10. Mai 2018 – Tag 1 / OMG

Was für eine Begrüssung, als ich mein Zimmer verliess 😍

Der/Die Erste, welche den Namen dieses etwa 10 cm grossen Nachtfalters im Blog korrekt nennt, bekommt ein Nachtessen mit mir nach meiner Rückkehr😁.

Das Oh my god im Titel bezieht sich auf meine Ausrüstung. Immer noch viel zuviel Material, speziell nach den gestrigen Einkauf. But I will manage it.

Muss jetzt los, der Shuttle wartet…..🏃

Okay, das mit dem Shuttle ist so eine Sache…..kein Mensch da, auch kein Frühstück bereit. Stehe vor der geschlossenen Rezeption und lerne mich gerade in Geduld…..Ohmmmm.

Letztendlich kam der Shuttle-Driver doch noch. Ich hatte mich entschieden, zur Registrierung in den Amicalola Falls Nationalpark zu fahren. Um 09h00 waren wir da. Der driver kam mit mir zur Registrierung der Thru-Hiker. Ich wurde registriert und erhielt die Nummer 2570, d.h. es haben sich alleine an dieser Station schon 2569 vor mir registriert 😯. Insgesamt wurden dieses Jahr die Rekordzahl von 4’000 Registrierungen bereits erreicht, unglaublich. Und für die Statistiker: Etwa 17 % erreichen ihr Ziel, den trail fertig zu laufen.

Bei der Registrierung wird auch nach dem Gewicht des Rucksacks gefragt und man kann ihn auch wiegen. Mein Sack brachte unglaubliche 66 Pfund auf die Waage! Der Verantwortliche für die Registrierung, Nick,

ist selber ein erfahrener Hiker und bietet jeweils an, die Packung auf Unnötiges zu checken. Dieses Angebot nahm ich an, als Resultat wurden dann bereits etliche Dinge aussortiert. Anschliessend erfolgte eine gute Orientierung zum Verhalten auf dem A.T.. Nachhaltigkeit und Schutz der Umwelt sind den Verantwortlichen ein grosses Anliegen.

Um 12h05 bin ich dann abmarschiert auf dem A.T. Approach Richtung Springer Mountain.

Warum hat mir bloss keiner gesagt, dass ich über 400 Stufen zu nehmen habe bereits am Anfang….?

Dafür wurde ich mit einem wunderbaren Blick auf die Wasserfälle belohnt.

Überlebt, 425 Stufen 😥

Der A.T. approach zieht sich über 8.8 Meilen hin, es geht praktisch nur bergauf.

Mein Motto war klar: ÜBERLEBEN!

Irgendwann fing es in der Ferne an zu Donnern, die Front kam immer Näher.

Ca. 1.4 Meilen vor dem Ziel kam das erste Shelter mit dem Namen Black Gap. Da es immer bedrohlicher tönte, entschied ich, es für heute gut sein zu lassen. Keith und Gizmo (Trailname), welche sich ebenfalls heute registriert hatten, waren kurz vor mir eingetroffen. Kurz nach meiner Ankunft ging ein zünftiges Gewitter mit Starkregen nieder nieder.

Es war nun definitiv, dass ich im Shelter schlafen würde.

Nach Essen zubereiten, Wasser holen gehen und alles Essbare in der Bären sicheren Kiste versorgen bin ich zwar sehr müde, aber auch zufrieden mit der Tagesleistung.

Zurückgelegt: 7.4 Meilen

Höhenunterschied zwischen Start und Ziel: +1600 Fuss

9. Mai 2018 – Die Vorbereitungen laufen….

Heute morgen bin ich um 02h30 Lokalzeit aufgewacht. Meine innere Uhr ist wohl noch auf Schweizer Zeit eingestellt, wir sind hier 6 Stunden hinter der Schweizer Zeit. Da ich hellwach war, fing ich an, den Blog aufzusetzen. Heute morgen habe ich mich auf der Appalachian Trail Conservancy Internetseite www.appalachiantrail.org offiziell als A.T. Tru-Hiker registriert. Mein Trailname wird Pike (=Hecht) sein, kommt von meinem Schlapphut😎.

Nach dem Frühstück habe ich angefangen, meine Ausrüstung zu kontrollieren.

Hier der Bereich Zelt und Schlafen:

Einerseits werde ich gewisse Dinge (noch) nicht benötigen und schicke mir diese jeweils per Post voraus, andererseits muss ich noch einige Gegenstände kaufen gehen (den Gasbrenner inkl. Kartuschen habe ich gestern nach der Ankunft im Hotel gekauft).

Vieles ist absolut neu für mich und muss natürlich zuerst getestet werden. Nicht alles ist wirklich selbsterklärend…..

Beim Ausprobieren des Wasserfilter-Systems im Badezimmer empfiehlt es sich z.B. ein Handtuch bereit zu legen, falls der Auslaufschlauch auf einmal selbstständig wird 😉. But I have lot of fun.

Am Nachmittag war der Besuch von Post, Bank und Walmart angesagt. Da ich nach meinem Gefühl so ziemlich am abgelegensten Punkt von Georgia nächtige, bot mir das Hotel an, mich für 20 US$ rumzufahren. Letztendlich ein Superdeal, da ich doch rund 2 1/2 Stunden beschäftigt war. Jennifer vom Hotel fuhr mich in einem grossen Bus von Ort zu Ort. Es war sehr interessant, von ihr viele Details zum Lebensalltag zu erfahren.

US Post Office: Es gibt in den USA für Hikers die Möglichkeit, sich selber ein Paket postlagernd zu schicken. Dieses Paket, welches z.B. Ausrüstungsgegenstände enthalten kann, welche man (n) gerade nicht braucht, wird also an ein Postamt geschickt, welches auf dem Weg liegt. Wenn ich nun keine Dinge aus dem Paket brauche, kann ich es an ein nächstes Post Office schicken (bouncen). Dies lässt sich beliebig wiederholen. Hier nun mein Bounce parcel:

Als nächstes habe ich erfolglos versucht, auf einer lokalen Bank Schweizer Franken zu wechseln.

1. Bank: Keine Möglichkeit, hat mich an nächste Bank verwiesen

2. Bank: Am Schalter nicht möglich wegen „special process“, musste zur Filialleiterin. Dort ein Kontrolltelefon, ob der am Bildschirm angezeigte Umrechnungskurs korrekt sei. Wurde bestätigt. Als Gebühr für den Umtausch nannte sie 10 US $. Dann die Frage nach meiner Kontonummer. Da ich Nichtkunde bin ein erneutes Tel., ob für mich ein Change gemacht werden kann. Natürlich war die Antwort dann NEIN, sodass ich unverrichteter Dinge wieder abziehen konnte.

Mal schauen, wann und wo ich das Geld wechseln kann.

Dann das Einkaufen im Walmart. Jedes Mal ein Erlebnis, einerseits die Auswahl, aber andererseits auch die Packungsgrössen. Ich war happy, dass ich alles finden konnte, was ich ab morgen auf dem trail benötige.

Jetzt sitze ich auf der Veranda vor meinem Zimmer im Schaukelstuhl, schreibe für den Blog und geniesse den Rest meiner gestrigen Pizza zusammen mit einem Bier (Coors Banquet). Cheers!

8. Mai 2018 – Der Reisetag

Nach knapp 4 Stunden Schlaf hiess es, mein bis anhin so geregeltes Leben in der Schweiz hinter mir zu lassen und das grosse Abenteuer zu starten. Bei besten Wetterbedingungen (blauer Himmel, Sonnenschein, 18 Grad) begleitete mich Tanja zum EuroAirport in Basel. Mein Gepäckstück mit Rucksack etc. wog 22.9 Kilo, fast ein Punkttreffer 😁.

Nach dem Abschied von Tanja ging es mit Lufthansa um 08h20 nach Frankfurt, nach kurzem Zwischenstopp weiter nach Atlanta.

Beide Flüge waren angenehm und problemlos.

Nach der Ankunft in Atlanta musste ich durch die Immigration. Ich war gespannt, ob ich mit meinem Touristenvisum eine andere Behandlung wie mit einem ESTA Visum erfahren würde. Doch nein, die Einreise war problemlos, der Officer wünschte mir noch viel Glück mit meinem Vorhaben.

Mit der MARTA Red Line (Metro) fuhr ich bis North Springs (ca. 25 Meilen, US $ 3.50)). Von dort nahm ich ein Taxi (leider kein Fixpreis möglich) um die restlichen rund 50 Meilen bis zu meinem Hotel in Dahlonega zurückzulegen. Der Fahrer, welcher ursprünglich von der Elfenbeinküste stammt, war noch nie so weit gefahren, der Weg führte in die Wälder und Hügel, Entsprechend war seine Reaktion, er betonte mehrmals, dass er Angst hätte, eine solche Tour in der Nacht zu fahren. War aber ein guter Typ und wir hatten einiges zu lachen. Witzig war seine Reaktion, als er von meinem A.T. Vorhaben erfuhr. Pures Unverständnis, dass jemand freiwillig so weit laufen möchte…

Die nächsten beiden Nächte werde ich im Barefoot Hills Hotel

verbringen, um mich für den trail noch fertig vorzubereiten. Das Hotel ist bereits so etwas von abgelegen, das nächste Postamt ist 7 Meilen weg. Dafür werde ich vom Hotel am Donnerstag bis an den Fuss des Springer Mountain gefahren, auf dessen Gipfel der offizielle Startpunkt des A.T. liegt.

Habe ein sehr schönes Zimmer in einem Blockhaus gebucht und werde morgen die letzten Einkäufe machen.

Nach einer Pizza, welche ich auswärts (45 Min.) bestellen musste da das Hotel nichts zum Essen anbieten konnte, ging ich hundemüde, aber mit vielen neuen Eindrücken ins Bett.

Tage vor der Abreise

Die Tage vor der Abreise waren gefüllt mit Aufgaben, die noch erledigt werden mussten. Aufgrund der Summe aller Arbeiten entschied ich kurzfristig, den Flug um ein paar Tage zu verschieben.

Die mit Abstand grösste Herausforderung war der Auszug aus meinem Haus in Pratteln, welches ich per Ende April verkauft hatte. Da ich entschieden hatte, vorerst keine Wohnung in der Schweiz zu mieten, musste ich entscheiden, was ich noch behalten und dann in gemietete Kellerräume einlagern will. Ein teilweise sehr schwieriger Prozess. Ich danke allen, welche mich in irgend einer Form beim Zügeln unterstützt haben.

Speziell danken möchte ich Tanja, welche seit meinem Entscheid, den A.T. zu bewandern, jederzeit an meiner Seite stand, mir bei allen Vorbereitungen half und mich bei aufkommenden Zweifeln wieder positiv gestimmt hat. Ohne sie wäre alles viel schwieriger gewesen.

Der letzte Tag vor der Abreise war reserviert für administrative Dinge, d.h. vor allem Büroarbeiten.

Und irgendwann tief in der Nacht war dann alles bereit für die Abreise zu meinem grossen Abenteuer…

Appalachian Trail – Weniger ist mehr

Im Januar 2018 traf ich den Entscheid, in die USA zu reisen und den Appalachian Trail

zu bewandern. Dieser Langdistanz-Wanderweg erstreckt sich über rund 3’500 Kilometer zwischen Georgia und Maine.

Der A.T. folgt dem Appalachen Gebirgszug entlang der US Ostküste. Mehrere tausend Wanderer starten jedes Jahr aus den unterschiedlichsten Beweggründen und hiken Teile oder sogar den kompletten trail. Ich selber möchte in den nächsten Monaten versuchen, den trail vollständig zu absolvieren. Beim Wandern habe ich alle Zeit der Welt, wichtige Fragen zu meinem bisherigen und zukünftigen Leben durchgehen.

Das Motto „Weniger ist mehr“ widerspiegelt die Bemühungen am Anfang, eine gewichtsoptimierte Packung zu erstellen, welche ich auf meinem langen Weg tragen werde. Viele Dinge möchte ich mitnehmen, aber jedes Gramm zählt letztendlich. Weniger Gewicht erhöht meine Chancen, mein Vorhaben mit Erfolg abzuschliessen.