26. Juli 2018 – Tag 78 / 1’000 Meilen Marker auf dem Roller Coaster

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h50, Dick’s Dome beim Whiskey Hollow Shelter

Ankunft Ziel: 19h15, Bears Den Hostel

Wetter: Sonnig, mittags bewölkt, dann wieder sonnig, warm und äusserst schwül

Zurückgelegte Meilen: 18.3 heute, 1004.3 seit Anfang (1615.9 Kilometer)

Elevation: 1230′-1850′-840′-860′-780′-1260′-715′-1350′

Besonderes: Das Bears Den Hostel, welches der Appalachian Trail Conservancy gehört.

Und hier die Tagesgeschichte:

Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten zwei Tage war der Bach beim Dome gestern angeschwollen, zusätzlich kam ein Haufen Wasser den Berg runter und lief vor dem Dome durch.

Als ich am Morgen wach wurde, war der erste Blick durch die Baumkronen Richtung Himmel. Es regnete nicht und es sah sogar nach blauem Himmel aus. Auch der Bach war zurückgegangen.

Heute hatten wir einen Teil des Roller Coasters vor uns. Der Roller Coaster ist ein 13.5 Meilen langer Abschnitt des A.T. mit 10 steilen Auf- und Abstiegen ohne irgendwelche Aussichtspunkte. Charakteristisch sind die vielen felsigen Passagen welche ein schnelles Vorwärtskommen erschweren oder gar verunmöglichen.

Zusätzlich würden wir heute 1’000 Meilen unseres Hikes erreichen.

Monk war heute sehr relaxed und pressierte nicht. Um 07h50 verliessen wir unseren Dome und liefen über den Whiskey Hollow Shelter auf den Trail zurück.

Die ersten 9 Meilen waren noch vor dem Roller Coaster. Zuerst lief ich vor Monk. Er hielt mein Tempo mit, auch aufwärts. Ich wollte den gestrigen Blog noch übermitteln und liess ihn deshalb vorbeiziehen.

Nachdem der Blog hochgeladen war machte ich mich auch wieder auf den Weg. Das Wetter war gut, jedoch zu warm und vor allem viel zu schwül. Ich war bereits nach kurzer Zeit nassgeschwitzt. Und dann erreichte ich den Roller Coaster.

Nicht ganz ernst gemeinter Warnhinweis zum Roller Coaster

Nach dem ersten Anstieg traf ich oben Monk, der eine Pause eingelegt hatte. Auch er war nur am Schwitzen. Nach einem Schwatz zog er wieder los und meinte noch, dass er jetzt durchlaufen würde. Ich machte eine längere Pause und zog dann auch weiter.

Der Hike war einfach nur mühsam bei dieser Schwüle! Die Kletterei über die Felsen war nämlich anstrengend, entsprechend schwitzte man eh schon. Ich hatte ständig Schweisstropfen auf der Brille, die Sicht war entsprechend schlecht.

Hier ein typischer Trail auf dem Roller Coaster

Durch das dass man ständig klettern musste, war das Tempo nicht sehr hoch.

Nach den ersten paar Hügeln kam dann der 1’000 Meilen Punkt auf dem Trail. Auch hier hatten Hiker mit Steinen diesen Meilenstein markiert (Bild siehe oben). Ich bin froh und dankbar, dass ich soweit gekommen bin ohne Unfall oder sonstige Verletzungen

Ich musste meinen Wasserhaushalt heute gut managen, da ich soviel schwitzte. An diesem schönen Bach füllte ich alle Vorräte wieder auf.

Irgendwie kam ich nicht so richtig vom Fleck. Im Laufe des späteren Nachmittag legte ich eine Pause ein, ich musste etwas Vernünftigeres essen, nicht nur Snacks. Hier überholten mich nacheinander zwei Hikerinnen und zwei Hiker. Sie waren eine Gruppe, welche im Whiskey Hollow übernachtet hatten. Einer davon war Swiss-Chris.

Der Schweizer Swiss-Chris aus Gränichen bei Aarau

Ich packte meine Sachen wieder zusammen und lief ein Stück mit Swiss-Chris. Es war mehr ein Nachrennen, er war jünger, leichter und länger (=grössere Schrittlänge), alles sprach gegen mich 😉. Irgendwann liess ich ihn ziehen, er wollte nämlich seinen Kollegen einholen, welcher vor ihm lief.

Ich traf die beiden nochmal bei einem Bach, aber im Anstieg zum Hostel musste ich forfait geben, die beiden waren einfach zu schnell für mich.

Um kurz nach Sieben traf ich dann beim Hostel ein. Ein eindrucksvoller Steinbau aus den 1930er Jahren, welcher ursprünglich die Sommerresidenz eines pensionierten Uni-Professors und einer Sängerin war. Heute gehört das Haus dem ATC.

Ich wählte beim Check-In das Hiker Special, ein tolles Angebot.

Nach dem Essen war noch Blogen angesagt.

25. Juli 2018 – Tag 77 / Man suche den (oder die?) Shelter….

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h40, U.S. Route 522, vorher mit Shuttle vom Quality Inn in Front Royal

Ankunft Ziel: 16h20, Dick’s Dome beim Whiskey Hollow Shelter

Wetter: Bewölkt, warm, sehr schwül, ab 14h50 Regen und Gewitter bis zum Abend.

Zurückgelegte Meilen: 15.2 heute, 986.0 seit Anfang (1586.5 Kilometer)

Elevation: 950′-1800′-800′-1900′-1230′

Besonderes: Eine kleine Auszeit im Apple House Restaurant

Und hier die Tagesgeschichte:

Nach dem gestrigen Zero day war für mich die erste Frage nach dem Erwachen: Wie sieht das Wetter aus? Entgegen den Prognosen war es trocken.😁

Monk und ich gingen zum Frühstück. Irgendwann tauchte auch Stripes auf. Er hatte gestern davon gesprochen, dass das Motel um 10h30 einen Gratis-Shuttle zum Trail anbieten würde. Für uns war das zu spät, wir wollten spätestens um 08h30 los. Stripes meinte, dass der Fahrer allfällig auch früher fahren könnte, er würde dies abklären.

Gesagt, getan, direkt nach dem Frühstück ging er zur Reception. Und tatsächlich, unserem Wunsch wurde entsprochen.

Zurück im Zimmer packten wir wie gewohnt unsere Sachen und gingen dann zur Lobby, um auf den Fahrer zu warten.

In einem Pickup wurden wir die paar Meilen zum Trail zurückgefahren. Beim Einstieg hing an einem Pfosten eine kleine USA-Flagge. Witzig, sie gehörte Stripes, er hatte sie vor zwei Tagen auf dem Trail verloren.

Wir hatten heute wieder einmal zwei nette Anstiege vor uns innerhalb der geplanten Strecke von 15 Meilen. Zuerst 850 Fuss hoch (und dann 1000 runter), später 1100 Fuss hoch. Weshalb kann dieser Trail eigentlich nicht in Holland liegen? Dann wäre es nämlich flach.😉

Monk liess mir den Vortritt auf dem Trail. Stripes meinte, er sei zu langsam für uns, wir würden uns beim Shelter sehen. Ich war irgendwie noch nicht richtig angekommen auf dem Trail. Je länger ich aber lief, desto besser ging es. Ich zog davon und flog über den Trail (ok, einmal flog ich auch auf den Hintern, die Felsen waren teilweise sehr glitschig). Den ersten Anstieg beendete ich in Rekordzeit.

Unglaublich hohe Bäume auf dem Trail

Nun folgte der Abstieg. Ich hatte auf Guthook’s gesehen, dass nach rund 8 Meilen die Möglichkeit erwähnt wurde, das ein paar Meilen entfernte Apple House Restaurant zu besuchen, ein BBQ und Donuts Ort. Ich liess Monk wieder aufschliessen und fragte ihn, ob er Lust auf eine Lunchpause hätte. Als er die Details hörte, war er sofort für die Idee.

Beim Weitergehen passierten wir diese Wiese, einmal nicht grüner Tunnel👍.

Baumpilze spezieller Art

Eine natürliche Sitzbank im Wald.

Wir kamen nun zur Virginia Route 55.

Noch etwas amerikanische Geschichte, als Tafel im Wald montiert

Als wir den Wald verliessen, kamen uns zwei Männer entgegen. Deren erste Frage war, ob wir Thru-Hiker seien. Als wir bejahten, fingen beide zu Strahlen an. Es stellte sich heraus, dass sie etwas Trail magic deponieren wollten. Sie hatten Bier und Snickers gekauft und boten uns dies an. Weil es so schwül war, hatten wir auf dem Trail mächtig geschwitzt. Ein kaltes Bier war jetzt gerade richtig.😋 Das Snickers packten wir für später ein.

Unsere Trail Angels:

Scot Huntsberry und Sohn Andrew (Thru-Hiker im Jahr 2016 unter dem Namen sixtyalso)

Als wir erwähnten, dass wir zum Apple House Restaurant wollten, war Scot sofort bereit uns zu fahren. Was für eine super Sache! Dort angekommen bedanken wir uns herzlich, dann war Scot auch schon weg.

Ein Wagen der Fischereibehörde vor dem Apple House

Wir deponierten unsere Packs und betraten das Lokal kurz vor Zwölf Uhr. Der Ort war speziell. Es hatte den Grill, einen Einkaufsladen im Kolonialstil mit Food und Dekorartikeln sowie eine Bar. Alles sehr schön gemacht.

Das Essen war ausgezeichnet😊. Nachdem wir verpflegt waren, gingen wir nach draussen, überquerten die Strasse und streckten unsere Daumen hoch. Gute 20 Minuten vergingen, bis uns ein älterer Mann mitnahm und zurück zum Trail brachte.

Als ich den zweiten grossen Anstieg begann, liess sich Monk zurückfallen. Kurze Zeit später stiess ich auf Stripes. Er war erstaunt, dass ich hinter ihm war, er wusste nicht, wo er mich überholt hatte. Ich klärte ihn über die kleine Exkursion auf. Monk schloss wieder auf, aber ich wollte heute als erster beim Shelter sein! Also los und weiter den Berg hoch. Oben angekommen machte ich keine Rast, sondern lief weiter. Beim Abstieg Richtung Shelter wurde es immer dunkler und 14h50 fing es zu regnen an, kurze Zeit später war es dann ein Gewitter. Um 16h20 war ich beim Abzweiger Richtung Shelter. Aber etwas stimmte nicht. Der Wegweiser lag am Boden, der Seitentrail war mit Ästen versperrt. Ich wartete im Regen 10 Minuten auf Monk. Als dieser nicht kam, liess ich einen Wanderstecken beim Seitentrail stecken und ging Richtung Shelter. Als ich dort ankam, traf ich auf einen Mini-Shelter mit 4 Plätzen direkt an einem Fluss. Der Shelter war soweit i.O., d.h. sauber und dicht.

Monk kam etwa 20 Minuten später den Berg runter und brachte meinen Stecken mit. Er hätte diesen Abzweiger ohne meinen Hinweis nicht genommen. In der Zwischenzeit hatte ich einen Hinweis einer Hikerin auf Guthook’s gelesen, dass der Zugang kürzlich um 0.3 Meilen nach Norden verlegt worden ist, deshalb also die erwähnte Situation. Ich sah auch, dass es zwei Shelter gibt, unseren Dome sowie den neueren Whisky Hollow.

Im Laufe des Abends kamen noch mehrere Hiker vorbei, welche sich im Wiskey Hollow einquartierten. Ich traf Swiss-Chris, den ersten Schweizer auf dem Trail. Ich hatte schon von ihm gehört, entsprechend fun war es, ihm nun zu begegnen.

Und dann tauchte auch Stripes auf, er war den neuen Seitentrail gelaufen und hatte sich im Whiskey Hollow einquartiert.

Gegen 19h00 hörte dann der Regen endlich auf. Warten wir den morgigen Tag ab.

24. Juli 2018 – Tag 76 / Ein Regentag in Front Royal (spontan eingelegter Zero day)

After 2 1/2 months on the Appalachian trail

Monk ist für mich ein typischer Amerikaner (sofern ich das überhaupt beurteilen kann😉). In Motels wird nach dem Aufstehen der Fernseher eingeschaltet um News und Wetterprognosen zu sehen. Und diese werden immer und immer wieder wiederholt, unterbrochen von Werbung.

So erfuhren wir, dass heute schwere Regenfälle in Wellen kommen würden. Sogar Flutwarnungen wurden für unsere Gegend ausgegeben. Die Prognosen für diese und die nächste Woche versprechen viel Regen und Gewitter 🙄.

Wir waren nicht gerade erfreut über diese Prognosen, waren aber in Gedanken noch daran, auf den Trail zurückzukehren. Als wir beim Frühstück waren, ging ein Gewitter mit Starkregen über dem Motel nieder, welches nicht enden wollte. Auch ohne grosse Worte war klar, dass wir beide das nicht brauchten. Also ging ich mit Monk’s Einverständnis zur Rezeption und verlängerte unseren Aufenthalt um eine Nacht. Dieser Zero day war wirklich nicht geplant, tat aber gut.

Nach dem Frühstück war Blogen angesagt, Monk schaute BBC Reportagen über Haie.

Wir wollten später zur Brauerei zurückkehren, um die restlichen Biere zu probieren, welche wir gestern ausgelassen hatten.

Freebird, der gerne mit uns gehiked wäre, zog es auf den Trail, er war ja schon einen Tag früher im Motel angekommen. Stripes wiederum hatte massive Fussprobleme, seit er neue Schuhe gekauft hatte. Er hatte nun ebenfalls beschlossen, eine zusätzliche Nacht hier zu bleiben.

Monk musste Verpflegung einkaufen. Ich zeigte ihm den Weg zum Foodmarket, den ich gestern abend gelaufen war. Ich benutzte die Gelegenheit, um ebenfalls noch Kleinigkeiten zu kaufen. Anschliessend gingen wir zu Spelunker’s, das beste Burgerlokal der Stadt.

Das Essen war gut, reichlich und sicher nicht kalorienarm.😜 Ich bin aber sicher, dass diese Kalorien morgen auf dem Trail wieder verbrannt werden.

Wir kehrten zum Hotelzimmer zurück, um unsere Einkäufe zu deponieren. Bevor wir wieder Richtung Stadtzentrum gehen konnten, kam Stripes vom Einkaufen zurück und brachte jedem einen grossen Kübel Häagen Dazs Vanilleeis mit. Meine Güte, 875 Kalorien pro Kübel….meine Energiebilanz für heute war jetzt schon denkbar schlecht. Aber eben, manchmal muss man da halt einfach durch 😉. Ich hatte zum Glück Bio-Himbeeren gekauft und pimpte mein Eis entsprechend auf.

Stripes musste seine Wäsche machen, wir liefen los in die Main Street Richtung Brauerei. Front Royal ist für amerikanische Verhältnisse eine historische Stadt und hat eine sehr schön herausgeputzte Main Street. Überall sind schöne Blumenkörbe in voller Blütenpracht aufgehängt.

Aber es half alles nichts, das Restaurant der Brauerei war heute Dienstag geschlossen. Ein Mitarbeiter erklärte uns, dass dies heute das allerletzte Mal sei, ab morgen hätten sie sieben Tage die Woche geöffnet, wir würden also nicht mehr vergebens anlaufen….hmmmm.

Schräg gegenüber war das Café Amore, ein Italian/New York themed Café mit Barbetrieb, also gingen wir dorthin. Dieses Lokal war sehr hübsch eingerichtet und verfügte sogar über einen Bereich bei den Schaufenstern, der wie eine gute Stube eingerichtet war mit Comfort-Ledersesseln, Perserteppich etc.

Wir bestellten etwas zu trinken und machten es uns in den Ledersesseln bequem.

Ein paar schöne Wortspiele aus dem Café Amore

Monk hatte vorher noch bei einem Coiffeursalon einen Termin vereinbart. Wir genossen das Nichtstun im Café Amore.

Als es für Monk Zeit war, bezahlten wir und gingen. Ich machte ein paar Fotos und ging dann Richtung Motel.

Kurz vor dem Motel war noch ein General Store.

Ich ging rein und war in einer anderen Welt! Der Laden war lang und vollgestopft mit Waren aller Art. Messer, Lederwaren wie z.B. Gürtel oder Motorradjacken, Schuhe aller Art, Arbeitsbekleidung etc. etc. Ich musste fast meine Hände auf dem Rücken zusammenbinden (wie das wohl geht?), um nichts zu kaufen😉. Anschliessend ging ich zurück auf’s Zimmer.

Ich war am WhatsApp telefonieren im Motel, als Monk pudelnass kam, es hatte gerade wieder wie aus Kübeln geregnet.

Zum Abendessen mussten wir nur über die Strasse ins Pave Mint, einem ausgezeichneten BBQ Restaurant mit sicher 20 Bieren im Offenausschank, welches in einer ehemaligen Tankstelle untergebracht ist.

Das Essen war vorzüglich, die Biere haben super geschmeckt. Super war, dass der Bartender uns eine neue Wahl Bier jeweils probieren liess, bevor er ein Glas füllte.

Als wir mit dem Essen fast fertig waren, stiess Stripes noch dazu. Wir hatten viel Spass, organisierten aber auch schon den morgigen Tag.

Es sind jetzt noch knapp 30 Meilen bis zur 1000 Meilen Grenze und gut 55 Meilen bis Harpers Ferry.

Monk und ich werden voraussichtlich in Harpers Ferry Flip-Floppen. Das bedeutet, dass wir direkt nach Maine gehen (mit Zug bis Bangor und dann Shuttle), den Mount Katahdin besteigen und anschliessend südwärts zurück nach Harpers Ferry laufen. Dies hat den Vorteil, dass wir die deadline 15. Oktober, an welchem Datum der Baxter Nationalpark um Mount Katahdin geschlossen wird, umgehen und auch das Risiko von Schnee im September in Maine vermeiden.

Nähere Details folgen…..

23. Juli 2018 – Tag 75 / Goodbye Shenandoah N.P. and Hikers in the mist

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h15, Gravel Springs Hut

Ankunft Ziel: 14h20, U.S. Route 522, dann mit Autostopp zum Quality Inn in Front Royal, Virginia

Wetter: Nebel und Regen, später nur Nebel. In Front Royal sonnig und schwül, abends Gewitter.

Zurückgelegte Meilen: 13.4 heute, 970.8 seit Anfang (1562.0 Kilometer)

Elevation: 2480′-3212′-3050′-3368′-2400′-2909′-950′

Besonderes: Ausgezeichnetes thailändisches Essen im Restaurant des Hotels.

Baumpilze (Photo by Monk)

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute morgen war das Aufwachen nicht gerade erfreulich. Der Nebel war zurückgekehrt, zusätzlich regnete es stark. Entsprechend war im Hut ein Gedränge, alle wollten im Trockenen essen und die Packung erstellen.

Der Typ, der neben mir geschlafen hatte, ein Hiker aus West Virginia, war einer jener Sorte, welche sich ungeniert breit machen. Er hatte schon am Vorabend zwei Plätze im Hut mit all seinem Krimskrams belegt, aber jetzt lag auf einmal auch Zeugs auf meinem Schlafsack. Am Ende stieg er mit seinen dreckigen Campboots auf meine Luftmatratze. Ich musste mich doch echt zusammenreissen, um nicht in die Luft zu gehen!

Monk hatte früher als ich die Nase voll und marschierte los Richtung U.S. Route 522.

Nachdem ich alles gepackt hatte, montierte ich den Regenschutz über den Rucksack und zog die Regenjacke an. Ich verliess den Gravel Springs Hut, meinen letzten Shelter innerhalb des Shenandoah National Park, mit einem Mix an Gedanken. Im Vorfeld war der Shenandoah National Park immer als etwas Besonderes beschrieben worden. Realistisch betrachtet war es aber weiterhin nur ein Hike in einem grünen Tunnel, aber entlang einer touristischen Sightseeing Strecke, welche mit Pw oder Motorrad befahren wird (mit entsprechendem Motorenlärm, welcher immer wieder mal zu hören war). Einzig die Anzahl an Lookouts (Aussichtspunkten) war im Park grösser als üblich. Auch sahen wir hier deutlich mehr Bären als bisher.

Der Hike im strömenden Regen war eigentlich nicht schlecht, es war nicht zu heiss und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit musste ich auch praktisch nichts trinken. Einzig die Sicht durch die Brille war problematisch, sie war nass und beschlug auch immer wieder. Ich hatte aber dieses Mal vorgesorgt und trug ein Microfasertuch in der Jacke, mit welchem ich die Brille putzen konnte.

Das folgende Schild ist ein gutes Beispiel dafür, dass auf dem Trail einiges unternommen wird, um die Natur zu schützen.

Auch ausserhalb von Nationalparks werden z.B. entlang des Trails in einem gewissen Korridor keine Bäume mehr gefällt. So trifft man immer wieder auf sehr grosse und alte Bäume. Monk hat diesen American Beech tree (Buche) mit einem Stammdurchmesser von 1.5 Meter (!) fotografiert. Selbst er als ehemaliger Landschaftsgärtner hatte noch nie vorher eine solch alte Buche gesehen.

Auf dem Weg passierten wir den Floyd Wayside Hut (Floyd ist Monk’s zweiter Vorname).

Kurz vor dem letzten Hügel passierte ich einen Hiker, welcher am Zusammenräumen seines Nachtlagers war. Wir hatten ihn auch schon gesehen, er war gross und extrem schlank. Beim Abstieg vom Hügel rauschte er dann an mir vorbei. Kurze Zeit später traf ich ihn am Highway, er wollte auch nach Front Royal. Wir streckten zusammen die Daumen raus und nach zwei (!) Minuten hatten wir unseren Ride. Die Fahrerin zeigte uns noch zwei, drei interessante Plätze in der Stadt und setzte uns dann beim Quality Inn ab, wo Monk bereits eingecheckt hatte.

Vom anderen Hiker hatte ich erfahren, dass es hier ebenfalls eine Brauerei gibt, damit war der nächste Programmpunkt nach Dusche und Kleider waschen auch schon gesetzt.😊

Monk und ich liefen zur Brauerei, welche ein sehr trendiges Restaurant hatte. Wir bestellten Bier und einen kleinen Snack. Witzigerweise kam dann das österreichische Paar ins Lokal, welches uns vor zwei Tagen mitgenommen hatte. Ich sagte ihnen kurz Hallo und offerierte ihnen ein Bier.

Christian und Christina

Als wir zum Motel zurückkamen stellten wir fest, dass dort auch Freebird und Stripes unabhängig voneinander einquartiert waren.

Wir vereinbarten mit Freebird, dass wir am Abend ins Thairestaurant neben dem Motel gehen würden. Die Fahrerin, welche mich mitgenommen hatte, schwärmte davon bei der Ankunft am Motel.

Und es war tatsächlich einfach nur gut und erst noch ausgesprochen günstig.

Nach dem Abendessen so gegen 20h40 stellte ich in Google fest, dass ein Liquor store etwa eine halbe Meile entfernt war und um 21h00 schliessen würde. Also die schnellen Schuhe montiert und ich war unterwegs zum Einkaufen. Ich fand nochmals eine Flasche des 10-jährigen McKenna in der Single Cask Ausführung.😋 Im nebenan liegenden Foodmarket (geöffnet 7×24 Stunden) kaufte ich noch Notwendiges ein.

Als ich zum Motel zurückkam, sass Freebird vor seinem Zimmer. Wir sprachen noch längers über Gott und die Welt.

21. Juli 2018 – Tag 73 / Nero day und neue Schuhe in Luray

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h45, Campsite beim Wassertank oberhalb Skyland Resort

Ankunft Ziel: 13h15, Thornton Gap, U.S. 211, dann mit Autostopp nach Luray, Virginia

Wetter: Bewölkt, Nebel, dann kurz Regen. Kühl bis frisch, stärkerer Wind. Gegen Abend Sprühregen in Luray, sehr frisch.

Zurückgelegte Meilen: 9.5 heute, 943.1 seit Anfang (1517.4 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 3790′-3837′-3097′-3390′-3350′-3730′-3100′-3514′-2307′

Besonderes: Neue Schuhe gekauft, die alten haben 1600 Kilometer durchgehalten.

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20. Juli 2018 – Tag Nr. 72 / Bär Nr. 7 und das Skyland Resort

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h45, Bearfence Mountain Hut

Ankunft Ziel: 17h15, Skyland Resort (Übernachtung im Zelt beim Wassertank oberhalb des Resorts)

Wetter: Abwechselnd sonnig und bewölkt, angenehm kühl am Morgen. Eher schwül, aber noch angenehm.

Zurückgelegte Meilen: 16.1 heute, 933.6 seit Anfang (1502.2 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 3110′-3812′-3300′-3490′-3050′-3600′-3361′-3790′

Besonderes: Abendessen im Skyland Resort und später die Live Music.

Ribs, Fries und Cole Slaw 😋

Und hier die Tagesgeschichte:

Ich hatte gestern abend ja viel Spass gehabt. Am Morgen standen die Mädels sowie der ältere Sohn sehr zeitig auf und räumten im Hut (Shelter) ihr Nachtlager. Kurz nach sieben Uhr war die ganze Gruppe auf dem Trail Richtung Rock Spring Hut.

Wir hatten es nicht so eilig, eigentlich wollten wir ebenfalls nur zum Rock Spring Hut hiken, d.h. 11.5 Meilen.

Wir sprachen noch eine Zeitlang mit den drei Section Hikers, welche südwärts laufen.

Die drei Section Hiker, welche mit uns beim Bearfence Mountain Hut waren.

V.l.n.r.: Isaac, Zach, Zack

Dann hiess es Abschied nehmen. Monk und ich zogen los. Irgendwie war die Idee, nur 11.5 Meilen zu laufen, nicht berauschend. Ich schaute in Guthook’s nach und fand eine bessere Variante. Wir könnten bis zum Skyland Resort laufen, dort nach einem Zimmer mit Hikerrabatt fragen, alternativ campieren und auf jeden Fall im Resort etwas zu Abend essen. Monk war auch für diese Variante. Wir hatten einen ausgesprochen schönen Trailabschnitt vor uns, sodass wir richtig Tempo machen konnten.

Als erstes sah ich mehrere Deers auf dem Trail.

Kurze Zeit später sahen wir einen Jungbären (Wurf 2017) neben dem Trail, dieser hatte wenig scheu und rannte deshalb auch nicht gleich weg. Dies war nun schon mein siebter Bär, vier davon alleine in Virginia.

Nach gut zwei Stunden kamen wir an einem offenen Friedhof mitten auf einem Feld vorbei.

Für die ersten 7 Meilen benötigten wir nur drei Stunden. Weil wir so gut unterwegs waren erlaubten wir uns ein Mittagessen auf der Terrasse der historischen Big Meadows Lodge. Gerade als wir wieder auf den Trail wollten, kamen uns die beiden Mütter mit den Kids entgegen. Der ältere Sohn hatte vermutlich etwas Schlechtes gegessen und war nun erkrankt. Wir wünschten recht gute Besserung und liefen weiter. Ab jetzt wurde der Weg anspruchsvoll, sehr steinige Passagen verlangten höchste Konzentration und verlangsamten unser Vorwärtskommen.

Kurz vor Ankunft sahen wir diese schöne Baumpilzgruppe.

Auf dem Trail hatten wir einen weiteren Thru-Hiker getroffen, jemand aus Colorado!

Beim Resort angekommen fragten wir nach einem Zimmer. Ja, es hätte noch Zimmer gehabt für US $ 225 ohne Tax!😲 Von einem Hiker Discount wollten sie schon gar nichts wissen.

Damit war klar, das wir Campieren würden. Wir hatten beim Laufen schon einen guten Platz beim Wassertank oberhalb des Resorts gesehen.

Wir gingen an die Bar und trafen Freebird, den Hiker aus Colorado wieder. Wir luden ihn ein, bei uns am Tisch zu sitzen.

Das Nachtessen im schönen Speiseraum hat gut getan.

Two men from Colorado

Nach dem Abendessen mussten wir unsere Zelte aufschlagen, bevor es zu dunkel war. Freebird erwähnte, dass in der Bar heute Live Music gespielt wird und er hingehen würde. Ich schloss mich an und hatte noch einen vergnügten Tagesausklang.

19. Juli 2018 – Tag 71 / The journey is the reward und 900 Meilen

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h45, Pinefield Hut

Ankunft Ziel: 18h30, Bearfence Mountain Hut

Wetter: Abwechselnd sonnig und bedeckt, nicht zu warm, leichte Brise, am Nachmittag zunehmend schwül

Zurückgelegte Meilen: 20.6 heute, 917.5 seit Anfang (1476.3 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2430′-2590′-2250′-2700′-2600′-3587′-2367′-3200′-3100′-3500′-3110′

Besonderes: Heute haben wir den 900 Meilen Marker überschritten

Marshmellows am Holzfeuer, amerikanischer geht’s nicht mehr

Und hier die Tagesgeschichte:

Die Nacht im Shelter war ruhig gewesen, ich konnte aber trotzdem nicht so gut schlafen. Um kurz nach 6 Uhr stand ich auf. Monk war bereits wie üblich am Kaffee. Nach dem Frühstück war Monk schon bald bereit, ich wollte noch meine Zehen teilweise tapen, ich hatte nämlich zwei, drei Hotspots gespürt. Er lief deshalb schon mal los, ich sah ihn bis zum Abend nicht wieder.

In einem Hostel vor etlichen Wochen hatte ich den Spruch gelesen: The journey is the reward (frei übersetzt: Die Reise ist die Belohnung). Ich hatte heute weniger Freude an der Reise wie auch schon. Einerseits viele Ups and downs und steinige Strecken, anderersets hatte ich mit meinem Marial zu kämpfen. Meine Schuhe fallen auseinander, ein Teleskopstock klappt ständig ein, weil der Mechanismus ausgeleiert ist.

Immerhin hatte ich nach wenigen Meilen die 900 Meilen Marke erreicht

Nach dem Mittag hatte ich einen schönen Aussichtspunkt.

Auf dem Trail begegnete ich immer wieder Noteworthy, der manchmal hinter, dann wieder vor mir war.

Gegen Abend zog ich aber davon, ich wollte noch in einem Camping Store einkaufen, der 0.7 Meilen vor dem Hub liegt und der um 18h00 schliesst. Um 17h45 war ich dort.😁👍

Anschliessend noch der kurze Rest und ich war nach 20.6 Meilen beim Hub angekommen.

Dort war Hochbetrieb. Zwei Mütter mit mehreren Teenagern waren dort, Monk, drei Section Hiker und jetzt noch ich. Noteworthy würde auch noch dazustossen. Die Mütter machten Feuer und packten Marshmellows aus, welche am Feuer gebraten wurden. Isaac, ein Section Hiker hatte Würstchen und Brötchen sowie Ketchup und Senf mitgebracht, es gab also Hotdogs.

Nach vielen Diskussionen legten sich alle schlafen, ich arbeitete noch kurz am Blog.

Monk hat übrigens auf dem Trail erneut eine Bärenmutter mit einem Jungbären gesehen.

22. Juli 2018 – Tag 74 / (Baby-)Bär Nr. 8

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 12h10, Thornton Gap, U.S. 211, vorher mühsam mit Autostopp von Luray, Virginia

Ankunft Ziel: 19h00, Gravel Springs Hut

Wetter: In Luray sonnig und warm, auf dem Trail mehrheitlich Nebel mit sehr feuchter Luft, gegen Abend etwas Sonne. Kühl, ideal zum Wandern.

Zurückgelegte Meilen: 14.1 heute, 957.4 seit Anfang (1540.4 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2307′-3052′-2490′-2600′-2480′-3400′-3350′-3400′-3350′-3475′-3250′-3390′-3000′-3050′-2480′

Besonderes: Mein erstes Bärenbaby gesehen.

Und hier die Tagesgeschichte:

Ich hatte Monk gestern gesagt, dass ich gerne bis 07h00 schlafen würde. Er gab sich zwar Mühe, aber mit seiner Kaffeebrauerei um 06h00 war der Störfaktor doch zu gross.

Also stand ich auch auf. Monk musste noch Lebensmittel Einkaufen gehen. Ich meinte, Walmart sei in der Nähe, und so liefen wir los. Leider war das nicht so, nach einer halben Meile kehrten wir um.

Zum Frühstück gingen wir ins Restaurant des Quality Inn Motel, welches direkt neben unserem lag.

Anschliessend fragte ich bei unserem Motel, ob uns jemand um 08h30 zu Walmart fahren könne. Der Besitzer himself machte uns diesen Gefallen.

Während Monk einkaufte hütete ich die Packs. In Luray war es sonnig und schön warm. Anschliessend liefen wir über den Highway, um Richtung Thornton Gap Autostopp zu machen.

Es ging gut eine halbe Stunde, bis jemand stoppte. Der Fahrer meinte, er könne uns nur ein Stück mitnehmen. Aber immer noch besser als gar nicht mitgenommen werden.

Etwa auf halber Strecke zum Thornton Gap lud er uns aus, direkt vor einem Restaurant mit Cabins zum Mieten.

Und jetzt war Geduld angesagt…..und Geduld…..und Geduld. Unzählige Fahrzeuge fuhren Richtung Park, keines hielt. Monk war ziemlich am Anfang mal kurz auf der Toilette, genau dann fragte mich ein Gast des Restaurants, ob ich einen Ride brauche. Hmmmm, leider wollte oder konnte er nicht warten, bis Monk zurückkam.

Ich versuchte zwischenzeitlich, einen Lyft oder Uber Wagen zu organisieren, leider ohne Erfolg.

Nach weit über einer Stunde warten hielt endlich ein Wagen. Es war die Mutter eines Park Rangers, welche ihren Sohn bei einem Bären Vortrag besuchen wollte. Sie hatte Bananencake gebacken und schnitt ihn extra für uns an. Der Cake war extra wenig gesüsst und noch warm. Einfach himmlisch.😋

Wir kamen nun zum Parkeingang und mussten dort anstehen.

Als Mutter eines Rangers konnte sie aber problemlos und ohne zu bezahlen passieren.

Sie lud uns aus und wir hüllten unsere Packs in den Regenschutz ein. Denn hier oben herrschte dichter Nebel! Von der Temperatur her ging es noch, da wir ja laufen würden.

Die Strecke war wie gewohnt ein Auf und Ab, es gab zwei grössere Anstiege zu bewältigen. An Fotografieren war nicht wirklich zu denken, es war neblig und es tropfte ständig von den Bäumen.

Wir waren auf dem Trail zwischen hohen Gräsern, als ich hinter uns Geräusche hörte. Ich drehte mich um und sah gerade noch, wie ein Bärenjunges über den Trail rannte. Was für ein knuddeliges Tierchen! Wir warteten einen Augenblick, ob die Mutter folgen würde, aber sie war vermutlich schon auf der anderen Seite.

Wir waren heute trotz des späten Starts sehr gut unterwegs und leisteten uns sogar den Luxus, 6 Meilen vor dem Hut unterwegs im Elkwallow Wayside eine Pause einzulegen bei einem Bier und Bretzel.😋

Ich musste in der Folge mal austreten und liess Monk ziehen.

Der heutige Trail war einfach nur gut. Keine brutalen Anstiege, schöne Wege ohne grosse Steine oder Wurzeln. So macht Hiken Spass.😊👍

Beim letzten Anstieg wurde ich auf dem Gipfel des Little Hogback Mountain wieder einmal von einer Sendeanlage überrascht.

Vor lauter Fotografieren lief ich zuweit und verpasste den A.T. Anstatt zurückzulaufen kämpfte ich mich mit Guthook’s Hilfe durch dichtes Gebüsch zurück auf den Trail.

Im Laufe des späteren Nachmittags lichtete sich der Nebel, es kam sogar kurz die Sonne raus. Natürlich musste ich zwei Views festhalten.

Nach nicht ganz sieben Stunden kam ich punkt 19h00 beim Gravel Springs Hut an. Witzigerweise traf ich hier auf einige bekannte Gesichter (Poppins, Hubbles, Stripes, Gummybear). Nach dem Essen wollte ich noch am Blog arbeiten, aber das war nicht mehr sehr produktiv. So löschte ich das Licht und war schnell eingeschlafen.

Meine neuen Schuhe haben den Praxistest übrigens mit Bravour bestanden, ich bin echt froh!

18. Juli 2018 – Tag 70 / Ein zahmer (?) Bär und Happy birthday Mom

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 09h20, Blackrock Hut

Ankunft Ziel: 18h10, Pinefield Hut

Wetter: Sehr schwül, sonnig

Zurückgelegte Meilen: 13.2 heute, 896.9 seit Anfang (1443.1 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2645′-3100′-2600′-3300′-2950′-3200′-2430′

Besonderes: Milchshake auf dem Trail und Bär Nr. 6 gesehen

An dieser Stelle möchte ich zuerst meiner Mutter auch auf diesem Weg nochmals herzlich zum Geburtstag gratulieren und ihr eine stabile Gesundheit wünschen.

Dann hat Claudio, ein ehemaliger UBS Kollege, via Blog die Frage gestellt wie ich mich konditionell vorbereitet habe, um jeden Tag so viele Kilometer zu laufen. Tja, eigentlich wollte ich im April jeden Tag Sport treiben, um mich vorzubereiten. Aber mit den ganzen Arbeiten rund um den Auszug aus dem Haus Ende April kam das zu kurz. Ich war mit Tanja zwei Tage im Jura auf dem Höhenweg, das war es dann auch schon. Entsprechend habe ich am Anfang auf dem A.T. gelitten (Muskelkater hatte ich nie, aber die Kraft fehlte teilweise in den Beinen, um die zusätzliche Last des Rucksacks über die Berge zu tragen), bis ich meine Trail legs hatte. Aber das geht vermutlich den Meisten so. Und Ranger Nick hatte es uns bei der Einführung am 10. Mai gesagt. Entscheidend sind genau zwei Dinge für den erfolgreichen Abschluss des Thru-Hikings: Head and heart (Kopf und Herz). Man muss den Willen habe und wissen, weshalb man dies auf sich nimmt. Und dann einfach immer einen Schritt nach dem anderen.

Nun zur Tagesgeschichte:

Beim Pinefield Hut (Shelter) hatten wir zum zweiten Mal Bear Pols, eine praktische Vorrichtung, um die Food bags bärensicher aufzuhängen. Einzig die Stange, welche zum Aufhängen benützt wird, ist sehr schwer, da aus Eisen.

Nach dem Frühstück am Tisch wurde die Packung erstellt. Wir hatten uns für heute eine Distanz von etwas über 13 Meilen vorgenommen, fast schon gemütlich. Damit war aber auch klar, dass wir die 900 Meilen Marke erst morgen überschreiten würden.

Monk war wie üblich früh bereit und zog los. Ich liess mir noch etwas Zeit. Tim Andrew (Trailname Stripes), ein pensionierter Feuerwehrmann aus Connecticut, war seit zwei Monaten mit einem Hiking partner unterwegs. Henry Perkins (Trailname Bugbites) hatte ihm gestern eröffnet, dass er den Trail wegen seiner Knies verlassen würde. Stripes war natürlich betroffen nach einer so langen Zeit auf dem Trail.

Ich sprach kurz mit Stripes und wir beschlossen, heute gemeinsam zu laufen. Ein Zwischenziel für heute war der Loft Mountain Camp Store auf dem Trail, um Re-Supply zu machen und einen der berühmten Milkshakes zu geniessen.

Wir zogen los, ich voraus, Stripes hinterher. Nach einem ersten kurzen Anstieg von 20 Minuten wurden wir bereits mit einer grossartigen Aussicht belohnt. Stripes meinte nur, ich sei verdammt schnell unterwegs.

Rund eine Stunde später bei einem Parkplatz dann ein grossartiger Moment. Ein Bär (mittlerweile meine Nr. 6) lief über die Strasse, machte es sich in einem Gebüsch direkt an der Strasse bequem und war dort sicher 5 Minuten. Es hatte dort Beeren, ich konnte ihn beim Fressen beobachten und war direkt gegenüber auf der anderen Strassenseite. Natürlich war der Bär nicht zahm, aber auf jeden Fall auch nicht Menschen scheu.

Hier ein kurzes Video dazu:

Nachdem der Bär sich getrollt hatte, zogen Stripes und ich weiter.

Auf dem weiteren Weg sah ich auf einmal rechts bei einem Ausblick zwei Personen, die in Sesseln sassen und weit ins Land schauten. Ein Bild für Götter.

Ich sprach die beiden an. Es waren Locals aus Richmond, welche auf dem nahe liegenden Campground waren. Sie hatten beide ein Buch auf den Knien und genossen den Augenblick.

Nach ein paar Minuten freundlichem Austausch zogen wir weiter. Jetzt war der Camp Store angesagt!

Wir trafen dort auf einige andere Hiker, ein richtiges Happening. Stripes musste Re-supply machen, ich war noch gut. Aber ein Sandwich nahm ich trotzdem und ass es mit Hochgenuss. Der Milchshake danach war himmlisch. Zu unserer Überraschung tauchte auch Bugbites auf, er wollte nun doch weitermachen. Irgendwie hatten alle den lazy day Modus, keiner schien hier je wieder weg zu wollen. Irgendwann wurde es mir zuviel und ich ging.

Tim (Stripes) und Henry (Bugbites) am Rasten

Unterwegs machte ich immer wieder eine Pause, sodass Henry und Tim aufschliessen konnten. Hier noch ein Ausblick vom Nachmittag.

Praktisch miteinander liefen wir beim Shelter ein.

Nach dem Abendessen war noch etwas Blogen angesagt, ich musste den Rückstand aufholen. Aber irgendwann konnte ich nicht mehr und musste schlafen

17. Juli 2018 – Tag 69 / Erster Tag im Shenandoah National Park

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 09h40, Rockfish Gap (vorher mit Autostopp ab dem Quality Inn Motel)

Ankunft Ziel: 19h20, Blackrock Hut

Wetter: Zuerst bedeckt, warm, sehr schwül, dann Sonne, am Nachmittag lokale Gewitter (dieses Mal hat es mich erwischt)

Zurückgelegte Meilen: 20.7 heute, 883.7 seit Anfang (1421.9 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 1902′-3450′-2550′-2700′-2150′-3100′-2321′-2700′-2645′

Besonderes: Der Cappuccino im Drive through in Waynesboro

Infotafel am Parkeingang bei der Registrierung für die Campingbewilligung

Und hier die Tagesgeschichte:

Nach dem Frühstück im Motel machten wir unsere Packs fertig. Monk hatte von einem anderen Hiker am Vortag die Telefonnummer eines Trail angels erhalten. Wir versuchten diesen zu erreichen, um einen Gratisride zum Rockfish Gap zu erhalten, jedoch hatten wir kein Glück.

Also liefen wir zur Strasse und hielten unsere Daumen hoch. Als wir so am Warten waren, realisierten wir, dass ein Kaffee Drive through ganz in der Nähe stand. Monk meinte, dass er Lust auf einen Cappuccino hätte. Da konnte ich mich nur anschliessen😋. Monk lief zum Verkaufsfenster, als ein Fahrer eines Transporters ebenfalls da Kaffee bestellen wollte. Aber dr Schnäller isch dr Gschwinder👍. Der Fahrer nervte sich so, dass er ohne Bestellung abfuhr.

Wir tranken unseren Cappuccino genüsslich im Sitzen auf einer Bank. Als wir wieder Autostoppen wollten, sprach uns ein Mann an und fragte, wo wir hinwollen. Auf unsere Antwort meinte er, dass er uns da hinfahren könne.

Beim Gap angekommen fuhr er sogar eine Extraschleife und lieferte uns direkt beim Trail ab.

Wir hatten uns für heute eine grosse Distanz vorgenommen, denn ein erster Shelter kam bereits nach 7.7 Meilen, das war uns zu wenig.

Nach dem Einstieg mussten wir uns noch registrieren für die Campingbewilligung und hierzu ein Formular ausfüllen, dessen Original am Rucksack zu befestigen war.

Ich liess Monk losziehen und nahm es etwas gemütlicher. Auch heute war am Anfang ein grösserer Anstieg zum McCormick Gap zu bewältigen.

Der A.T. erstreckt sich im Shenandoah National Park über 96 Meilen und läuft über weite Strecken parallel zum Skyline Drive, einer Aussichtsstrasse, welche gerne von Touristen befahren wird. Insgesamt 28 mal kreuzt der A.T. den Skyline Drive.

Nach dem McCormick Gap folgten Bear Den Mountain mit grossen Antennenanlagen und Traktorsitzen (!) als Rastgelegenheit und dann Little Calf Mountain. Zu meiner Überraschung traf ich Monk gegen 12h30 sitzend auf dem Gipfel an, er hatte dort etwas gegessen.

Die Stunden auf dem Trail zogen sich hin, mehrheitlich waren wir wie üblich im grünen Tunnel. Dort sah ich auch diesen schönen Baumpilz.

Üblicherweise wird der Trail durch viel Freiwilligenarbeit in Schuss gehalten. Im Shenandoah National Park ist der Potomac Appalachian Trail Club dafür verantwortlich

Hier die Aussicht ab einem der Aussichtspunkte auf dem Skyline Drive.

Im Laufe des Nachmittags kam dann das Gewitter, welches angekündigt worden war. Dieses erwischte mich voll! Nach einer guten Stunde war der Spuk aber vorüber, jetzt musste nur noch die Brille geputzt werden, damit ich auch wieder etwas sah.

Für die letzten drei Meilen hatte ich mich entschieden, entlang dem Skyline Drive zu laufen, ich wollte etwas mehr von der Gegend sehen und im Gegenzug schneller laufen können.

Hier eine Sicht aus dieser Strecke.

Am Ende bog ich wieder auf den Trail ab, noch 0.5 Meilen bis zum Shelter steil bergauf. Nach fast 10 Stunden kam ich beim Shelter an.

Ich kochte mir noch Kartoffelstock mit Thunfisch, anschliessend war Blog angesagt bis ich zu müde war und schlafen musste.