔.

Nach dem Frühstück wollte ich noch ein aktuelles Foto der Zeltstadt machen (Familienbereich).

Im Laufe des Morgens bauten wir unsere Zelte ab, um 13h war Treffpunkt, um dann alles ins Auto zu bringen und anschliessend zu Fuss an die Parade zu gehen, welche um 14h starten sollte.

Als Kimi auch um 13h20 noch nicht da war, gingen Monk und ich bereits voraus, ich wollte noch das Gratis-Internet beim Old Mill Inn konnektieren.

Kurz nach 14h startete die Parade, welche einfach nur amerikanisch war.

Voraus die Polizei und ein Rettungswagen mit eingeschalteten Signallichtern, dann ein paar Trail-Prinzessinnen, gefolgt von Organisationen, welche sich um den A.T. kümmern und dann verschiedenste Jahrgänge von Thru-Hikern.

Witzig war, dass viele Zuschauer mit Wasserkanonen ausgestattet waren, desgleichen aber auch viele Hiker. Entsprechend gingen die Wasserschlachten teilweise heftig los. BIG FUN 😁.

Nach 20 Minuten war alles vorbei, den Abschluss bildeten weitere Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge.

Nachdem wir fünf uns endlich wieder gefunden hatten, fuhren wir gegen 15h45 Richtung Hiawassee los, eine mehrstündige Fahrt lag vor uns.

Heute lernte ich für einmal kennen, was Sturheit bedeutet respektive was eine „corporate policy“ und „no exceptions“ bedeutet. Auf dem Weg Richtung Hotel hatten wir beschlossen, in einem Hooters Restaurant etwas zu essen. Gizmo bestellte ein Bier für sich, das machte mich doch gleich an. Als nichts wie los und auch eins bestellt. Die Bedienung (bei Hooters sind das alles junge Frauen in knappen Blusen und Pants) verlangte einen Ausweis von mir. Das verstand ich ja noch, ich sah ja nur wie knapp 21 aus. Als sie jedoch weder meine ID noch meinen Führerschein akzeptierte (weil nicht US) und nach dem Pass fragte, welcher im Auto war, wurde ich leicht säuerlich (ja, das kann ich auch). Ich sagte, sie solle das bitte mit dem Manager klären. Doch auch dieser wich nicht von den geltenden Regeln ab. Ich hatte also die Wahl: Kein Bier oder Pass holen gehen. Zähneknirschend holte ich den Pass aus dem Auto….

Um 21h30 kamen wir im Best Western Milton Inn Hotel in Blairsville an, für das Hostel bei Hiawassee waren wir leider viel zu spät, dieses schliesst um 19h. Monk und ich teilten uns ein Zimmer.

Nachtrag:

Nach drei Tagen „rumgehänge“ geht es morgen endlich wieder auf den A.T., ich freue mich darauf, wieder laufen zu können. Keep u updated 👍

18. Mai 2018 – Tag 9 / Trail days

An Schlaf zu denken heute Nacht war relativ schwierig. Zeltwände sind bekanntlich äusserst dünn, speziell, wenn irgendwelche zugedröhnten Hiker um halb Drei morgens in voller Lautstärke ihre Erlebnisse auf dem A.T. Gott und der Welt erzählen wollen 😒.

Aber ich will hier nicht klagen, schliesslich bin ich mir das irgendwie auch nicht gewöhnt, mein Leben in den letzten 52 Jahren war ja eigentlich stets brav und geregelt 🤓.

Wie zu erwarten war, herrschte um 6 Uhr morgens eine absolute Stille in unserem Bereich, vermutlich lagen nun etliche Nachtschwärmer in einem komatösen Zustand in ihren Zelten 😉.

Nach dem Aufstehen entschied ich, Richtung Stadtzentrum zu gehen und mir die Gegend anzuschauen. Monk kam gerne mit. Erster Stopp war die Kirche, wo wir gestern Musik gehört hatten, dort gab es Kaffee und Goodie Packs für die Hiker. Von Süssigkeiten über Getränke wie Milch und Wasser bis zu Hygieneartikeln ist alles frei und kostenlos erhältlich. An den Hiker days werden Duschen, Haarschnitte, Kleiderwäsche sowie Reparaturen an der Ausrüstung gratis angeboten. Einfach nur toll👍.

Wir schauten uns die diversen Schaufenster an und stellten fest, dass Damascus ein sehr schmuckes Städtchen ist, in welchem aber ausserhalb der Hiker days nicht allzuviel los sein dürfte.

Am nahegelegenen Flüsschen liegt das Old Mill Inn, eine ehemalige Getreidemühle aus dem 19. Jahrhundert, in welchem heute abend Live Bands auftreten werden. Obwohl eigentlich noch geschlossen versuchten wir, eine Reservation für den Abend zu machen. Wir hatten aber nicht bedacht, dass es auch ein Hotel ist. Ryan nahm uns gerne in Empfang, zeigte uns ein bisschen das Hotel und nahm auch die Reservation für den Abend entgegen. Monk fragte ihn, ob wir hier auch frühstücken könnten, nachdem er ein Buffet gesehen hatte. Für US $ 10 pro Person konnten wir dann tatsächlich dort frühstücken.

Nach dem Frühstück liefen wir zur Zeltstadt zurück. Unsere Freunde waren jedoch alle ausgeflogen. Wir beschlossen, sie suchen zu gehen.

Am Hikers Day nehmen auch eine grosse Anzahl von Herstellern von Outdoor Artikeln teil, darunter alle grossen Namen. Es sind dann fast schon endlose Verkaufsstände, wo eigentlich alles angeboten wird, was es im Outdoor Bereich braucht (und manchmal auch nicht braucht).

Die Hersteller gewähren dann oft auch gute Rabatte und Gratisverlosungen sind gute Zugpferde, um potenzielle Kunden anzulocken.

Ich liess mir am Gregory Stand die neueste Generation der ultraleichten Rucksäcke zeigen. Was für ein Quantensprung zu meinem Rucksack…

Monk kaufte sich ein Paar knöchelhohe Vasque Hikking Schuhe, welche er dann mit 50% Rabatt erhielt. Ich bekam dazu ein T-Shirt geschenkt.

Was ich heute beim Besuch der vielen Stände gelernt habe: Es geht letztendlich nur noch über respektive um das Gewicht. Früher war im Marketing „light“ das Höchste, dann kam „ultralight“. Heute ist es schon „hyperlight“. Was kommt wohl als Nächstes? Mit teilweise hunderten von Dollars kann man seine Ausrüstung gewichtmässig reduzieren, dies jedoch teilweise nur noch im homöopathischen Bereich. Motto für viele: The lighter, the better.

Ich leistete mir einen langstieligen Esslöffel aus Titan, da auf dem Trail Essen teilweise direkt im Beutel zubereitet wird und mein Bambuslöffel hier zu klein ist.

Wärend unseres Rundganges trafen wir die anderen wieder und informierten sie über die Reservation am Abend. Sie fanden das gut und bestätigten, dass sie dabei sein würden. Wir diskutierten auch, ob wir am Samstag oder Sonntag zurückfahren sollten. Letztendlich kamen wir überein, dass wir morgen nach der Hikers‘ Parade fahren und somit Sonntag wieder auf dem Trail sind. Irgendwie fehlt er nämlich schon ein bisschen…

Um 17h40 machten wir uns alle wieder auf den Weg zum Old Mile Inn, um etwas zu essen und dann die Band zu hören. Es tanzten viele Leute zur Musik, sodass wir ebenfalls zur Bühne gingen und uns bewegten.

Irgendwann hatten wir genug und ein Trail Angel fuhr uns zurück, da es wieder mal regnete.

Jetzt sitze ich in meinem Zelt, an Schlaf ist noch nicht zu denken. Ca. 100 Meter von mir entfernt brennt ein riesiges Holzfeuer, darum haben sich Personen mit Bongos platziert, diese spielen gerne stundenlang….. Letztes Jahr habe das bis zum morgen gedauert….😐 .

Kurz vor dem Einschlafen gönnte ich mir noch einen Schluck Bourbon Whiskey. Ich hatte nämlich auf der Hinfahrt nach Syracus doch tatsächlich einen Liquor Store gefunden, Spirituosen werden in den USA nicht in Walmarts oder anderen Foodmarkets verkauft. Seit dem Beginn der Wanderung trug ich einen leeren Flachmann mit, da ich bis anhin keine Gelegenheit hatte, einen Whiskey zu kaufen und den Flachmann damit zu füllen.

Kurze witzige Rückblende: Als ich mit Ranger Nick im Amicalola Falls Nationalpark am 10. Mai meine Ausrüstung durchging, um das Gewicht des Rucksacks zu reduzieren, hat Nick beim Flachmann sofort und klar gesagt, dass ich diesen behalten müsse, auch wenn er im Moment leer sei. Manchmal bräuchte man etwas Gutes, um sich auf dem Trail für das Weiterlaufen zu motivieren.😁

Die Single Barrel Vintages von der Old Evan Williams Destillery aus Bardstown, Kentucky sind schon mehrfach prämierte Kentucky Straight Bourbon Whiskeys. Diese Abfüllung (Fass Nr. 148, destilliert 30. Januar 2009, abgefüllt 13. Dezember 2016), deren Alkoholgehalt auf 43.3 % Alc./Vol. eingestellt wurde, schmeckt vorzüglich.😋

Zurückgelegte Meilen: 0 heute, total 77.8.

Hier noch zwei lustige Bilder vom Tag.

17. Mai 2018 – Tag 8 / Planänderung und mein erster Zero-day

Gizmo hatte seit Tagen die Idee, dass wir an die 32nd Appalachian Trail Days Festival in Damascus, Virginia http://traildays.us fahren könnten. Dies ist DER jährliche Event für aktuelle und ehemalige Hikers auf dem A.T.

Monk und ich stimmten dem Vorschlag gerne zu, u.a. auch wegen der Wetterprognosen für die kommenden Tage. Nach sieben Tagen Hiking mit einem täglichen Schnitt von 11 Meilen war dies eine ideale Gelegenheit, dem Körper etwas Ruhe zu gönnen. Nick, der Ranger in Amicalola, hatte uns nämlich bei der Instruktion am 10. Mai gesagt, dass etwa 8 Meilen pro Tag in der ersten Woche gut seien, ab der zweiten Woche dann vielleicht 10 pro Tag und so weiter. Beim offerierten Frühstück (verschiedene Flocken mit Milch, dazu Kaffee oder Tee) hatten wir das Vergnügen, von Bob, dem Leiter des TOG, einen mit viel Feuer und Leidenschaft präsentierten Vortrag über die Entstehungsgeschichte des TOG zu hören. Extrem spannend waren seine mit vielen Erlebnissen gespickten Top 10 Regeln des Hikings auf dem A.T., ist Bob doch ein ehemaliger Ranger und Thru-Hiker. Grossen Respekt flösste er uns allen mit den Erzählungen zum Great Smocky Mountains National Park ein, einem Nationalpark mit Bergen bis zu 6600 Fuss (1980 Meter), den wir in den nächsten Wochen erreichen würden. Die Strecke durch den Park (72.4 Meilen) muss in 7 Tagen durchwandert sein, man benötigt eine spezielle Bewilligung, welche US $ 20 kostet. Gut 40 Prozent der Thru-Hiker geben in den Smockies jeweils auf!🤤

Monk und ich lösten im Internet die Bewilligung, Gizmo hatte sie schon vorgängig eingeholt.

Nach dem Frühstück organisierte Gizmo unseren Mietwagen. Wir hatten bis 10 Uhr Zeit, unser Quartier zu räumen, ideal, um mein Material neu respektive besser/anders zu packen. Ich hatte eine Waage vor dem Eingang gesehen, ideal, um das genaue Gewicht des gepackten Rucksackes zu ermitteln.

Super, ohne Wasser 38 Pfund, d.h. 17.2 Kilogramm. Mit vollem Wassersack kommen nochmals 3 Kilo dazu, aber ich bin immer noch bei meinem Ziel, nicht mehr als 20 Kilo zu tragen.

Monk und Gizmo beim Warten auf den Shuttle

Kimi und Jennifer, beide ebenfalls Thru-Hikers, hatten von Gizmo über unsere Pläne gehört und sich entschieden, uns zu begleiten.

Entspanntes Warten….

Carey fuhr uns im TOG Shuttle nach Hiawassee, wo wir auf den Shuttle zur Autovermietung warteten.

Nach der Fahrt zum Autovermieter hiess es Umladen. Wir erhielten einen weissen Chevrolet Equinox mit knapp 5500 Meilen auf dem Tacho. Der Wagen roch immer noch neu (vielleicht war das aber auch nur ein Wunderspray, den sie jeweils bei der Reinigung verwenden😉).

Bei einsetzendem Regen machten wir uns auf den Weg nach Damascus, es lagen knapp 240 Meilen vor uns. Die Fahrt war kurzweilig, nur unterbrochen von zwei kurzen Stopps. Unter anderem wollten wir noch Getränke kaufen für die Trail days.

Wir trafen ca. 18h15 in Damascus ein. Schon eingangs der Stadt sahen wir die ersten Hiker. Die Mehrheit waren mehrheitlich junge Männer mit buschigen Bärten. Interessant waren auch die Kleider, welche teilweise getragen wurden. Es war schnell klar, dass sich hier die Hiker Community, welche teilweise seit März mit zahlreichen Entbehrungen unterwegs war, selber feierte.

Wir konnten unseren Wagen parken (US $ 20 für das ganze Wochenende), packten unsere Rucksäcke und machten uns zur Zeltstadt auf, welche ganz in der Nähe lag. Am Eingang war die Polizei auffällig präsent, direkt daneben lösten wir unseren Eintritt zur Zeltstadt für US $ 5 pro Person.

Anschliessend suchten wir uns einen Platz zum Zelten aus. Die Familienzone war klar nicht unsere Präferenz. Während unserer Suche sahen wir reservierte Abschnitte, welche von irgendwelchen Gruppen mit grossem Materialeinsatz zur persönlichen Festzone gemacht worden waren. Ich sah sogar grosse gusseiserne Barbecue-Grills, einfach unglaublich.

Wir fanden eine nette Ecke auf einer Wiese, auf welcher schon ein paar Zelte standen. Direkt daneben bauten wir unsere 5 Zelte auf. Anschliessend wollten wir einen ersten Augenschein nehmen. Die Party nahm bereits heftig Fahrt auf! Viele Hiker hatten vermutlich schon gut getrunken, entsprechend laut und wild wurde gelacht, geschrien, getanzt und das Leben genossen. Überall waren farbige Lichter, teilweise hatten Hiker sich selbst voll illuminiert. Ein Bild für Götter.

Wir waren bei der Ankunft darauf hingewiesen worden, dass bei einer Kirche ab 19h00 Live Music gespielt würde und Kuchen erhältlich wäre. Wir waren hungrig und gingen hin. Die Band war wirklich Klasse und spielte von Country über Folk bis zu Rock ein breites Repertoire. Sämtliches Essen (z.B. Nachos mit feiner Sauce) sowie die Getränke (natürlich kein Alkohol) waren offeriert. Einfach spitze!

Als wir nach ca. 1 1/2 Stunden auf’s Gelände zurückkamen, steppte der Bär schon heftig. Ein grosser fahrbarer Boom Boom Lautsprecher mit Techno/Trance Music wurde vor einer wild tanzenden und zuckenden Menschenmenge durch die Gegend gezogen. Wir genossen das Schauspiel eine Weile, aber irgendwann war dann genug mit diesem Hexenkessel.

Wir gingen an den Eingang des Geländes, um Wasser für die Nacht zu holen und erfuhren so nebenbei, dass heute 2200 Personen den Eintritt bezahlt hatten. Man bedenke, dass das Festival offiziell erst morgen startet!

Bei der Rückkehr zu unseren Zelten waren unsere Nachbarn daran, ein Feuer anzufachen. Ein praktisch unmögliches Unterfangen, da alles nass war. Wir standen alle mit mehr oder weniger brauchbaren Vorschlägen beim Feuer und hatten viel Spass. Ich hatte unterwegs eine Flasche eines Rotweins aus Virginia gekauft von einer Traubensorte (Norton), welche ich noch nicht kannte. Dieser Wein musste noch probiert werden. Er war soweit gut, einzig mein Trinkgefäss war etwas speziell 😉.

Gegen 23 Uhr fing es an zu regnen, worauf ich ins Zelt ging.

Es war ein guter Tag!

Zurückgelegte Meilen: 0 heute, total 77.8.

16. Mai 2018 – Tag 7 / And when the rain beginns to fall….♬

Was war das doch für eine Nacht. Dauerregen hatte unsere Campsite in einen ziemlichen Morast verwandelt. Da es zwischendurch sehr stark geregnet hatte, sah mein Zelt in Bodennähe wegen der Schlammspritzer schlimm aus. Alles nass, schmutzig, dazu weiterhin Dauerregen, nicht sehr amüsant. Nach dem Frühstück (Haferflocken im Becher und Grüntee mit Limette) ging es ans Aufräumen. Zuerst versuchte ich, im Zeltinnern alles möglichst trocken zu verstauen. Alles, aber auch WIRKLICH ALLES, was ich ausserhalb des Zeltes anfasste, starrte vor Dreck und war nass oder zumindestens feucht. Ich versuchte ständig, meine Hände sauber zu bekommen, dies war aber einfach unmöglich. Als Jim, Monk und dann Gizmo loszogen, stand mein Zelt immer noch. Irgendwann gab ich mir den ultimaten Ruck und packte alles irgendwie zusammen, es musste einfach schnell gehen. Um 09h20 war ich dann auch zum Abmarsch bereit, eingepackt in Regenhose und -jacke sowie mit dem Regenschutz über dem Rucksack.

Wir hatten uns vorgenommen, bis nach Dicks Creek Gap zu wandern und dort den Trail zu verlassen, um das Hostel Top of Georgia Hiking Center (TOG) aufzusuchen. Wir wollten eine Dusche, Schlafgelegenheit und die Möglichkeit, unsere Sachen zu waschen.

Wir befanden uns beim Aufstehen ja bereits an der Flanke des Tray Mountain (4430 Fuss hoch), dieser musste aber noch erklommen werden. Mittlerweile habe ich etwa rausgefunden, welches Tempo ich bei steilen Anstiegen anschlagen muss, um lange und gleichmässig voranzukommen. Hier holte ich Jim ein.

Oben angekommen war Wassergymnastik angesagt, sprich Wassertreten 😉. Der Dauerregen führte dazu, dass sich in den ausgetretenen flachen Waldwegen das Wasser sammelte und nicht sofort ablaufen konnte. Zum Glück haben meine Schuhe eine Goretex-Membrane und sind Wasser dicht.

Beeindruckend war das intensive Grün der jungen Farne und vieler Blätter, fast schon signalgrün.

Hier nun das Video des Tages, mal etwas anders aufgenommen.

Das gewohnte Auf und Ab war über Stunden mein Rhythmus. Ich dachte, dass ich Monk irgendwann einholen würde, aber dieser musste wohl wegen des Regens mit grossem Tempo ohne Pause unterwegs sein. Irgendwann traf ich Gizmo, welcher im T-Shirt und Shorts pudelnass, aber glücklich am sich selber Filmen war.

Auf meinem Weg traf ich nur zweimal Personen, welche mir entgegen kamen.

Nun ging es Kelly Knob entgegen, einem weiteren Berg mit Pyramidenform im Streckenprofil (also rauf und gleich wieder runter😓). Ich kämpfte mich dort hoch, musste aber ziemlich beissen… Dafür ging es dann mit Schwung den Berg runter👍. In der Zwischenzeit hatte es aufgehört zu regnen, streckenweise versuchte sogar die Sonne, sich durchzusetzen. Ich musste die Regenjacke ausziehen, so heiss hatte ich.

Nach fast 7 Stunden kam ich beim Parkplatz am Highway an. Monk war erst seit 10 Minuten da. Er hatte unterwegs die nassen Turnschuhe gegen Trekking-Sandalen ausgetauscht und war in der Folge ausgerutscht. Eine grossflächigere blutende Wunde am Unterarm und ein leicht verdrehtes Knie waren die Folge. Hoffen wir, dass Monk weitermachen kann.

Zum Hostel TOG war es nur eine halbe Meile. Da jedoch ein Shuttle gerade zwei Hiker gebracht hatte, konnten wir umsonst mitfahren. TRAIL MAGIC again.

Die Ankunft beim Hostel war herzlich und es wurde ein Getränk offeriert (Soda or Coffee?), die Instruktionen der verantwortlichen älteren Damen waren dafür sehr bestimmt:

Schuhe und Rucksack bleiben draussen!

Bei der Registrierung ( US $ 30 pro Nacht INKLUSIVE Frühstück!) erhielt ich einen Korb mit einem Handtuch und einem Hausanzug für nach der Dusche. Man beachte das Motiv auf dem Shirt 😁. Happy Halloween!

Anschliessend wurde alles gezeigt und erklärt. Die Zimmer sind grosszügig, mit Fenstern und Insektengittern und es hat zwei Duschen, in welchen Shampoo, Conditioner (brauche ich natürlich😉) und Duschmittel vorhanden sind. Für zusätzliche US $ 5 wird die Wäsche gewaschen und getrocknet, ich hatte sie zwei Stunden später schon wieder. Das Top of Georgia im Namen bezieht sich auf die Lage im Staat (an der Grenze zu North Carolina), für mich ist es aber auch DAS Top Hostel of Georgia.

Nach der erfrischenden Dusche machte ich mich daran, alles zum Trocknen auszulegen. Anschliessend kam der Schlauch im Garten zum Einsatz, ich spritzte meine Ausrüstung inkl. Zelt sauber.

Nach der fast schon obligatorischen TK-Pizza und guten Gesprächen mit den anderen Hikern ging ich in meine Koje, um am Blog zu schreiben.

Zurückgelegte Meilen: 13.0 heute, total 77.8.

Bis zur Staatsgrenze nach North Carolina sind es noch 8.9 Meilen!

14. Mai 2018 – Tag 5 / Die ersten 50 Meilen und ein kleiner Schreckmoment

Heute morgen war das Aufstehen kein Problem, ich war schon sehr früh wach. Wir hatten in Kajütenbetten aus grob gezimmertem Holz geschlafen in einem grossen, fensterlosen Raum (Typ Luftschutzkeller) mit durchgehend laufenden Entfeuchtern geschlafen. Zum Glück gibt es Gehörschutzpfropfen 😎.

Nach einer heiteren Episode (siehe Video in diesem Blog) zogen wir um 08h30 los in die Raven Cliffs Wilderness.

Als erstes war der Bull Gap zu erklimmen, gefolgt vom Levelland Mountain, 817 Fuss hoch in nur 1.5 Meilen, die Zunge hing draussen😉. Wir wussten aber, dass dies für heute der höchste Anstieg war, war auch gut so.

Ich hatte in einem früheren Video versprochen, etwas über das Wandern auf dem Trail zu sagen. In Georgia befindet man sich die meiste Zeit im Wald. Natürlich sind das eher lichte Laubwälder, sodass doch immer wieder die Sonne durchdringen mag. Der Trailverlauf ist ein konstantes rauf und runter, der Boden ist sehr unterschiedlich. Von superweich und eben

über schon etwas mit Steinen und Wurzeln durchsetzt

bis dann zu den doch gröberen Böden speziell bei An- oder Abstiegen folgt ein steter Wechsel.

Bei den steilen An- und Abstiegen ist dann auch mal Klettern angesagt. Ich empfehle zwingend gute und leichte Wanderstöcke, dies hilft enorm beim langen Gehen und vor allem in den Kletterpassagen. Ich bin auch sehr froh über meine die Knöchel bedeckenden Schuhe, ein guter Schutz gegen das Umknicken!

Auf dem Weg sieht man regelmässig Exkremente von Bären, teilweise sehr frisch. Sie sind also da!

Ein Höhepunkt ist immer wieder die Aussicht, hier vom Levelland Mountain.

Ubd das Video zum Tag:

Wir befinden uns hier ja noch im Frühling, entsprechend schön sind die zahlreich blühenden Wildblumen.

Nach drei Stunden hatte ich die ersten 5.5 Meilen zurückgelegt. Beim Tesnatee Gap traf ich Nemo, welcher neben seinem Rucksack sass. Ich hatte ihn schon mal gesehen und fragte ihn, wie es so laufe. Er sagte mir, dass er aussteigen und auf seinen Eltern warten würde, welche ihn abholen kämen. Auf meine Frage, weshalb er aussteigen wollte, erklärte er mir, dass er nichts essen könne, obwohl er Appetit habe. Er hatte den A.T. zu ambitioniert angetreten und bereits am zweiten Tag 16 Meilen zurückgelegt, gefolgt von 13 Meilen am Tag drei. Nimo war schlicht ausgebrannt. Ich wartete nun noch auf meine zwei neugewonnenen Freunde für eine kurze Mittagspause.Um 13h30 ging’s weiter Richtung Mark Trail Wilderness.

Nach einem erneut satten Anstieg überquerten wir die Strasse beim Hog Pen Gap.

Nun erfolgte der Einstieg in die Wilderness.

Ab hier waren es noch 4.4 Meilen bis Ziel, dem Low Gap.

Während des Laufens hatte ich dann einen Schreckmoment. Die Pantellasehne in meinem linken Fuss ist immer mal wieder eine Problemzone bei mir. Genau diese fing zu schmerzen an, und zwar so stark, dass ich fast humpeln musste. Hatte ich zu stark forciert in den ersten Tagen, hätte ich doch nicht so hohe Schuhe nehmen sollen, kann ich so weiterlaufen, was passiert, wenn es chronisch wird? Fragen über Fragen gingen durch meinen Kopf. Ich wusste aber, dass ich heute weiterlaufen muss bis zum Ziel. Also ignorierte ich den Schmerz irgendwie und biss mich durch. Je weiter ich ging, desto mehr verschwand der Schmerz wieder, bis er ganz weg war. Ich werde jetzt vermehrt am Abend auf die Sehne eine Salbe auftragen, welche entzündungshemmend wirkt.

Auf dem Trail sieht man immer wieder Dinge, die man sich nicht wirklich erklären kann, z.B. verwaiste Zelte oder eine Gedenkstätte mitten in der Wildnis.

Nach 2 Stunden und 40 Minuten traf ich beim Shelter in Low Gap ein. Dieser war schon halb mit einer Familie belegt. Auch sonst war der Platz schon stark belegt und es trafen noch laufend Hiker ein. Ich füllte meine Wasservorräte und wartete auf Gizmo und Monk. Als diese eintrafen, hielten wir kurz Kriegsrat. Wir entschieden, noch 2.4 Meilen weiterzugehen zum nächsten Campground, da wir alle nicht gerne so viele Leute an solch einem Ort haben. Beim Losmarschieren sahen wir dann, dass direkt beim Trail noch ein schöner Platz war, auf welchem wir unsere Zelte aufstellen konnten. Wir installierten diese sturmfest im Bewusstsein, dass für heute Nacht eine Regenfront angesagt ist. Nach Abendessen und ein paar guten Gesprächen hängten wir unsere Lebensmittel sowie alles stark Riechende mit unseren Bärensäcken an einen Baum (ist lebenswichtig!).

Tobey (Gizmo) zeigt hier, wie hoch die Säcke hängen müssen, damit der Bär sie nicht erreicht (weder von unten noch von oben). Der rote Sack ist meiner 😎.

Zurückgelegte Meilen: 11.5, d.h. nach Tag fünf haben wir die ersten 50 Meilen abgehackt (oder besser abgelaufen👍).

15. Mai 2018 – Tag 6 / Anna

Der oder die Eine wird sich fragen, was der Frauenname im Titel soll. Dazu später….

Heute morgen wurden wir sehr positiv überrascht. Der angekündigte Regen war ausgeblieben. Somit war das Zusammenpacken nach dem Frühstück ein leichtes Spiel, da alles trocken war.

Bereits um 08h10 zog Monk los. Zuvor hatten bereits ein Einzelner sowie eine Vierergruppe Frauen, welche den Geburtstag einer der Frauen mit einer gemeinsamen Wanderung begingen, unsere Zelte passiert. Ich zog bald hinterher mit dem Bewusstsein, dass ich noch Wasser holen musste. Unser Ziel heute war die Cheese Factory Site oder je nach unserem Befinden der Tray Mountain Shelter, welcher noch zwei Meilen weiter lag.

Bald hatte ich Monk eingeholt, welcher gerade bei einem idyllischen kleinen Wasserfall, welcher wunderbar in die Vegetation eingebettet war, seine Wasservorräte auffüllte und die Gelegenheit benützte, den Kopf kurz unter das kühlende Nass zu halten.

Dies musste ich doch gleich nachmachen, es war einfach wunderbar.

Es ging wieder mal den Berg hoch.

Ich war gut drauf und nachdem Monk austreten musste, zog ich aus respektive von dannen. Unterwegs holte ich die Vierergruppe auf, welche schon von weitem zu hören war. Ein kurzes „Hi, what a beautiful day today“, dann ging es weiter. Nach dem ersten Anstieg war der Trail mehr oder weniger flach, d.h. die Ups und Downs waren wohl noch da, aber nicht mehr so ausgeprägt. Landschaftlich war es sehr abwechlungsreich heute. Von fast Tunnelartig gewachsenen Staudenabschnitten über die bekannten lichten Laubwälder bis hin zu steilen, bewachsenen Bergflanken, durchsetzt mit Abschnitten grosser früherer Gerölllawinen, war alles da.

Beim Wandern traf ich auf Chance aus Arkansas. Ein kurze „How are you doing?“ Und weiter ging es. Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine ständige Herausforderung. Zum Glück wird auf dem Trail immer wieder angezeigt, wo es Wasser gibt.

Nicht in jedem Fall ist die Quelle aber so Nahe gelegen, manchmal muss man ein paar hundert Meter gehen, im schlechtesten Fall steil den Berg runter (und dann auch wieder zurück 😐). Was immer sein muss ist das Filtern des Wassers, um Bakterien zu eliminieren. Allfällig kommt auch ein Stift mit ultraviolettem Licht in den Einsatz, um mögliche Viren abzutöten.

In den steilen Abschnitten, wo ich einfach immer etwas langsamer bin (mein Gesamtgewicht ist doch recht hoch), rauschte ein junger Mann an mir vorbei mit dem Trailnamen Pebbles. Auf die Frage, wo es denn hingehe, meinte nur MAINE. Ich hatte eigentlich nach dem Tagesziel gefragt….🤔

Wir wussten seit der Tagesplanung heute morgen, dass ein harter Brocken vor uns lag. Der Rocky Mountain (hat nichts mit dem Gebirgszug der Rocky Mountains zu tun). Dieser nette kleine Berg sah auf dem Profil wie eine Pyramide aus. Von 2949 Fuss hoch auf 4017 und dann gleich wieder runter auf 3113😥.

Am Unicoi Gap, bei welchem der Anstieg zum Rocky Mountain beginnt, traf ich auf den Highway. Hatte dort ein nettes Gespräch mit zwei Hinkern, welche aber nur einen kurzen Abschnitt laufen. Da Mittagszeit war, entschied ich, auf Monk und Gizmo zu warten. Monk tauchte nach 10 Minuten auf und wir assen ein paar Snacks zusammen. Ich hatte in der Zwischenzeit die Idee, per Autostopp nach Hiawassee zu fahren, um meine beiden Pakete zusammen zu legen und dann das neue Paket wieder aufzugeben. Ich sprach mit Monk über meine Idee. Er hatte keine Lust mitzukommen, wollte aber auf meinen Rucksack aufpassen. Ich sagte ihm, dass das nicht sinnvoll sei da ich nicht wüsste, wie lange ich bräuchte. Wir verabredeten uns für später beim angedachten Schlafplatz.

Während ich also bereit zum Autostopp war, kam Chance dazu. Er wollte auch nach Hiawassee, um dort einen Null-Tag einzulegen, also einen Ruhetag. Gemeinsam streckten wir die Daumen raus, aber ohne Erfolg (trotz seines vielversprechenden Namens😉). Nach 15 Minutend war Chance soweit, dass er die Option Shuttle bis zum 11 Meilen entfernten Hiawassee prüfte. Doch nach einem Telefonanruf verwarf er die Option wieder, der Typ wollte 65 US$!

Wir warteten weiter, es fing an zu regnen. Ich packte meine Regenjacke und die Rucksackhülle aus, Chance hatte einen praktischen Poncho. Eingepackt standen wir am Strassenrand und hielten unsere Daumen hoch.

Und dann kam Anna in einem alten Ford Pickup angefahren. Und sie hielt! Anna ist eine hübsche junge Frau Anfang 20 mit langen, braunen Haaren, einer grossen Sonnenbrille und einem herzlichen Lächeln. Sie macht mit bei Modewellen, davon zeugen ihre beiden feinen Nasenpiercings sowie das Tattoo an einer Wade. Sie sass in T-Shirt, Shorts und Sandalen hinter dem grossen Steuer ihres Trucks und sah uns mit einem Lächeln an. Chance fragte, ob sie nach Hiawassee fahre. Sie meinte: Das kann ich machen. Wir hätten in der Kabine mitfahren können, zogen aber wegen unserer Rucksäcke die Ladefläche vor, auf welcher lediglich ein voller Abfallsack lag. In der Zwischenzeit hatte es schon wieder aufgehört zu regnen. Anna fuhr Chance zu seinem Hotel. Ich stieg in die Führerkabine um und sie suchte für mich das US Post Office. Während der Fahrt fragte sie mich, wie ich wieder zurückkäme. Ich sagte ihr, dass ich wieder Autostopp machen würde. Daraufhin bot mir Anna an, mich auch wieder zurückzufahren. Sie hätte nämlich Zeit. Anna hatte kürzlich die Universität abgeschlossen und arbeitet Teilzeit in einer jungen Destillerie (2016 Produktion gestartet) in Dahlonega. Nebst Gin wird auch Whiskey hergestellt. Ich erzählte ihr von meiner Leidenschaft für Whisk (e)y und dass ich seit Beginn mit einem leeren Flachmann rumlaufe, da Whiskey nur in Liquor Stores erhältlich sei. Leider hatte sie keinen Whiskey dabei, sie hätte mir sogar gegeben. Anna würde gerne Vollzeit in der Destillerie arbeiten, dies ist aber momentan nicht möglich. Nach dem Postamt fuhr sie mich noch zum Foodmarket nebenan, ich wollte ein Sixpack Bier für heute abend kaufen. Zusätzlich kaufte ich einen New York Style Cheesecake sowie zwei frisch angemachte Salate. Anna wartet währenddessen auf mich beim Wagen und fuhr mich anschliessend die 11 Meilen zurück an den Ausgangspunkt. Während der Fahrt plauderten wir über Gott und die Welt. Als wir ankamen fragte ich sie, was ich ihr schuldig sei. Sie wollte kein Geld und meinte nur, dass sie hoffen würde das Gleiche zu erfahren, wenn sie den A.T. machen würde. That’s TRAIL MAGIC!

Mit den zusätzlichen gut 10 Pfund Gewicht erklomm ich den Rocky Mountain. Hier die Sicht vom Gipfel.

Auf dem Gipfel traf ich noch Pebbles, welcher mit einem Freund ebenfalls in Hiawassee war, um Vorräte aufzufüllen und mal wieder ein richtiges Essen zu haben. Interessant war, dass der Freund Vegetarier ist, was bei einem gewaltigen Unterfangen wie dem A.T. vermutlich eine noch grössere Herausforderung ist. Nach dem Abstieg ging es gleich wieder an den nächsten Anstieg nochmals 120 Höhenmeter.

Nach zwei Stunden hatte ich die 3.7 Meilen geschafft und traf beim Camp ein. Monk war schon länger da, Gizmo war kurz vor mir angekomen. Das Bier, welches immer noch kalt war, wurde natürlich herzlichst verdankt. Das Erstaunen über den von mir offerierten Cheesecake an der Stelle, wo in den 1850 Jahren eine Käseproduktion stand, war nicht minder gross. Die Produktionsstätte hatte ein Mann aus New England errichtet, während Jahren produzierte er hochwertigen Käse und gewann sogar Auszeichnungen. Leider ist heute nichts mehr davon erhalten. Nach dem Nachtessen (Chicken Salad Deluxe und Seafood Salad) gönnte ich mir einen feinen Cappuccino und mein Stück Cheesecake. So macht das Trailleben Spass!😁

Später traf noch Jim ein, ein älterer Thru-Hiker, der noch keinen Trailnamen hat. Da Monk nur ein Bier getrunken hatte, kam auch Jim in den Genuss. Seine Freude war riesengross.

Um etwa 19h30 setzte dann der schon längers angekündigte Regen ein, wir verzogen uns in unsere Zelte. Als ich meinen Bärensack beim Eindunkeln im strömenden Regen aufziehen wollte, geschah das Malheur. Der Karabiner öffnete sich unter Zug, ein Schlüsselring wurde weggesprengt und mein Sack kam mit Schwung vom Baum runter. Damit leider auch die Leine, welche ich zu einem früheren Zeitpunkt über einen hohen Ast geworfen hatte. Innerlich fluchend versuchte ich etliche Male, bei praktisch Null Sicht die Leine neu zu platzieren. Endlich klappte es und ich konnte alles Bären sicher aufhängen. Müde, dreckig und nass ging ich in mein Zelt, schrieb noch etwas am Blog und legte mich dann schlafen.

Zurückgelegte Meilen: 13.4 heute, total 64.8.

Heute haben wir den offiziellen Trailmarker für 50 Meilen passiert. Bei diesem wird der A.T. Approach (d.h. der Weg bis zum Trailstart) von 8.8 Meilen nicht gerechnet.

13. Mai 2018 – Tag 4 / Ein guter Tag

Am morgen war der Abschied von unserem Super-Hostel. Wir waren uns nicht sicher, ob wir Wasser aus dem Hahnen nehmen sollten oder nicht, so unsauber war die ganze Geschichte. Das Frühstück war weniger das Problem, da wir das Wasser eh abkochen. Für meine Wasservorräte holte ich eine Gallone Wasser im Store.

Gizmo hatte ein Angebot eines pensionierten Special Forces Soldaten erhalten, uns die zwei Meilen (nur bergauf) zurück zum Trail zu fahren, dies für 5 US$ pro Person. In zwei Fahrten ging es zum Ausgangspunkt des heutigen Stückes.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, von Woody Gap nach Neel Gap zu wandern, eine Strecke von 10.6 Meilen durch die Blood Mountain Wilderness.

Speziell an diesem Trailstück waren zwei Dinge. In einem Teil der Strecke war Campieren nur erlaubt, wenn man einen Bear Canister für die Lebensmittel mitführt, ein Teil, welches einfach nur riesig und schwer ist. Ein normaler Bear Bag ist nicht erlaubt, man erhält eine Strafe von US$ 130, wenn man gegen die Vorschrift verstösst. Dies ist natürlich immer noch besser als ein Besuch eines hungrigen Bären 🐻 beim Campieren. Als zweites hatten wir gegen Ende der Strecke den Blood Mountain mit 4461 Fuss vor uns (ca. 1340 Meter über Meer, wir mussten etwa 360 Höhenmeter steigen).

Ich hatte echt Respekt vor diesem Hügel und nahm mir vor, es langsamer angehen. Nach zwei Stunden, in welchen ich Gizmo und Monk dicht folgte, hatte ich das Bedürfnis nach einer Pause und liess Monk ziehen. Irgendwie wurde mir dann aber klar, dass dieses Bedürfnis immer dann auftauchte, wenn ich meinen Monster-Rucksack irgendwo hochtragen musste, was auf dem A.T. ständig vorkommt. Muss da wohl noch dran arbeiten 😉.

Nach 15 Minuten Pause ging es weiter. Und siehe da, irgendwann hatte ich die beiden Mitbestreiter wieder eingeholt.

Kurz nach 13h trafen wir beim Blood Mountain Shelter ein, wo auch der obligate Eintrag ins Hüttenbuch erfolgte.

Auf dem Blood Mountain lernten wir das erste Mal Trail Magic kennen. Ein Tru-Hiker vom letzten Jahr namens 4 Wheel drive trug einen Rucksack voll Coke, Früchten und Schoko-Riegels auf den Berg für die Hiker, welche durchkommen. Er sagte, er wollte etwas von dem zurückgeben, was er im Vorjahr von vielen Menschen erfahren hatte.

Und hier wieder ein kurzes Filmchen zum Muttertag.

Im übrigen: Aus den angesprochenen Bierchen wurde nichts, they don’t sell alcohol there.

Der Abstieg vom Blood Mountain (1336 Fuss über 2.4 Meilen) war einfach nur gut, ich kam in einen unglaublichen Flow und war einige Minuten früher als die anderen beim Endpunkt in Neel Gap.

Neel Gap ist der Punkt am Anfang des A.T., an welchem die meisten Menschen aussteigen. Es ist eine Gewohnheit geworden, die Schuhe in einen Baum zu hängen, ein Bild für Götter.

Wir entschieden, auch hier im Hostel zu schlafen, dieses Mal aber sauber, mit Handtuch für die Dusche und das für US$ 20👍.

Im Laden konnte ich meinen Rucksack wiegen, er hatte immer noch 48.6 Pfund, dies bei nicht vollem Wassersack.

Ich packte nochmals ein Paket und tauschte auch Teile meiner Ausrüstung gegen leichteres Material aus. So konnte ich gut 10 Pfund an Gewicht reduzieren.

Anschliessend gab es eine TK Pizza, welche erstaunlich lecker war. Zum Abschluss des Tages sassen noch etliche Hikers vor der Unterkunft zusammen, ein schönes Socializing und Story telling. Big fun!😎

Freue mich nun auf den morgigen Tag, das Ziel ist der Low Gap Shelter.

Zurückgelegt: 10.6 Meilen

Höhenunterschied zwischen Start und Ziel: Ich lass es bleiben, es geht eh immer rauf und runter.

12. Mai 2018 – Tag 3 / What a day!

Es fing alles super an. Um 08h25 war ich auf dem A.T., Gizmo und Monk hatten den Shelter kurz vor mir verlassen. Die Wetterbedingungen waren super, Sonne, angenehme Wärme, Herz, was willst du mehr.

Bereits beim Weglaufen vom Shelter kam die berühmte Frage: Links oder rechts? Ich hatte mir doch tatsächlich nicht gemerkt, wo wir gestern herkamen. Schlau wie ich war, ein Griff zur Bussole (Dangge, Heinz), aber der Kompass nützte hier gar nichts, beide Wege gingen eher Richtung Süden statt Norden. Ich schlug den falschen Weg ein, wusste aber, dass falls ich falsch gehe, kurz nach dem Shelter eine Wasserstelle kommt (ich musste eh Wasser holen). So war’s dann auch…😎

Während des Verlaufs des trails habe ich Monk aufgeholt, wir liefen nun wieder zusammen.

Ein Highlight waren die verschiedenen Wildblumen, welche teilweise in der Blüte waren.

Um die Mittagszeit trafen wir drei uns beim Blackwell Creek und legten eine Rast ein.

Dort beschlossen wir, dass unser Tagesendziel nicht der Gooch Mountain Shelter sein soll, sondern Woody Gap. Wir hatten gehört, dass das nahegelegene Städtchen Suches Möglichkeit bieten würde, Nahrungsmittel und Treibstoffe zu kaufen sowie ein kaltes Bier. Ferner wussten wir, dass es dort ein Hostel gab mit Übernachtungsmöglichkeiten, aber noch viel wichtiger mit Dusche.

Der weitere Verlauf des Nachmittags war das gewohnte Auf und Ab. Ein wunderbarer Aussichtspunkt war Ramrock Mountain.

Nach der Ankunft in Woody Gap machten wir Autostopp, war kein Problem. Georgia ist das Land der Trucks, wir landeten zu dritt auf der Ladefläche eines solchen Monstertrucks mit Doppelkabine. Kostenlos wurden wir zur Tankstelle mit Hostel geführt. Der Laden in der Tankstelle war ok, wenn auch unglaublich teuer, das nicht registrierte Hostel war ein Dreckloch (excuse my french). US $ 32.– für ein Hochbett ohne Matraze, die Dusche und das WC beschreibe ich lieber nicht. Zusätzlich stand ein sehr grosser, VOLLER Abfalleimer in der Unterkunft, der vermutlich seit Wochen nicht geleert worden ist. Eine unglaubliche Frechheit.

Wir waren gemütlich am Biertrinken und Pizza- resp. Chicken Wings essen (bestellt in der Tanke) auf dem Treppenabsatz, als der Eigentümer auftauchte und uns darauf hinwies, dass wir weder ausserhalb noch im Hostel Alkohol trinken dürfen.

Der Hammer war, dass der Typ am Ende hochkam und von uns verlangte, die Biere vor ihm auszutrinken. Wir hatten eh schon genug, worauf er unsere Biere alle im Schüttstein entsorgte! What an idiot!

Zurückgelegt: 12.4 Meilen (Wow!)

Höhenunterschied zwischen Start und Ziel: -7 Fuss (Zahl täuscht erneut gewaltig😞).

11. Mai 2018 – Tag 2 / What a night

Ich liege in meinem Daunenschlafsack mit Seiden-Innenschlafsack auf der Luftmatraze und schaue aus dem Shelter in den Wald. Die Dämmerung hat eingesetzt, ein vielfältiges Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes sind die vorherrschenden Geräusche, dazu Getrippel von Vögeln (?) auf dem Dach. Meine zwei temporären Mitbewohner schlafen noch friedlich neben mir und sind dabei, Holzvorräte anzulegen 😉.

Ich habe nicht wirklich geschlafen, es war mehr ein Dösen in Etappen. But the mood is good….

Nach dem Frühstück werde ich die letzten rund 150 Höhenmeter zum 1.4 Meilen entfernten Springer Mountain Gipfel zurücklegen, dem offiziellen Start des A. T.

Das Tagesziel ist heute der Hawk Mountain Shelter, die Distanz dorthin beträgt 9.5 Meilen. Ich folge damit den Empfehlungen der Appalachian Trail Conservancy, welche für die erste Woche pro Tag etwa 8 Meilen empfiehlt. Und ganz ehrlich: Das ist schon hart genug mit diesem Gewicht auf dem Rücken.

Als ich gestern den Berg hochgestiegen bin, habe ich das Mantra angestimmt: Du kannst das, du schaffst das, du kannst…..

Der Anstieg zum Gipfel war gut, ich folgte Keith, welcher mich auf ein vernünftigeres Tempo bremste. Das Wetter zeigte sich nach dem gestrigen Gewitter von der besten Seite.

Oben angekommen musste natürlich ein Foto gemacht werden.

Anschliessend erfolgte der Eintrag in die beiden Trailbücher.

Anschliessend war noch ein Moment Geniessen angesagt, bevor es weiter ging.

Der weitere Verlauf war abwechslungsreich, es ging runter, dann hoch, dann wieder runter und wieder hoch. Zwischendurch musste Wasser organisiert und gefiltert werden.

Gizmo, Monk (Keith hat sich seinen Trailnamen gegeben) und ich kamen praktisch miteinander an. Beim Shelter, welcher zweistöckig gebaut ist waren schon zwei Männer, nach uns kamen nach und nach noch 6 Personen an, der letzte um 19h30.

Ein typischer Shelter, hier sogar zweistöckig

Somit war klar, dass heute zum ersten Mal Zelt angesagt war. Ich konnte es in einigermassen vernünftiger Zeit aufbauen, sieht doch nicht schlecht aus, oder?

My tent is my castle!

Nach verschiedenen Gesprächen mit den verschiedenen Anwesenden entschied ich mich, früher schlafen zu gehen.

Zurückgelegt: 9.5 Meilen

Höhenunterschied zwischen Start und Ziel: -100 Fuss (Zahl täuscht gewaltig😞).