29. Juni 2018 – Tag 51 / Sammle Erinnerungen, nicht Dinge

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h30, Jenny Knob Shelter

Ankunft Ziel: 16h15, Campsite auf dem Sugar Run Mountain (Meile 620.0)

Wetter: Ganzer Tag Sonne, im Wald angenehm warm.

Zurückgelegte Meilen: 16.9 heute, 620.0 seit Anfang (997.6 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2800′-2200′-2680′-2040′-3870′

Besonderes: Schwimmen unter den Dismal Creek Falls.

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute war ich früh wach (05h40). Ich holte als erstes meinen Bear bag. Monk war vermutlich etwas erstaunt, als er mich am Tisch vor dem Shelter sitzen sah und ich an meinem Frühstück zubereiten war. Dieser Vorsprung zog sich bis am Ende durch, heute wartete mal ich auf Monk.

Nach dem Abmarsch ging es erst mal bergab. Ich war froh, hatte ich heute doch viel gefrühstückt, da ich grossen Hunger hatte. Doch wie üblich musste die Höhe, die wir aufgaben, später wieder gewonnen werden. Also 600 Fuss runter, dann wieder 480 Fuss hoch auf den Brushy Mountain, dann wieder 640 Fuss bergabwärts. Auf dem Brushy Mountain entstand das Bild von Monk im Morgendunst.

Auch die Rhododendren sehen im Frühlicht sehr gut aus.

Wir kamen zu einer Hängebrücke aus Holz und Stahldraht, welche über einem Fluss, den Kimberling Creek, hing. Diese war sehr beweglich und schaukelte entsprechend, ein Riesenspass darüber zu laufen.

Wir kamen nun zu einer Strasse. Von dort lag ein Laden und Deli (Trent’s Grocery) nur eine halbe Meile vom Trail entfernt. Wir beschlossen dort hinzulaufen und etwas zu essen.

Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zu den Dismal Creek Wasserfällen. Diese liegen an einem kurzen Seitentrail. Das Besondere ist ein Schwimmloch unter den Fällen. Das Wetter war ja entsprechend gut für ein Bad😁.

Nach dieser kleinen Auszeit machte sich Monk auf Richtung Wapiti Shelter, um dort nochmals Wasser zu fassen. Ich liess mir mehr Zeit und zog später los. Hier ein schöner Baumpilz:

Als ich kurz vor dem Shelter war, traf ich Papa Smurf und Sunny D, welche an einem grossen Weiher am (Schwarz-)Fischen waren 😎. Sie hatten ihren Spass und machten entsprechend Lärm.

Ich bog zum Shelter ab um zu sehen, ob Monk da war. Fehlanzeige, dafür traf ich Doc und zwei andere Hiker.

Eigentlich wollte ich heute bis zum Doc’s Knob Shelter gehen, eine Distanz von rund 25 Meilen. Dies mit der Absicht, die morgige Etappe bis Pearisburg kurz zu halten.

Irgendwie kam dies bei Monk so nicht an, denn als ich den sehr nahrhaften Anstieg zum Sugar Run Mountain hinter mir hatte, traf ich ihn bei einem Zeltplatz mit ausgezogenen Stiefeln. Er meinte dann, dass er nicht wüsste, ob er die rund 8 Meilen bis zum Shelter schaffen würde. Nach kurzer Diskussion beschlossen wir, noch eine halbe Meile zu gehen znd auf einem grösseren Zeltplatz zu übernachten.

Nach dem Nachtessen ging ich zu einem Aussichtspunkt 0.2 Meilen entfernt und genoss das Panorama in der Abendsonne.

Und hier zur Abwechslung mal wieder ein Video:

Nun noch etwas zum Titel des heutigen Blog Eintrages. Ich hatte mit Tanja diskutiert, was man so alles rumstehen hat, was man nicht braucht. Damals kam sie mit dem Spruch, welcher jetzt Titel ist.

Ich habe heute wieder zwei Erinnerungen für meinen Strauss gesammelt, die keinen Platz benötigen:

– ein Bad unter dem Wasserfall in diesem klaren, erfrischenden Wasser

– eine gemütliche halbe Stunde alleine auf dem Aussichtsfelsen in der warmen Abendsonne

Ich liege jetzt in meinem Zelt. Ich habe nur das Innenzelt aufgestellt und kann deshalb durch die Netzeinsätze die Sterne durch die Baumkronen sehen. Hoffen wir, dass es keinen Morgentau gibt…..

28. Juni 2018 – Tag 50 / App Guthook’s und 600 Meilen gelaufen

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h45, Va. 615, Suiter Road, Laurel Creek

Ankunft Ziel: 16h50, Jenny Knob Shelter

Wetter: Leicht bewölkt, leichte Brise, kühl, gegen Abend warm und volle Sonne.

Zurückgelegte Meilen: 18.8 heute, 603.1 seit Anfang (970.4 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2450′-3100′-2600′-3090′-2720′-3101′-2800′

Besonderes: Zum ersten Mal in einem Hostel auf Spendenbasis übernachtet.

Und hier die Tagesgeschichte:

Wir hatten ja im Lickskillet Hostel übernachtet. Morgens um 02h00 wurde ich wach, der Vollmond schien durch’s Fenster, die Gegend war in dieses spezielle Licht getaucht. Ein schönes, unwirkliches Bild. Ich hatte heute zum ersten Mal den Wecker gestellt (05h45), weil um 07h00 Bubba, der Shuttle driver, bestellt war. Ich machte zuerst Frühstück für Monk und mich, es hatte ja noch Hamburger Buns und Käse von gestern übrig. Dazu hatte ich Schinken gekauft. Mit etwas Butter aus dem Kühlschrank sowie Senf ergab das wunderbare Sandwiches. Dazu je ein Joghurt und Orangensaft sowie Kaffee, fast wie im Hotel 😋. Anschliessend hiess es noch, die Zähne zu putzen und die Packung zu erstellen. Ich hatte gestern ein altes Taschenbuch zweckentfremdet und mit den Seiten meine nassen Schuhe ausgestopft. Ein alter Trick, der aber immer noch wirkt. Ich entnahm das Papier, die Schuhe waren praktisch trocken. Als ich sie anziehen wollte, passierte das Malheur, ein Schuhbändel riss. Und das 5 Min. vor Abfahrt! Ich nahm ein Messer und schnitt die andere Hälfte auch ab. Ich hatte Ersatz-Schuhbändel in der Schweiz gekauft und würde diese noch einziehen, bevor wir loslaufen.

Das Lickskillet Hostel funktioniert auf Spendenbasis, es gibt keine Preisliste. Wir wurden bereits bei der Ankunft darauf hingewiesen, dass wir alles aus dem Kühlschrank, Tiefkühler und dem Vorratsschrank brauchen dürften, sofern es nicht namentlich angeschrieben sei. Beim Auschecken gaben wir dann je US $ 25.

Bubba war pünktlich und fuhr uns zum Punkt, wo er uns gestern aufgeladen hatte. Unterwegs erzählte er ein bisschen aus seinem Leben als Shuttle driver. Interessant war, dass nach den Filmen „Into the wilds“ und „Wild“ die Anzahl der Hiker massiv zugenommen hat. Speziell nach „Wild“ mit Reese Witherspoon war im Jahr darauf die Anzahl Frauen auf dem Trail überproportional hoch.

Nachdem uns Bubba abgeladen hatte, nahm ich meine Ersatzschuhbändel hervor. 120cm, aber zu kurz!😕 Und ich hatte dem Verkäufer in einem Schuhgeschäft noch meine Schuhe gezeigt. Also gut, zusammenknoten und kürzen war die Devise.

Beim Aufstieg kamen wir an diesen wunderbar blühenden Rhododendren vorbei.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, fast 19 Meilen zu laufen. Es war eine wunderbare Strecke den Kreten entlang, mehrheitlich nur leichte Ups and Downs.

Die Natur überrascht immer wieder, hier mit einer farbenfrohen Ansiedlung von Moosen.

Ich hatte mir vorgestern für Fr. 60 die App Guthook’s runtergeladen und letzte Nacht die Karten via WiFi installiert. Sensationell, diese App! Der komplette A.T. ist jetzt auf meinem Mobile offline installiert, inkl. Position, Distanz und Detailangaben zu Shelters, Wasserstellen, Food supply, Sehenswürdigkeiten etc. Meine exakte Position wird mittels GPS ermittelt und angezeigt, d.h. ich brauche kein Telefonnetz dazu (was ja auch oft nicht vorhanden ist). Auch als Digital immigrant kann man immer was lernen😎.

Wir kamen nach gut 7 Meilen zur Brushy Mountain Outpost am U.S. 52 Highway. Dieser kleine Laden hat alles, was man zum Auffüllen der Vorräte braucht, dazu eine Deli mit Sandwiches, Burgers und Frühstück. Wir beschlossen, dort etwas zu essen. Auf der Karte war ein Brushy Mountain Burger für US $ 7.50. Ich bestellte diesen, die Besitzerin erklärte mir, wie er zusammengestellt sei und fragte, ob ich ihn so wolle. Vielleicht hätte ich besser zuhören sollen……🤔.

Es kam folgendes:

Das, was unten wie Brot aussieht, ist eine 3cm dicke Tranche gebratener Fleischkäse!!! Dazu das Brötchen, Hamburgerfleisch sowie Käse. Meine Güte, und ich hatte noch Fries und Slaw (Kabissalat) bestellt. Aber ich kann alle beruhigen. Das Ganze habe ich nicht gegessen, war schlicht unmöglich.

Mit vollem Magen mussten wir nun wieder eine grössere Steigung erklimmen, das war echt anstrengend.

Auf dem weiteren Weg kamen wir an einem aktuellen Warnhinweis für Bärenaktivität vorbei, allerdings nicht für unseren Zielshelter.

Die Lehre aus dem heutigen Tag ist, immer soviel Wasser mitzunehmen, dass auch beim Wegfall einer Quelle wegen Trockenheit (ist heute passiert) kein Problem entsteht. Wie schon erwähnt ist dieser Abschnitt von Virginia eh nicht fürstlich mit Wasserquellen ausgestattet. Übrigens: In der App Guthook’s sind auch aktuelle Meldungen von Hikern zu Wasserquellen etc. ersichtlich.

27. Juni 2018 – Tag 49 / Kein Empfang…

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h15, Chestnut Knob Shelter

Ankunft Ziel: 15h10, Va. 615, Suiter Road, Laurel Creek, dann mit Shuttle zum Lickskillet Hostel, Bland

Wetter: Morgendunst, Sonne versucht aufzulösen, später zeitweise sonnig, stärkerer Wind, mässig warm, trocken.

Zurückgelegte Meilen: 15.1 heute, 584.3 seit Anfang (940.1 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 4409′-3520′-3880′-2450′-3080′-2450′

Besonderes: Hostel in einer ehemaligen Kirche mit viel Do it yourself Flair.

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute morgen waren Eagle Eye, Monk und ich zeitig fertig, um 07h15 marschierten wir los. Unsere Schuhe waren von gestrigen Gewitter noch tropfnass, ich hatte aber ein Paar trockene Socken angezogen. Ich merkte bei Laufen schon früh, dass ich irgendwie müde Beine hatte. Ich sagte Eagle Eye, dass wir bei der ersten Wasserstelle halten müssten, ich hatte KEINEN TROPFEN mehr, da es beim Shelter kein Wasser gab. Irgendwie ging dies aber unter, Eagle Eye lief los wie die Feuerwehr, Monk und ich hinterher. Tatsächlich passierten wir die Wasserstelle, welche etwas vom Trail weg war, ohne dort zu halten. Virginia scheint ein State zu sein, wo Wasser auf dem Trail eher rarer ist. Wir mussten nun ein paar Meilen laufen, bevor die nächste Gelegenheit kam. Zum Glück war es heute kühl und feucht, sodass der Durst nicht allzu gross war.

Monk gab mir etwas von seinem Wasser ab, eine sehr nette Geste.

Ich musste mal austreten, Monk lief weiter. Als ich später alleine auf dem Trail war, machte ich einen Abflug in die Sträucher, wieder mal! Absolut nichts war passiert, aber das Aufstehen mit 20 kg am Rücken ist je nach Lage unmöglich, d.h. der Rucksack muss zuerst abgezogen werden.

Als ich zur nächsten Wassermöglichkeit kam, sah ich Monk’s Rucksack da liegen. Ich legte meinen Rucksack ebenfalls ab und wollte den Pfad bergab runterlaufen. Aber dann kam Monk den Pfad auch schon wieder hoch. He was not amused! Die Quelle lag ca. 0.4 Meilen weg, aber es ging steil runter und dann war sie erst noch nicht ergiebig. Monk fragte, wie weit es zur nächsten Wasserstelle sei. Ich checkte im Führer und sagte, etwas über 4 Meilen. Daraufhin meinte er, ich solle nochmals von ihm Wasser nehmen und nicht auch hier Wasser holen.

Am heutigen Tag war alles noch feucht von den gestrigen Gewittern und dem Nebel heute. Die Steine und Felsen waren entsprechend rutschig. Wir liefen heute mehrheitlich über die Ridge, d.h. über die Krete. Deshalb war auch viel Klettern angesagt. Und prompt legte es mich auf einem grossen Felsblock. Ich muss aber sagen, meine Stilnoten werden immer besser 😎. Einzig mein linkes Knie hatte wieder einmal etwas abbekommen.

Hier ein grosser Haufen Felsen, ein gewaltiger Felssturz musste das gewesen sein.

Wir liefen heute durch die Hunting Camp Creek Wilderness.

Nach gut 8 Stunden inkl. einem Lunchhalt bei einem Shelter kamen Monk und ich beim Laurel Creek an.

Hier wollten wir das Zero Days Inn Hostel anrufen, damit wir abgeholt würden. Doch denkste, kein Empfang. Ich lief die nicht asphaltierte Strasse runter und um die Ecke, vielleicht hätte ich dort Empfang. Fehlanzeige!

Uups, ich wurde beobachtet 👀…..

Dieser nette kleine Kerl war mitten auf der Strasse, ich platzierte ihn im Gras.

Wir hätten jetzt noch weitere 7 Meilen laufen müssen, um eine vielbefahrene Strasse zu erreichen. Ich hatte aber keine Lust mehr, meine Füsse fühlten sich komisch an in den nassen Schuhen. Also nahm ich meine Stöcke und lief den Berg hoch, wo wir runtergekommen waren, bis ich Empfang hatte. Ich konnte den Eigentümer des Hostels nicht erreichen, das komplette Netz war besetzt. Also sandte ich ihm eine SMS. Er antwortete schnell und teilte mir mit, dass er out of town sei, das Hostel sei geschlossen. Er empfahl aber noch das Lickskillet und Bubba Shuttle. Und dann ein Wunder! Bubba kam um 15h55 angefahren, weil er eine Bestellfahrt hatte. Das war das erste Auto, welches die Strasse befuhr. Bubba fuhr uns dann zum Lickskillet Hostel, welches sicher 15 Meilen entfernt liegt nachdem er kurz abgeklärt hatte, ob Betten frei seien.

Wir buchten Bubba gerade wieder für die Rückfahrt morgen um 07h00.

Das Lickskillet Hostel ist eine Kirche aus dem Jahr 1910, die ein ehemaliger Hiker gekauft hat um daraus das Hostel zu machen. Vieles ist noch provisorisch respektive läuft unter dem Motto: Ich bastel mir mal ein Hostel. Aber supernett, wir wurden kostenlos zum Einkaufen gefahren. Monk hatte die Idee, Burgers zu machen. Wir kauften entsprechend ein, ein Holzkohlengrill ist beim Hostel zum Gebrauch da.

Während Monk den Grill einheizte und das Essen zubereitete, wusch ich Wäsche in der Maschine. Das Essen war lecker!

Jetzt liege ich im Bett, aus dem Fenster sehe ich den Vollmond😁.

Und bevor ich’s vergesse: Herzliche Gratulation zum Geburtstag, Roger. Ich werde jetzt natürlich nicht anfangen, jeden Geburtstag im Blog zu erwähnen, aber Runde sind doch etwas Spezielles. Das ist er übrigens, der Prachtsbursche:

26. Juni 2018 – Tag 48 / Gewitter

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h45, Quarter Way Inn, dann Va. 610, Old Rich Valley Road

Ankunft Ziel: 15h10, Chestnut Knob Shelter

Wetter: Stark bewölkt, aber noch trocken. 12h45 erste Regentropfen, ab 13h30 heftiges Gewitter mit Starkregen, dann Dauerregen bis ca. 16h30.

Zurückgelegte Meilen: 14.0 heute, 569.2 seit Anfang (915.8 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2700′-2460′-2550′-2500′-3200′-2800′-2810′-2400′-3000′-2250′-3800′-3700′-4409′

Besonderes: Das beste Frühstück bis jetzt auf dem ganzen Trail.

Und hier die Tagesgeschichte:

Das Quarter Way Inn wird als Hostel von April bis Juni durch Tina betrieben, welche 2009 als thru-hikerin „chunky“ unterwegs war sowie ihren Mann Brett, welcher als Professor an der University von North Carolina arbeitet. Das Gebäude ist eine alte Farm aus dem Jahr 1910, welche liebevoll restauriert worden ist. Wir hatten also Glück, dass wir noch im Juni dort vorbeikamen. Das Gourmet Frühstück, welches für US $ 12 zusätzlich gebucht werden kann, ist ausserordentlich gut und reichhaltig.

Irene, eine weitere Thru-Hikerin, welche am 9. Mai gestartet ist (ein Tag vor mir)

Nach dem Frühstück beglichen wir unsere Rechnung. Die Schuhe waren zwar die ganze Nacht neben einem Entfeuchter in einem geheizten Vorraum gestanden, aber wirklich trocken waren sie nicht. Die Wetterprognosen (siehe ganz oben) waren nicht wirklich aufbauend.

Ein paar letzte Fotos vor dem Gebäude, dann waren Monk, Eagle Eye und ich wieder unterwegs, Yo-Yo blieb noch, da ihr Paket noch nicht angekommen war.

Wir hatten uns vorgenommen, mindestens bis zum Chestnut Knob Shelter zu wandern, bei gutem Wetter aber noch rund 8 Meilen weiter und dann zu zelten.

Zuerst gingen wir über eine grosse Grasfläche, welche als Weidefläche für Kühe dient. Anschliessend ging es wieder in den Wald. Wir folgten einem kleinen Fluss, mussten mehrmals Leitern übersteigen.

Dann trafen wir auf diese Tonne, wir wurden gebeten Holzschnitzel für die Latrine beim Shelter mitzunehmen.

Auf einmal hörten Eagle Eye und ich Musik im Wald und lautes Gelächter. Wir trafen auf Doc, Papa Smurf und Sunny D, welche im Appalachian Dreamer Hiker Hostel übernachtet hatten. Monk war irgendwo hinter uns.

Gemeinsam zogen wir weiter, das Tempo war sehr hoch. Um 12h45 waren wir vor dem letzten grossen Aufstieg zum Shelter, vor uns lagen 2000 Fuss Höhenunterschied über 5 Meilen. Hier fing es schon zu regnen an. Mitten im Aufstieg legte das Gewitter los. Es ging sehr schnell und alle waren klatschnass. Das Ärgste sind dann die Schuhe, man fühlt nur noch das Wasser im Schuh.

Ich entschied für mich im Shelter zu bleiben, das Wetter für Zelten war einfach zu schlecht. Monk und Eagle Eye schlossen sich meiner Meinung an.

Kurz nach 15h waren alle im Shelter. Dort trafen wir auf Shawn und Carolyn sowie zwei andere Hiker.

Wir assen alle etwas Warmes und wechselten Kleider. Der Regen hörte dann endlich auf, wobei das Wetterradar schon weitere Gewitter ankündigte.

Papa Smurf, Doc und Sunny D wollten es nochmals wissen, sie wollten noch bis zum nächsten Shelter (weitere 12 Meilen).

Nachdem sie weg waren, hatten wir noch viele Gespräche und Gelächter. Um 21h waren aber alle in den Schlafsäcken.

25. Juni 2018 – Tag 47 / Folge dem ersten Gedanken

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h55, Davis Path Campsite

Ankunft Ziel: 13h00, Va. 610 Old Rich Valley Road, dann 0.3 Meilen zum Quarter Way Inn

Wetter: Erstes Gewitter kurz nach sieben Uhr morgens, Regen, gegen Mittag kurz sonnig, um 16h00 heftiges Gewitter mit Starkregen

Zurückgelegte Meilen: 7.3 heute, 555.2 seit Anfang (893.3 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 2840′-3300′-2600′-3500′-2700′

Besonderes: Ein Viertel des Appalachian trails ist absolviert.

Trail mit Gefälle und starkem Regen = erhöhte Rutschgefahr

Und hier die Tagesgeschichte:

Nach dem gestrigen Lagerfeuer-Abend (ja, mit ein paar Bierchen) hatten wir vor, heute bis zum Chestnut Knob Shelter zu gehen, d.h. 21.3 Meilen. Das wäre dann neuer Tagesrekord gewesen. Doch es kam anders…..

Um 06h50 wurde ich wach. Als ich das Zelt öffnete war ich erstaunt, es war nämlich trocken. Ich hatte in der Nacht Regen erwartet. Mein erster Gedanke war, dass Zelt als Erstes abzubauen. Leider folgte ich diesem Gedanken nicht 😣.

Nach der Morgentoilette machte ich Wasser heiss, in der Ferne war erstes Donnergrollen zu hören. Ich war am Frühstück, dann kam auch schon der Regen, ein wunderbares Gewitter war über uns. Nicht wirklich funny, denn damit war klar, dass alles nass eingepackt werden muss.

Shawn und Carolyn zogen als Erste los. Wir hatten von Yo-Yo gehört, dass sie heute nur bis zum Quarter Way Inn (Hostel) gehen würde, dort wartete ein Paket auf sie. Monk, der gestern voll in ein Gewitter lief, kam zu mir und fragte, ob wir nicht auch ins Hostel gehen wollten, seine Schuhe seien jetzt schon durchnässt. Eagle Eye fand das auch eine gute Idee. Also beschlossen wir, aufgrund des Wetters die Tagesetappe zu kürzen.

Monk zog los, Yo-Yo, Eagle Eye und ich warteten auf das Ende des Regens, aber dieses kam nicht. Also schnell alles eingepackt und dann los von Rom.

Yo-Yo führte, gefolgt von Eagle Eye und mir. Heieiei, von Anfang an ein hohes Tempo! Nach etwa 30 Min. liess der Regen etwas nach, jetzt aber nichts wie raus aus der Regenjacke, darin war man auch nass, aber vom Schwitzen.

Wie gewohnt ging es rauf und dann wieder runter. Auf einmal kamen wir an einem Zeltplatz vorbei, dort waren Papa Smurf, Doc und Sunny D.

Ich musste meine Socken kontrollieren und benutzte das, mit den drei zu reden und einen Kaffee zu trinken. Anschliessend machte ich mich auf den weiteren Weg. Auch heute gab es wieder einen Aussichtspunkt, das Wetter machte einigermassen mit für ein Foto.

Jetzt waren es noch knapp 1.2 Meilen bis zur Strasse, alles bergab. Der Trail war teilweise sehr rutschig. Und auf einmal lag ich im Matsch! Ein Bild für Götter, ich wollte aufstehen, fand aber keinen Halt im Matsch. Also den Rucksack abschnallen, dann auf die Knie, jetzt ging es. Bei der Strasse war dann der Hinweis zum Hostel.

Nach der Ankunft war Duschen angesagt, das Hostel stellt auch Kleider zur Verfügung, während die eigenen Sachen in der Wäsche sind. Anschliessend war eine Pizza angesagt 😋.

Ich packte dann meinen Rucksack aus um alles zu trocknen. Zwischenzeitlich kam die Sonne raus und es wurde richtig warm draussen. Ich packte das Zelt aus und hängte es auf respektive stellte das Innenzelt auf.

Den Nachmittag verbrachten wir mit viel reden, lachen, Video schauen oder Blog schreiben (ich). Draussen kamen die nächsten Gewitter, teilweise wieder mit Starkregen. Wir waren alle froh, dass wir unsere Pläne geändert hatten.

Das Quarter Way Inn ist ein sehr gepflegtes Haus mit viel Charme. Das Bunkhouse ist in Tat und Wahrheit ein grosser lichtdurchfluteter Raum mit schönen Betten, Kissen und Decken. Auch diesen Ort gehört zu den Topplätzen, welche ich bis jetzt angetroffen habe.

Morgen werden wir hier noch frühstücken, dann geht es wieder auf den Trail.😁

24. Juni 2018 – Tag 46 / Everything closed on Sunday

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 09h50, Mount Rogers NRA Headquarters.

Ankunft Ziel: 19h00, Davis Path Campsite

Wetter: Sonnig, warm, zunehmend gewitterhaft, am Nachmittag heftiges Gewitter

Zurückgelegte Meilen: 14.2 heute, 547.9 seit Anfang (881.6 Kilometer).

Elevation (in Fuss): 3240′-3900′-3530′-4093′-2420′-2840′

Besonderes: Lost and found.

Und hier die Tagesgeschichte:

Eagle Eye hatte versprochen, einen Shuttle zum Mount Rogers NRA Headquarters zu organisieren. Wir trafen ihn um 07h30 zum Frühstück im Bojangles‘, einer Fast Food-Kette, gegenüber dem Hotel. Ich war genervt, denn mein Kochgeschirr inkl. Gasbrenner war verschwunden. Dies ist so ziemlich das Dümmste, was passieren kann. Vermutlich hatte ich das ganze Set beim letzten Shelter nicht eingepackt, weil dort ein Gstürm war.

Das Frühstück war ohne Geschmack und lag mir später wie ein Stein im Magen. Nach dem Frühstück machte ich mich auf den mittlerweile vertrauten 😉 Weg zu Walmart, um Ersatz zu besorgen. Ich kaufte einen Brenner (US $ 22), Kochgeschirr aus Edelstahl (US $ 8) sowie Plastikbesteck. Das Kochgeschirr war um einiges schwerer wie mein bisheriges aus Aluminium, aber ich war wieder einsatzfähig.

Um 09h30 kam der Shuttle, wir quetschten uns zu fünft in den Wagen.

Hinten vlnr: Carolyn, Shawn, Monk, Eagle Eye

Nach der Ankunft beim Headquarters bezahlten wir den Fahrer, dann ging es los. Auch heute war zuerst ein netter Anstieg zu bewältigen zum Brushy Mountain und dann weiter zum Locust Mountain. Auf dem Weg trafen wir Papa Smurf, Doc und Sunny D. Papa Smurf sagte mir, dass Yo-Yo mein Kochset gefunden und mitgenommen habe. Hmpfff, warum hatte ich das nicht früher erfahren?🤔

Beim höchsten Punkt des Tages, dem Glade Mountain mit 4093 Fuss (=1247.5 Meter ü M.) machten wir eine witzige Fotosession.

Shawn

Carolyn

Doc

Papa Smurf

Sunny D

Eagle Eye

Monk

Und ich

Nun war das Gröbste überstanden, wir liefen zum Chatfield Shelter, wo wir Mittag assen. Ich wartete nun auf Yo-Yo, schliesslich trug sie mein Kochgeschirr seit gestern früh mit sich. Es ging nicht lange und sie kam. Nachdem auch sie etwas gegessen hatte, liefen wir zwei los.

Unterwegs kamen wir beim Settlers Museum vorbei, einer Art Ballenberg im Miniformat. Im Lindamood Schoolhouse machten wir einen etwas längeren Aufenthalt, weil draussen ein heftiges Gewitter tobte.

Wir wussten, dass in etwa 4 Meilen Tankstellen mit Foodbereich kommen würden. Davor mussten wir noch eine Eisenbahnlinie überqueren.

Die Szenerie hatte sich geändert, wir liefen nun durch Wiesen und das Licht sowie die Gerüche waren komplett anders. Auch die Vegetation war verschieden, viel mehr Blumen.

Bei den Tankstellen angekommen sah ich, dass ein Pulled Pork Sandwich angeboten wurde. Das tönte schon mal lecker. Yo-Yo wollte jedoch Mexikanisch, für mich auch i.O.

Wir liefen zur zweiten Tankstelle, das mexikanische Restaurant war aber gerade heute ausnahmsweise geschlossen. Gegenüber war ein Restaurant, dieses hatte um 15h00 geschlossen, es war 15h10! Also zurück zur ersten Tankstelle. Die Kassiererin machte ein Gesicht wie sieben Tage Regen. Auf meine Frage, ob es noch Pulled Pork habe, kam die Antwort: Nein, am Sonntag gibt es kein Pulled Pork. Mit viel Überzeugungsarbeit brachten wir sie soweit, dass sie uns eine frische Pizza für zwei macht. Wir besorgten noch zwei, drei andere Dinge. Als wir bezahlen wollten, sprach uns Ashley aus Pennsylvania an.

Trail Angel Ashley

Ihr Onkel mit Trailname Falling leaves sei auch auf dem A.T., sie hatten ihn vergangenen Dienstag getroffen. Sie war extrem nett und bezahlte sogar unsere Einkäufe. Wieder einmal Trail magic!

Nach dem Essen der Pizza zogen wir wieder los, es war nicht mehr weit bis zum vereinbarten Treffpunkt.

Yo-Yo beim Geniessen

Um 19h00 waren wir am Ziel. Eagle Eye hatte Feuer gemacht, wir verbrachten einen gemütlichen Abend.

Shawn in Action beim Werfen der Leine für den Food bag (er war ein bisschen spät dran 😉).

23. Juni 2018 – Tag 45 / Marion, Virginia

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h20, Trimpi Shelter

Ankunft Ziel: 10h55, Mount Rogers NRA Headquarters, dann mit Autostopp zum Hiker freundlichen Travel Inn.

Wetter: Regnerisch, im Laufe des Tages sonnig, dann heiss.

Zurückgelegte Meilen: 10 heute, 533.7 seit Anfang (858.7 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 2900′-2470′-3300′-3010′-3360′-3240′

Besonderes: Aufenthalt über Nacht in Marion, Virginia

Sonnenstrahlen durchdringen den Regendunst im Wald

Und hier die Tagesgeschichte:

Wir hatten eine ruhige Nacht im Shelter. Dieser war für einmal anders konstruiert. In der Mitte war ein Kamin, links und rechts waren die Liegeflächen, diese aber parallel zur Öffnung ausgerichtet.

Die ersten Hiker starteten früh, sie wollten den 10h45 Shuttle ab dem Mount Rogers NRA Headquarters erreichen, welcher Personen für 50 Cents ins 6 Meilen entfernte Marion führt. Bis zum Headquarters waren 10 Meilen (16.09 Kilometer) zurückzulegen.

Monk und ich starteten um 07h20. Sehr schnell mussten wir unsere Regenjacken anziehen, es regnete stärker. Beim schnellen Gehen, vor allem bergauf, kommt man aber viel mehr ins Schwitzen mit den Jacken. Sobald der Regen schwächer wurde, zogen wir die Jacken wieder aus und liefen weiter. Auf den Hügelzügen lag teilweise dichter Dunst. Wir liefen schnell und waren kurz vor 11h00 am Headquarters. Den Shuttle hatten wir knapp verpasst. Also wieder einmal Autostopp…..

Nach etwa 20 Minuten hielt ein Pickup, ein junger Mann nahm uns mit nach Marion. Er fuhr zu einem Schnellimbiss, wir stiegen dort aus und liefen die knapp 2 Meilen zum Hotel, assen aber unterwegs noch eine Pizza.

Wer braucht WIRKLICH einen 24h Drive Thru?

Beim Hotel angekommen machten wir zuerst unsere Wäsche. Anschliessend liefen wir zum Walmart (1/4 Meile) und kauften dort ein. Dann zurück zum Hotel. Dann bemerkte ich, dass ein gerade gekauftes Batteriepack für das Telefon nicht ladbar war. Also zurück zu Walmart, umtauschen gegen ein besseres (teureres Produkt). Dann gingen wir zum Abendessen in ein mexikanisches Restaurant zwischen Walmart und Hotel. Dort erfuhr ich, dass es neben dem Walmart einen Liquor Store gibt. Also wieder zu Walmart. Dort einen schönen 10-jährigen Kentucky Straight Bourbon Whiskey (Russell’s Reserve) gekauft.

Zurück ins Hotel. Dann gemerkt, dass beim zweiten Batteriepack kein Stecker dabei war (was für ein Riesen-Witz!). Also zum vierten Mal zu Walmart und noch einen passenden Stecker gekauft. Soll noch jemand behaupten, ich hätte einen lockeren Tag gehabt.

Zum Abschluss des Tages sass ich noch mit Eagle Eye vor dem Zimmer, jeder genehmigte sich einen Whiskey.

22. Juni 2018 – Tag 44 / 20.1 Meilen, eine kleine Auszeit und Bär Nr. 3

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h30, Wise Shelter

Ankunft Ziel: 18h15, Trimpi Shelter

Wetter: Sonnig, dann zunehmend bewölkt, am Nachmittag Gewitter.

Zurückgelegte Meilen: 20.1 heute, 523.7 seit Anfang (842.6 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 4460′-4300′-4650′-4610′-4800′-4620′-4960′-3450′-4325′-3000′-3120′-3100′-4040′-2900′

Besonderes: Längste Distanz an einem Tag sowie Bär Nr. 3 gesichtet.

Und hier die Tagesgeschichte:

Im Shelter schlafen die Leute entweder mit den Füssen oder dem Kopf Richtung Öffnung (die meisten Shelter sind gleich konzipiert). Ist wohl einfach Geschmacksache. Ich habe gerne den Kopf Richtung Öffnung. Wir mussten ja mit Bärenbesuch rechnen, dieser blieb jedoch aus. Dafüt hörte ich immer wieder mal die Ponys, welche auch nachts unterwegs sind.

Um 05h30 lag ich gut eingemummelt schlafend im Schlafsack, als mich ein Geräusch weckte. Ich wusste zuerst nicht, was es war, aber es war sehr nahe bei meinem Kopf🤤. Ich riskierte ein Auge, sah aber noch nichts, nur das Geräusch ging weiter. Also drehen im Schlafsack und genauer schauen. Jetzt aber: Ein Ponykopf war 10cm vo meinem Kopf entfernt, das Tier interessierte sich für meine wasserdichten Beutel und zupfte dran. Ich stiess den Kopf zwei-/dreimal sanft weg und machte dem Pony klar, dass dies nichts für es sei.

Nach dem Frühstück startete ich mit dem Vorsatz, heute einen Tagesrekord zu laufen (grösste Tagesdistanz). Die ersten 7.7 Meilen ging es wie gewohnt rauf und runter.

Hier noch ein paar Bilder aus dem Nationalpark:

Ich hatte heute besonders gute trail legs und war nach 2 1/2 Stunden an der Va. 603 Strasse. Hier bestand die Möglichkeit, nach Troutdale zu trampen, etwas ausserhalb des Ortes gibt es einen General Store mit Deli und zwischendurch sogar BBQ Angebot. Ich fand, ich hätte jetzt eine Auszeit verdient und wollte auch noch einkaufen. Beim Parkplatz war eine Gruppe Teenager mit zwei Erwachsenen, alle mit Rucksäcken ausgestattet. Sie machten offensichtlich Dehnungsübungen. Ich kam mit dem Leiter ins Gespräch, er arbeitet seit vielen Jahren für Syngenta USA in Carolina. Was ich nicht wusste: Die USA Angestellten haben die gleichen Benefits wie die Angestellten in der Schweiz, d.h. z.B. auch mindestens 5 Wochen Ferien im Jahr. Dies ist in den USA sonst anders, der Durchschnitt liegt bei zwei Wochen. Gut, dafür gibt ein paar Feiertage mehr wie bei uns.

Ich streckte nun den Daumen raus und wartete,,,,und wartete,,,,,,,und wartete, es kamen in meine gewünschte Richtung praktisch keine Autos vorbei. Monk tauchte nach 25 Minuten auf, ich erklärte ihm meinen Plan und fragte, ob er mitkommen wolle. Da aber noch 12.4 Meilen bis zum Ziel vor uns lagen, verzichtete er. Kaum war er weg hielt ein Pickup mit Anhänger, darin sassen zwei ältere Männer. Diese waren mit Holzarbeiten beschäftigt gewesen. Sie erklärten sich bereit, mich zum General Store zu fahren. Dort angekommen stieg ich aus und bedankte mich herzlich. Als ich meinen Rucksack deponierte, kam ein Mann aus dem Store. Er fragte: Hiker? Ich: Yes, Er: Thru Hiker? Ich: Yes, Sir, Er: Need a ride back to the trail?, Ich: That would be great. Ich war also noch nicht im Laden und hatte schon eine Rückfahrmöglichkeit. Trail magic!

Draussen war angeschrieben: Pulled Pork BBQ Sandwich, das MUSSTE ich haben😋. Und es war einfach nur lecker. Dann noch ein gewärmtes German Chocolate Cupcake, himmlisch!

Anschliessend machte ich die Einkäufe und wurde dann zum Trail zurückgefahren. Mein Trail angel ist ein ehemaliger Polizist aus North Carolina, er war bis zur Pensionierung in einer Werkschutz-Einheit für ein Atomkraftwerk und ist dann in diese Gegend gezogen. Er hat den A.T. ebenfalls komplett absolviert. Leider habe ich seinen Trailnamen nicht richtig gespeichert (Mountainman? Valleyman?). Falls er sich bei mir über den Blog meldet, werde ich das noch richtig stellen.

Um 12h10 war ich wieder auf dem Trail, dabei war ein 12er Pack Bierbüchsen, wir hatten ja noch die 500 Meilen zu feiern.

Kaum war ich am Laufen, fing ein Gewitter an. Also Regenschutz über den Rucksack und Regenjacke an. Ich hatte ordentlich zu tragen, es ging wieder mal bergauf.

Etwa sieben Meilen vor dem Ziel ging eine Stromleitung durch den Wald, darunter war gerodet, wobei Büsche und junge Baumtriebe schon wieder relativ hoch standen. Ich hatte den Rucksack kurz abgesetzt und wollte gerade weitergehen, als ich etwas Schwarzes im Hang erblickte. Könnte das ein Bär sein? Ich schaute weiter, nichts bewegte sich. Also Fehlanzeige. Doch halt, auf einmal eine Bewegung. Ja, es war ein Bär, der sich dort aufhielt. Ich schaute ihm etwa 5 Minuten zu, bis er im Wald verschwand. Das Foto ist grauenhaft schlecht, der schwarze Fleck könnte irgendwas sein Aber Handy Kameras auf grosse Distanzen, und dann noch im Starkregen, sind nicht viel wert.

Nun aber weiter.

Als nächstes kam ich bei den Comers Creek Falls vorbei.

Ich kam an eine weitere Strasse, welche ebenfalls Richtung Troutdale geht, ab hier waren es noch 4.4 Meilen, mit einem netten Berg dazwischen. Ich hatte den Rucksack kurz abgesetzt als YoYo aus dem Wald auftauchte. Gemeinsam zogen wir im Eiltempo los, verliessen die Little Wilson Creek Wilderness und kamen nach 1 3/4 Stunden beim Shelter an.

Das Bier wurde natürlich mit grossem Hallo begrüsst. Witzig: Beim Laufen hatte ich immer Biergeschmack um die Nase und etwas tropfte auf meine Wade. Tatsächlich hatte ich beim Festzurren eine Dose verletzt, diese war vollkomnen leer, als ich ankam.

Der Tag hat super gut getan!

21. Juni 2018 – Tag 43 / 1 Million Schritte in 500 Meilen

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h55, Lost Mountain Shelter

Ankunft Ziel: 17h10, Wise Shelter

Wetter: Bewölkt, dann neblig, zwischendurch leichter Regen, später Sonne, frisch. Ab 20h00 stärkerer Regen.

Zurückgelegte Meilen: 17.5 heute, 503.6 seit Anfang (810.3 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 3360′-3160′-5150′-4458′-5200′-5125′-5490′-5400′-5440′-4800′-4920′-4200′-4460′

Besonderes: 500 Meilen absolviert!

Und hier die Tagesgeschichte:

Als ich um 06h00 meinen Food bag holen wollte, sah ich schon von weitem, dass der Bag in der Nacht Besuch bekommen hatte. Ein etwa 2cm grosses Loch war an der Seite, daraus schaute Plastik heraus. Ich liess den Sack herunter und schaute mir den Schaden genauer an. Es musste ein Flying Squirrel oder eine Maus gewesen sein, welche sich durchgebissen hatte. Bei der Inspektion meiner Lebensmittel sah ich, dass eine angefangene Packung Tortillas angeknabbert worden war, das war mir ja noch egal. Aber mein Cappuccino von Tanja, dass war dann aber schon daneben! Ich versuchte, das Loch im Beutel mit Powerband zu schliessen, dieses hält aber nicht auf dem Spezialgewebe. Mit einem Reparaturkit für Luftmatrazen war ich dann erfolgreich🤗.

Heute früh stand uns ein grosser Anstieg von fast genau 2000 Fuss bevor Richtung Whitetop Mountain. Dieser ist mit 5520 Fuss der zweithöchste Berg von Virginia. Der Trail führt nicht auf den Gipfel, aber dieser ist über einen Seitentrail erreichbar. Der Aufstieg erfolgte im Regen und Nebel, das Terrain war zeitweise extrem anspruchsvoll, d.h. Steine und Wurzeln.

Nachdem wir oben angekommen waren, ging der Trail in ein relativ flaches Stück über. Wir liefen nun Richtung Mount Rogers, dem höchsten Berg Virginias mit 5729 Fuss. Auch Mount Rogers‘ Gipfel ist über einen Seitentrail erreichbar. Aufgrund des schlechten Wetters machte ein Besuch des Gipfels aber keinen Sinn, also lief ich auf dem A.T. weiter Richtung Thomas Knob Shelter. Dort würden wir auf die Ponys treffen, welche bekannt sind für ihre „Kontaktfreudigkeit“ zu Hikern (ja klar, diese sind salzig vom Schwitzen).

Beim Thomas Knob Shelter traf ich Eagle Eye, welcher beim Lunch war. Nach dem Shelter trafen wir dann auf eine temporäre Einrichtung, nämlich eine Bärenbox mit einem elektrischen Zaun.

Diese Einrichtung war notwendig geworden, weil die Bären dort ständig Nahrung suchten.

Die Landschaft war eindrücklich schön.

Und dann sah ich die Ponys.

Diese Ponys leben grundsätzlich wild, sie werden jedoch „gemanaged“.

Wir kamen nun in den Grayson Highlands State Park. Dort war auch die offizielle 500 Meilen Stelle des A.T.

Tja, diese 500 Meilen bedeuten auch, dass ich bereits 1 Million Schritte auf dem A.T. gemacht habe. Eine unglaubliche Anzahl! Im Gegenzug wird das Material auch stark beansprucht. Meine LOWA Schuhe fangen schon an, sich aufzulösem, werde das mit LOWA aufnehmen.

Kurz vor dem Shelter badete eine Grouse mitten auf dem Trail genüsslich im Sand.

Knapp nach 17h kamen wir beim Wise Shelter an. Dieser hatte gemäss Shelter Buch am Vortag Besuch von einem Bären gehabt, deshalb mussten die Food bags besonders sorgfältig gehängt werden. Es fing dann wieder an zu regnen und wurde frisch, deshalb war der Schlafsack bald die beste Lösung.

20. Juni 2018 – Tag 42 / 51 Pfund, Knieschoner und Nimm 2

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h30, Woodchuck Hostel, Damascus

Ankunft Ziel: 17h15, Lost Mountain Shelter

Wetter: Sonnig, dann zunehmend bewölkt und gewittrig, aber kein Regen.

Zurückgelegte Meilen: 16.0 heute, 486.1 seit Anfang (782.1 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 1928′-2920′-2310′-2490′-2400′-3440′-2700′-2720′-2690′-3400′-3360′

Besonderes: Ein beschwingter Tag unter Volllast🤓.

Mitten auf dem Trail gefunden. Wie kam der Hiker wohl aus dem Wald?

Und hier die Tagesgeschichte:

Heute morgen war das Aufstehen leicht. Wir wollten wieder auf den Trail nach einem Tag rumhängen in einer Stadt, wo nichts los ist und wo sogar die Restaurants mehrheitlich am Mo-Mi geschlossen sind. So gesehen gibt es anscheinend jeweils maximal zwei Restaurants, welche gleichzeitig geöffnet sind. Auch eine Möglichkeit, das Geschäft aufzuteilen😉.

Wir gingen um 06h30 zum Frühstück. Wie gestern schon erwähnt war die Auswahl sehr gut. Es gab frisch gemachte Blueberry-Waffles, Cornsyrup, verschiedene frische geschnittene Früchte, Whipped Cream, Bratkartoffeln, gekochte Eier, Bagles, Frischkäse, süsse Brötchen, Butter, Konfitüre und mindestens 10 verschiedene Cerealien, dazu Milch, Kaffee und Orangensaft. Und dies alles für US$ 25 inkl. der Übernachtung im Halbprivat Zimmer. Ich muss sagen, Woodchuck reiht sich in die Liste der Top Hostels nahtlos ein!

Nach dem Frühstück wurde gepackt. Ich hatte vorgestern Abend den Fehler gemacht, dass ich hungrig Einkaufen ging (wieder einmal😐). Mein Food Bag war jetzt prall gefüllt mit Essen für fünf Tage. Mein Rucksack wog fertig gepackt inkl. ca. 2.5 Liter Wasser 51 Pfund (23.1 Kilo)😲!

Nach der allgemeinen Verabschiedung liefen wir der Hauptstrasse von Damascus dem A.T. entlang. Ausserhalb der Stadt folgten wir kurz dem Virginia Creeper Trail, einem 33 Meilen langen Radweg auf einem früheren Bahngeleise-Trassee. Dieser Radweg ist in der Region ein Motor für die ganze Tourismusindustrie. Diverse Fahrradverleihs konkurrenzieren sich, die Sport- und Outdoorläden bieten alles für Radfahrer an, Souvenirs gibt es in allen Varianten.

Dann bogen wir in den Wald ab über eine Holztreppe.

Umgehend wurden wir darauf hingewiesen, dass hier Problembären in der Gegend sind.

Heute hatten wir drei Anstiege vor uns. Eagle Eye und ich zogen aus, trotz Volllast konnte ich ihm gut folgen. Nicht lange nach dem Einstieg sahen wir diese weissen Rhododendren.

Kurz darauf trafen wir auf Flipper, einen etwas schrägen Typen, der nur mit Tagesrucksack und ohne Stöcke unterwegs war. Er lief nur eine gewisse Strecke, weil er jeweils seinen Wagen nachführen wollte. Er bewegte sich unsicher und steif, er wollte sich nicht übertreten. Ich empfahl ihm Stöcke. Er hatte welche, aber die seien im Auto!

Auf einmal lag da dieser einzelne Stiefel neben der Strecke (siehe oben). Die Phantasie geht da mit einem durch. Was ist da wohl passiert, wie kam die Person wieder aus dem Wald? Am gleichen Ort sah ich diese Blumen:

Wir stiegen weiter an. Aus irgend einem Grund machte ich auf einmal eine Bauchlandung direkt hinter Eagle Eye. Mein eingebauter Airbag (Bauch😉) hat in den letzten Wochen wohl etwas Luft verloren, die Landung war etwas härter. Ich rappelte mich auf, checkte mich und fand, es sei alles ok. Den beiden anderen sagte ich, sie sollten ruhig weiter gehen. Nachdem ich vor ein paar Tagen mein rechtes Knie bei einem Sturz lädiert hatte, war jetzt wohl mein linkes Knie dran gewesen. Ich lief jetzt weiter und realisierte, dass ich mich beim Sturz doch etwas verletzt hatte, ich blutete am Knie. Wären Knieschoner vielleicht die Lösung🤔?

Kurz darauf kam ich zu einem Bach, Monk war am Wasser filtern. Ich packte die Apotheke aus, säuberte und desinfizierte die Wunden und pflasterte schön alles zu. Sieht doch gut aus, oder?

Das Sesamstrasse-Pflaster sieht ja witzig aus, hat aber nur 10 Minuten gehalten.

Ich fing wieder zu laufen an, ein schöner und breiter Weg zog sich den Wald hinauf. Nach einer Meile kam mir Monk entgegen! Ich fragte was los sei. Er meinte, wir hätten den A.T. verlassen und seien auf dem falschen Trail. Und tatsächlich, ich hatte schon eine Zeitlang keine „White blazes“, die Markierung für den A.T. mehr gesehen, mich aber nicht geachtet. Monk hatte es im übrigen auch nur gemerkt, weil auf einmal ein Mountainbiker an ihm vorbeifuhr. Auf dem A.T. sind jedoch Biker nicht erlaubt, darauf wird regelmässig hingewiesen.

Monk und ich durften also die ganze Meile hangabwärts zurücklaufen. D.h., zu den ohnehin geplanten 16 Meilen kamen noch zwei weitere dazu (Motto: Nimm 2 no drzue), welche aber natürlich nicht zählen.

Ich wollte es jetzt etwas gemütlicher nehmen und liess es abreissen. Eine schöne Strecke führte durch das Taylors Valley, jedoch war ziemliches Klettern über Steine und Felsen gefragt. Hier ein solcher Abschnitt:

Ich näherte mich dem Saunders Shelter, hier wollte ich Lunchhalt machen. Gestern zum Grill hatten wir viel zuviel Salat gemacht und jedem eine schöne Portion für heute eingepackt (Sauce natürlich separat👍). Wunderbar, ich hatte also eine grosse Portion Salat, Brot und Chips😋.

Als ich alles wieder eingepackt hatte und gehen wollte, sass ein Schmetterling auf meinem Wanderstock und liess sich nicht stören.

Nun hiess es wieder „Happy trails“ für mich.

Auf dem Weg zum Zielshelter kam ich nochmals an einem Abschnitt des Virginia Creeper vorbei respektive der A.T. und der Creeper teilen sich für einen kurzen Abschnitt den Trail. Hier war auch diese sehr lange Holzbrücke.

Nach 9 3/4 Stunden kam ich gutgelaunt beim Shelter an, direkt davor traf ich noch ein Deer auf dem Trail😁.

Nach Abendessen noch den Food Sack aufhängen, dann war mein Tageswerk erledigt. Am Blog schrieb ich noch etwas, aber ich war so müde, dass ich bald das Licht löschte.