5. Juni 2018 – Tag 27 / Hot Springs at its best

Was soll ich sagen? Den 5. Zero-Tag in 26 Tagen? Ist das der Sinn? Ist das Ziel wichtig? Oder der Weg? Ihr seht, ich mache es mir nicht leicht…..

Ich werde jetzt nicht anfangen, mich zu rechtfertigen, weshalb ich heute nicht schon wieder etwa 15-20 Meilen die Hügel rauf und runter gelaufen bin.

Fact ist: Ein wunderbarer Tag in Hot Springs geht dem Ende entgegen. Monk und ich waren Frühstücken, hatten um 11h45 bis 12h45 einen Hot tub Termin und wurden von 13h bis 14h massiert. Bei mir hat Joe (etwa 1.85m gross mit etwa 120kg Lebendgewicht) seinen ganzen Körper (vor allem die ELLBOGEN) eingesetzt und mich entsprechend rangenommen. Meine Güte, das war grenzwertig und hat teilweise gut geschmerzt. Aber diese Ganzkörpermassage war super und hat mich so richtig vorbereitet auf morgen. Wir planen, gegen 20 Meilen zu laufen.

Nach einem guten Abendessen (Tacos) habe ich die nötige Bettschwere, um bald einmal zu schlafen.

Die kommenden Tage sollen gemäss Prognosen wettermässig sehr gut sein, das freut mich sehr.

Sobald ich wieder WiFi habe, werde ich die aktuellen Berichte hochladen.

Bis dann: Machet’s guet👍

4. Juni 2018 – Tag 26 / Trailrunner Harvey Sweetland Lewis

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h25, Roaring Fork Shelter

Ankunft Ziel: 14h40, Hostel at Laughing Heart Lodge, Hot Springs N.C.

Wetter: Sonnig und warm während des ganzen Tages 😁.

Zurückgelegte Meilen: 17.9 heute, 283.3 seit Anfang (455.8 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 3950′-3550′-4260′-3700′-4686′-2520′-2640′-2500′-2880′-1326′

Besonderes: Der erste Trailrunner und eine Top-Zeit für 17.9 Meilen.

Und hier die Tagesgeschichte:

Man stelle sich vor: Aufstehen im Shelter um ca. 06h10, rundherum schon Hektik, alles am zusammenpacken. Jetzt heisst es Ruhe bewahren, kontinuierlich und konzentriert die Schlafstelle zusammenpacken und sein Material durchchecken, dann Toilette, Frühstück zubereiten, gemütlich essen, Geschirr kurz reinigen, Zähne putzen, Snacks bereitstellen, alles fertig einpacken, Socken und Schuhe anziehen……und los geht’s! Unglaublich, heute waren wir bereits um 07h25 auf der Piste. Nach dem gestrigen Tag hatten wir uns nochmals eine längere Distanz eingeplant, um bis nach Hot Springs in North Carolina zu gelangen.

Hot Springs in North Carolina ist das erste Städtchen auf dem A.T., in welcher der Trail direkt durch die Ortschaft läuft.

Wie der Name sagt, gibt es heisse Quellen vulkanischen Ursprungs, welche etwa 1.5 Meilen entfernt liegen. Das heisse Wasser wird durch Rohre in das Hot Springs Resort and Spa geleitet. Die Ortschaft selber ist klein, an der Hauptstrasse liegen vielleicht 20 Gebäude, der Rest ist wie üblich verstreut. Zu früheren Zeiten gab es hier nacheinander immer wieder Grand Hotels. Eines davon hatte den grössten Ballsaal des Staates für bis zu 1000 Gäste. Es wurde während des 1. Weltkrieges auch als Internierungslager für deutsche Soldaten verwendet. Doch alle Hotels brannten nieder. Heute sind teilweise noch Grundmauern vorhanden, aber die ganze Pracht ist nur noch Geschichte.

Wir starteten unseren Tag wie erwähnt früh, doch die Sonne schien bereits. Es war noch relativ frisch am Morgen, dazu eine leichte Brise, also ideale Bedingungen! Bei Sonnenschein macht die Sache doppelt soviel Spass, die Sinneseindrücke sind einfach anders, Farben und Gerüche intensiver.

Nochmals die speziellen Baumpilze

Auch heute war wieder ein üblicher Rauf und Runter Tag. Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, weshalb es immer ÜBER die Berge gehen muss, es ginge doch auch DRUM HERUM 🤔. Aber dann wäre vermutlich weniger sportlich 😉.

Den ersten Shelter passierte ich nach 4.8 Meilen in 1h und 45 Min. Dies war bereits eine Superzeit, vor allem nach einem Anstieg! Ich fühlte mich sehr gut in Form und versuchte, das Tempo hoch zu halten.

Wir wussten, dass uns heute wieder ein langer Abstieg bevorstehen würde (rund 2300 Fuss). Natürlich hat dies einen positiven Einfluss auf’s Tempo, aber der Körper wird stark gefordert, das ewige Abbremsen geht in die Beine (vor allem Knie).

Nach dem höchsten Punkt Bluff Mountain ging es runter bis zum Garenflo Gap.

Von hier noch 6.6 Meilen bis Hot Springs. Als ich das Schild fotografierte (man beachte die Distanzen nach Springer Mountain, wo ich gestartet bis, respektive nach Mount Katahdin, dem Zielort 😐), hielt auf einem anliegenden Waldweg ein Wagen. Ein Mann stieg aus und fragte, ob dies der A.T. sei. Wir kamen ins Gespräch. Kevin und seine Frau Lindsey, welche zwischenzeitlich auch ausgestiegen war, wollten einen Freund anfeuern, welcher gerade den Allzeit-Rekord für den schnellsten Lauf auf dem A.T. brechen will.

Man stelle sich das mal vor. Fast 2200 Meilen (3500 Kilometer) rennen, bis zu 50 Meilen am Tag! Es handelte sich um Harvey Lewis, ein bekannter Ultrarunner aus den USA, der auf Wikipedia zu finden ist respektive in Facebook. Kevin erzählte mir, dass Harvey von einem Van begleitet wird, welcher Versorgungspunkte anfährt (so viele gibt es nicht davon). Er esse im Moment 9000 (sic!) Kalorien pro Tag. Unglaublich! Ich sagte den beiden, dass er noch nicht an mir vorbeigerannt sei (ich hätte sicher mitgehalten 😜). Als ich mich verabschiedete, sagte ich beiden, dass ich Harvey grüssen würde.

Und siehe da: Als ich im letzten Anstieg war (Monk knapp hinter mir), kam Harvey angerannt. Ich grüsste ihn von weitem mit dem Namen. Er stoppte kurz und ich liess ihn von Kevin und Lindsey grüssen.

Er hatte eine Riesenfreude, wir plauderten kurz, dann noch Fotos (auch er machte ein Gruppenfoto für sich) und schon war er wieder am Rennen. Ich muss sagen, Harvey hatte eine unglaublich positive Ausstrahlung, er lächelte auch beim Laufen!

Beflügelt von diesem Treffen zogen Monk und ich richtig aus und kamen nach 7h 15 Min. beim Hostel an. Ein junger Hiker bot uns als erstes ein eiskaltes Bier an, was für eine Begrüssung!😁 Wir leisteten uns statt der Etagenbetten ein Semi-Privat Zimmer mit drei Betten mit Bettwäsche (US $ 25 statt 20 pro Person 😉). Das dritte Bett belegte Monk strategisch mit allem aus dem Rucksack, sodass wir zu zweit im Zimmer waren 😎.

Nach dem Zimmerbezug, einer Dusche sowie Wäschewechsel (wir wollten später die Wasche waschen) zogen wir los, um die Grossstadt zu erkunden. Beim Outfitter kaufte ich neue Campschuhe (die Crocs killten meine Füsse, ich stiess immer die Zehennägel an) sowie einen kleineren Essensbeutel. Die ersetzten Sachen landeten später in der Hikers‘ Box im Hostel.

Anschliessend liefen wir zum Hot Springs Resort and Spa, welches in einem wunderschönen und riesigen Parkgelände liegt. Wir wollten schauen, ob wir eine Massage buchen könnten.

Nachdem uns die Dame am Empfang sagte, dass heute nichts mehr frei sei und Massagen teilweise Wochen im voraus gebucht werden müssen, fragte ich, ob morgen noch was frei sei. Und siehe da: Ja, kein Problem, zwei Massagen um 13h00 seien möglich. Wir buchten zwei Mal Hot tub (Whirlpoool) mit anschliessender Massage 💪.

Nach einem ausgezeichneten Nachtessen gingen wir schlafen

Das Leben auf dem Trail (Teil 2) / Verpflegung

Ein SEHR wichtiger Punkt für alle Langdistanz Hiker ist die Verpflegung.

Wasser ist eigentlich auf dem A.T. nie ein Problem, es gibt genügend Quellen. Einzig ein Wasserfilter ist zwingend, um bakterielle Erkrankungen zu vermeiden.

Wir verbrennen aber rund 3000-4000 Kalorien am Tag (manchmal sogar mehr). Diese Kalorien sowie die Nährstoffe, die man ausgeschwitzt hat, müssen möglichst wieder dem Körper zugeführt werden.

Dies ist aus verschiedenen Gründen ein schwieriges Unterfangen.

Erstens bedeutet Essen Gewicht. Wie ich schon geschrieben habe, zählt am Ende jedes Gramm, dass man mitträgt. Deshalb sind frische Lebensmittel in der Regel nicht Bestandteil des Vorrates. Auch Büchsen haben ein zu hohes Gewicht. Die Lebensmittel, die wir mittragen, sind in der Regel (gefrier-)getrocknet und werden durch Zugabe von Wasser zubereitet. Aber nicht jedes Päckchen Fertigmenü ist gleich gut geeignet für Hiker, hier hilft nur, den Artikel kritisch auf die Zusammensetzung zu überprüfen. Einige Firmen haben sich auf diesen Markt spezialisiert und schauen auch, dass die Menüs mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind.

Zweitens muss vorausgeplant werden, wann und wo wieder eingekauft werden kann. Wohl gibt es immer wieder die Möglichkeit, den Trail zu verlassen, dies bedeutet aber immer auch Zeitverlust. Im Gegenzug werden Lebensmittel an gewissen Orten auf dem Trail überteuert verkauft.

Drittens gibt es wenig Lebensmittel, welche eine sehr hohe Kalorienanzahl haben und auch mitgenommen werden können.

Ich selber führe immer noch zuviel Lebensmittel mit, hier kann ich noch optimieren, um Gewicht zu sparen. Aber jedes Lebensmittel wird bei mir letztendlich gegessen, es gibt kein Food waste.

Wie sieht nun das Menü für einen Tag aus?

Frühstück

Grüntee im Beutel, ev. zusätzlich Pulverkaffee oder Cappucino (ebenfalls Pulver)

Haferflocken mit getrockneten Früchten und Mandelblättern mit Honigüberzug

O d e r

Ramen Nudeln mit Bouillonpaste (Danke an Tanja) ergänzt

Durch den Tag

Snacks sind wichtig (Zucker und Protein), z.B.

Beef Jerky (Trockenfleisch)

Snickers oder andere Schokoriegel

Energieriegel

Studentenfutter (Trockenfrüchte und -beeren mit Nüssen)

Abends

Tee oder Kaffee

Beutelmenüs (in der Regel zwei Portionen)

Noch etwas Studentenfutter

Diese Auflistung sagt natürlich noch nichts aus über die Anzahl Kalorien, welche man konsumiert noch über die Menge an Kohlehydraten oder Protein, die man zu sich nimmt.

Ich merke aber, dass der Hunger tatsächlich präsenter wird, je länger ich wandere. Dass ich schon Gewicht verloren habe zeigt gut, dass ich es nicht schaffe, die verbrannten Kalorien zu ersetzen. In meinem Fall ist das jedoch noch kein Problem da ich Reserven habe 😉.

Schauen wir mal, wie es weitergeht.

30. Mai 2018 – Tag 21 / Off the trail in Gatlinburg („Dollywood“), Tennessee

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h50, Double Spring Gap Shelter

Ankunft Ziel: 13h00, Newfound Gap, U.S. 441, Tenn. 71

Wetter: wie am Vortag Dauerregen, Wege deshalb entweder Bach oder Sumpf

Zurückgelegte Meilen: 10.5 heute, 216.1 seit Anfang (347.7 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 5507′-6582′-6550′-6643′-5886′-6188′-5317′-5460′-5045′

Besonderes: Auf dem Clingmans Dome gewesen, dem höchsten Punkt auf dem gesamten Trail (6643 Fuss = 2024.8m über Meer)

Und hier die Tagesgeschichte:

Nach dem Aufstehen sahen wir, wie stark der Regen in der Nacht gewesen war (gehört hatten wir es ja, der Regen prasselte teilweise lautstark auf das Dach). Vor der Hütte war eine grosse Pfütze.

Wir wussten, dass es vom Shelter bis zum Clingmans Dome nur 2.8 Meilen war. Ich hatte im Führer gesehen, dass wir über 1100 Fuss aufsteigen mussten, um auf den Gipfel zu gelangen. Doch der Aufstieg war problemlos, da es ein konstanter, nicht allzu steiler Aufstieg war. Einzig der Dauerregen war behindernd.

Oben angekommen machte ich den kleinen Umweg zum Tower, dies wollte ich mir nicht nehmen lassen. Eine Touristin war so nett und machte ein Foto von mir mit dem Turm im Hintergrund. Ja, eine TOURISTIN! Während wir Hiker nämlich etliche Höhenmeter erklimmen, um letztendlich auf den Gipfel zu gelangen, gibt es unzählige Personen, welche mit dem Auto hochfahren und dann nur noch vom tiefer gelegenen Parkplatz zum Turm laufen (auf Asphalt!).

Trotz nicht vorhandener Sicht lief ich die Rampe zum Turm hoch und fotografierte wenigstens die Panorama-Tafeln 👍.

Beim Abstieg vom Berg regnete es weiter in Strömen. Ein Video hierzu:

Faszinierend ist, wie sich die Vegetation verändert, wenn man grosse Höhenunterschiede macht. Während wir vor dem Nationalpark praktisch nur Laubbäume gesehen hatten, wechselte die Szenerie ab einer gewissen Höhe zu Nadelbäumen. Teilweise waren die Abschnitte im Wald richtig dunkel, es erinnerte mich an den Schwarzwald. Der Abschnitt in den folgenden Bildern wäre übrigens ein idealer Drehort für einen Horrorfilm 😉.

Als wir nach 10.5 Meilen beim Newfound Gap angekommen waren, wollten wir per Autostopp nach Gatlinburg gelangen (15 Meilen Wegstrecke). Gatlinburg ist eine nette, herausgeputzte Stadt, welche stark auf Tourismus ausgerichtet ist (Sommer und Winter, es hat auch ein Ski-Resort). Den Übernamen Dollywood haben sie erhalten, weil Dolly Parton, die Countrysängerin, dort ein Resort besitzt und damit Milliardärin wurde.

Aber genau jetzt fing es wieder an, aus Kübeln zu giessen. Wirklich kein gutes Wetter für Autostopp! Wir warteten sicher 40 Minuten, bis ein Auto hielt und dahinter ein zweites. Ein Paar bot uns an, uns bis kurz vor Gatlinburg mitzunehmen, nur würden sie unterwegs ein paar Stops einlegen, im Wagen hinter ihnen seien Freunde, welche in den Ferien auf Besuch seien. Wir nahmen das Angebot gerne an, Hauptsache trocken! Nun wurde immer wieder einmal gehalten, um Wasserfälle oder den tobenden Fluss anzuschauen. In der Zwischenzeit hatte sogar der Regen aufgehört. Bei einem Picnic-Platz stiegen auch wir aus, machten ein paar Fotos und hatten gute Gespräche.

Letztendlich fuhren uns die netten Leute sogar bis Gatlinburg 😊. Der Temperaturunterschied war übrigens frapant, in Gatlinburg war es richtig heiss.

Dort angekommen suchten wir das Motel 6, welches gemäss Führer gut und günstig war. Beim Einchecken stellte ich fest, dass es weder eine spezielle Hiker rate gab noch eine Coin laundry (beides hatte der Führer angegeben). Der Hotelabgestellte war eher von der unfreundlichen Sorte, insgesamt kein wirklich erfreulicher Ort. Für gut US $ 60 buchten wir trotzdem das Zimmer. Wenigstens hatten wir in Erfahrung gebracht, dass das Motel nebendran ein Coin laundry hat. Ich fragte dort nach, ob wir waschen dürften und erhielt das OK 😎.

Wir gingen nun einkaufen, u.a. im Outdoorcenter NOC. Ich leistete mir eine neue Short, meine bisherige war mir jetzt zu gross, da ich abgenommen hatte. Dazu noch ein passendes Langarm-Shirt.

Wir besorgten auch Waschmittel und konnten unsere nassen und verschmutzten Kleider am Abend waschen und trocknen.

Nach einem guten Essen in einem Steakhouse gingen wir schlafen.😴

31. Mai 2018 – Tag 22 / Ein Zero-Tag in Gatlinburg, Tennessee

Nach der ersten Nacht in Gatlinburg im Motel 6 (Billigkette) standen wir auf und beschlossen, Frühstücken zu gehen. Bis zur Main Street mussten wir nicht lange gehen. Dort fanden wir dann schnell ein Restaurant, welches die klassischen reichlichen Frühstücksspeisen serviert. Nach dem gestrigen opulenten Abendessen war ich mit Pancakes mit frischen Beeren, einem Orangensaft und Kaffee mehr als bedient. Monk liess es sich zünftiger schmecken, mit Kartoffeln, Speck etc.

Aufgrund des vielen Regens in den drei vorhergehenden Tagen waren unsere Sachen immer noch nass. Monk bemerkte, dass er wegen seiner Füsse eigentlich gerne einen Ruhetag einlegen würde. Ich war ebenfalls für die Idee, sagte aber, dass ich dann gerne das Hotel wechseln würde, das Motel 6 war wirklich schon etwas heruntergewirtschaftet und z.B. der Fussboden (Bambus?) führte beim Barfuss gehen zu schwarzen Füssen 😝.

Wir schauten uns um und fragten zuerst im Hilton nach. Das Zimmer hätte uns dort volle US $ 175.– gekostet! Wir verzichteten und fanden praktisch daneben ein Motel, welches uns ein Zimmer für US $ 58 anbot. Die Geschäftsführerin erzählte uns, dass sie am nächsten Tag für immer schliessen würde, die Pacht sei einfach zu hoch. Wir schauten uns das Zimmer kurz an, es war super für den Preis und wir konnten es sofort beziehen😁.

Also zurück ins Motel 6, Sachen gepackt und gezügelt. Als wir am neuen Ort ankamen bemerkte ich, dass einer meiner Wanderschuhe fehlte😲. Also zurück und suchen….so macht man auch Meilen ausserhalb des Trails. Letztendlich lag der Schuh direkt beim Motel 6.

Anschliessend sahen wir uns etwas die Main Street an, welche sehr touristisch ausgelegt ist. Dort trafen wir auch auf bekannte Gesichter. Die drei Thru-Hiker NarNar, Mullet Mike und Breezy (Foto von links nach rechts) hatten ebenfalls eine Nacht in Gatlinburg geschlafen, wollten jetzt aber zurück auf den Trail.

Nach der Verabschiedung machten wir dann Autostopp, weil wir im 3 Meilen entfernten Foodmarket unsere Vorräte auffüllen wollten. Ein Handyman (Handwerker) nahm uns mit und meinte, dass er uns auch wieder zurückbringen könne, er müsse schnell etwas erledigen, sei aber in etwa 15 Minuten wieder da. Wieder mal ein Fall von Trail magic. Wir nahmen das Angebot dankend an, machten unsere Einkäufe im Schnelltempo und liessen uns wieder zurückfahren.

Nachdem wir die Lebensmittel ins Zimmer gebracht hatten, gingen wir in eine Pizzeria und teilten eine Pizza.

Am Nachmittag war dann nochmals das NOC Outdoorcenter auf dem Programm, ich wollte noch eine zweite Short kaufen. Monk kaufte sich einen neuen Rucksack, da er mit dem alten nicht mehr zufrieden war.

Anschliessend musste ich noch auf die Post, diese lag genau gegenüber dem Foodmarket!🙃 Wenn ich das früher gewusst hätte. Also nochmals Autostopp. Dafür fand ich dort dann auch einen Liquor-Store, um meinen Flachmann wieder mit Whisky zu füllen.

Auf dem Rückweg nahmen wir dann den Trolley (Ortsbus), für welchen man lediglich 50 Cents bezahlt. Unterwegs stieg Monk aus, er wollte sich die Haare schneiden lassen.

Hier ein paar Impressionen von Gatlinburg.

Bevor wir essen gingen, brachten wir noch einige Sachen, welche wir aus unserem Material aussortiert hatten, ins NOC Outdoorcenter für die dortige Hiker-Box. Eine Hiker-Box ist eine geniale Einrichtung, jeder Hiker kann Dinge (Ausrüstung, Kleidet, Esswaren), die er nicht mehr braucht, dort deponieren. Im Gegenzug darf sich jeder Hiker dort kostenlos bedienen. Solche Boxen gibt es z.B. auch in Hostels.

Zum Abendessen gab es nochmals ein wunderbares T-Bone-Steak in einem Grill-Restaurant in der Nähe des Motels, ein weiterer Thru-Hiker Eagle Eye leistete uns Gesellschaft.

1. Juni 2018 – Tag 23 / Die Smockies zeigen sich von der besten Seite

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h45, Newfound Gap, U.S. 441, Tenn. 71

Ankunft Ziel: 17h05, Tri-Corner Knob Shelter

Wetter: zuerst bewölkt, dann zunehmend sonnig und ENDLICH Aussicht

Zurückgelegte Meilen: 15.7 heute, 231.8 seit Anfang (373.0 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 5045′-6000′-5695′-5920′-5310′-5500′-5200′-6003′-5801′-6218′-5920′

Besonderes: Wunderbare Fernsicht

Ausblick vom Parkplatz bei Newfound Gap

Und hier die Tagesgeschichte.

Eagle Eye hatte uns beim gestrigen Abendessen von einem interessanten Angebot erzählte. Ein UBER-Fahrer würde für US $ 9.99 bis Newfound Gap fahren. Wir vereinbarten, dass er versuchen würde, ab 07h30 eine solche Fahrt zu vereinbaren.

Am Morgen nach dem Aufstehen erhielt Monk eine SMS, dass wir um 07h45 bereit stehen sollen, die Fahrt sei aber noch nicht vereinbart. Letztendlich klappte es aber nicht, sodass wir wieder einmal Autostopp machten.

Wir standen vor dem General Store als uns ein netter Typ ansprach und meinte, er könne uns bis zum Newfound Gap fahren, es würde aber eine Weile dauern, da er ein paar Fotostopps machen würde. Wir lehnten dankend ab, wir wollten ja bald auf den Trail und die 15 Meilen Fahrt bis zum Gap würde schon über eine halbe Stunde dauern. Er gab uns noch den Tipp, dass wir nach der nächsten Kreuzung warten sollten, da dort die Chancen besser seien.

Wir waren noch nicht lange am Warten, als ein Pickup hielt. Darin sass der Typ und ein zweiter Mann. Sie sagten uns, dass sie uns zuerst zum Gap fahren würden, SAGENHAFT. Wir sassen hinten auf und genossen die Fahrt zum Gap. Je länger wir fuhren, desto höher kamen wir und es wurde wieder merklich kühler. Oben angekommen war noch kurz Fototermin, dann verabschiedeten wir uns herzlich.

Beim Einstieg in den Trail wurde noch auf den A.T. hingewiesen und ein Schild zeigte die verbleibende Distanz bis zum Katahdin Mountain.

Der Anstieg zog sich schön dahin, im Führer sah das viel anstrengender aus als es dann war (rund 1000 Fuss in 2.5 Meilen). Während am Anfang noch stärkere Bewölkung herrschte, wurde es mit der Zeit schöner und sonniger. Aber vor allem hatten wir ENDLICH FERNSICHT.

Beim heutigen Teilstück war auch die Empfehlung im Führer für einen Abzweiger zum Charles Bunion auf 5500 Fuss Höhe. Es handelt sich hierbei um eine Felsnase, welche eine wunderbare Weitsicht ermöglicht. Monk und ich liessen es uns nicht nehmen, auf die Felsnase zu klettern und dort ein paar Minuten zu sitzen und die Szenerie zu geniessen.

Beim Abstieg zum Shelter sah ich noch eine Blume, welche ich noch nicht gesehen hatte.

Der Tri-Corner Knob Shelter dürfte vermutlich der höchstgelegene Shelter auf dem A.T. sein, er liegt auf 5920 Fuss Höhe (1804.4m ü.M.). Entsprechend frisch wurde es gegen Abend, sodass ich mich nach dem Essen bald in den Schlafsack verzog und noch am Blog schrieb.

2. Juni 2018 – Tag 24 / Der lange Weg nach unten

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h30, Tri-Corner Knob Shelter

Ankunft Ziel: 14h20, Davenport Gap Shelter

Wetter: volles Programm, Dunst, Nebel, Sonne, Regen, Gewitter.

Zurückgelegte Meilen: 14.6 heute, 246.4 seit Anfang (396.5 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 5920′-6360′-6150′-6395′-4645′-5150′-4242′-5000′-2600′

Besonderes: Die letzte Nacht in den Smockies

Blühende Rhododendron mit Humblebee

Und hier die Tagesgeschichte:

Unsere Bewilligung für die Smockies würde uns erlauben, 8 Tage/7 Nächte im Park zu verweilen. Wir hätten den Park schon heute nach dem 6. Tag verlassen können, wir sind nur noch 1.1 Meilen von der Parkgrenze entfernt. Unsere Planung sah aber vor, dass wir im Davenport Gap Shelter schlafen würden. Ein guter Entscheid, denn der Shelter ist als letzter noch so ausgestattet, wie die Shelters im Park früher waren. Die ganze Front ist massiv vergittert, dies zum Schutz vor Bären.

Leider wurde dies in der Vergangenheit durch unvernünftige Personen dazu benützt, die Bären mittels Speck anzulocken, welcher am Gitter befestigt war. Diese Bären wurden also an die Menschen gewöhnt respektive wussten, dass bei Menschen Essbares zu holen ist. Damit wurden sie zu Problembären und mussten oftmals getötet werden. Die Gitter wurden zwischenzeitlich alle entfernt, nur bei dieser Hütte stehen sie noch.

Wir hatten uns vorgenommen, 14.6 Meilen zu laufen. Weniger wäre nicht möglich gewesen, da der Shelter, welcher auf halber Wegstrecke liegt, wegen aggressiver Bären gesperrt war. Die heutige Etappe bedeutete einen massiven Abstieg von 3320 Fuss (über 1100 Höhenmeter).

Bereits um 07h30 liefen wir los. Ich fotografierte noch kurz Eagle Eye, welcher gerade sein Hammock (ist eine Hängematte mit Zeltdach) einpackte.

Zuerst ein kleinerer Anstieg, den wir im Dunst respektive Nebel zurücklegten. Die Smockies machten ihrem Namen wieder einmal alle Ehre.

Die ersten 5 Meilen hatten wir bereits nach 2 Stunden zurückgelegt, wir waren schnell unterwegs. Hier half natürlich, dass es heute mehrheitlich bergab ging.

Das Wetter zog noch einmal alle Register, es folgte zwischendurch ein Regenguss nsch Sonnenschein.

Um die Mittagszeit fanden wir einen guten Platz, um eine Pause mit Snacks einzulegen. Die Aussicht war wunderbar.

Der folgende Abstieg verlangte nochmals volle Konzentration, der Trail war extrem steinig.

Kurz nach 14h traf ich beim Shelter ein, dieser war noch leer. Ich spürte meine Knie sehr, der Abstieg war fordernd gewesen.

Nachdem Monk eingetroffen war, fing wieder ein heftiges Gewitter an.

Nach und nach trafen noch weitere Hiker ein, diese waren teilweise klitschnass.

Lucky boy, ein Pensionierter Marine, hatte etwa 3.5 Meilen von der Unterkunft entfernt das Glück, einer Bärenmutter mit ihrem Jungen zu begegnen. Hier ein Foto der Mutter:

Foto der Bärenmutter von Lucky boy aufgenommen

3. Juni 2018 – Tag 25 / Der richtige Umgang mit Bären

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h45, Davenport Gap Shelter

Ankunft Ziel: 17h20, Roaring Fork Shelter

Wetter: Sonnig und warm, gegen 16h30 aufziehendes Gewitter, aber dann nur kurz Regen

Zurückgelegte Meilen: 19.0 (sic!) heute, 265.4 seit Anfang (427 Kilometer)

Elevation (in Fuss) 2600′-1400′-4263′-2900′-3800′-3500′-4320′-4250′-4629′-3950′

Besonderes: Neuer Meilenrekord und schon 427 Kilometer in 20 Wandertagen.

Und hier die Tagesgeschichte:

Wie ich schon beschrieben habe, leben in den Smockies 400-600 Bären. Wir sprechen hier von Wildtieren, welche eigentlich möglichst wenig Kontakt mit den Menschen haben sollten. Dies ist sicherlich schwierig in einem Park, der Millionen von Besuchern pro Jahr hat. Das natürliche Verhalten eines Bären ist Flucht, wenn er auf einen Menschen trifft. Dies passierte ja auch bei mir vor ein paar Tagen.

Das oben abgebildete Plakat sah ich heute morgen beim Parkausgang, es machte mich sehr betroffen. Ein junger Bär musste eingeschläfert werden, weil er eine Frau in den Fuss gebissen hatte. Auslöser der Geschichte waren Essensreste, die jemand hatte liegen lassen. Dazu kam ein Frau, welche keine Ahnung hatte, wie mit einem Bären umzugehen ist. Wahrscheinlich hatte sie noch Freude daran, dass der Bär zu ihr kam und sie schoss ein Foto, bevor er zuschnappte. Auf dem Plakat wurde nun erklärt, wie man sich verhalten soll, wenn man unverhofft auf einen Bären trifft. Ich war froh für die Tipps, denn einiges wusste auch ich bis anhin noch nicht.

Wir starteten heute morgen um 07h45 bei Sonnenschein. Monk war schlecht drauf, da er wegen diverser Schnarcher im Shelter nicht gut geschlafen hatte.

Wir mussten nur noch 1.1 Meilen laufen bis zur Parkgrenze. Es ging ein paar Hundert Fuss abwärts. Der Trail war aufgrund der Regenfälle der letzten Tage teilweise immer noch schlammig. Monk erhielt ein paar SMS, sobald er ein Signal hatte. Ich lief alleine weiter und hatte schon bald einmal unfreundlichen Kontakt mit dem Boden 😉, da ich ausgerutscht war.

Praktisch die ganze Höhe, die wir gestern verloren hatten, musste heute wieder erklommen werden. Unterwegs sah ich immer wieder blühende Pflanzen, der Frühling ist seit unserem Start klar präsenter.

Einzig die wilden Rhododendron, welche jetzt schon blühen sollten, sind wegen des kalten Aprils verzögert. Ich bin sicher, dass wir sie später geniessen werden.

Erster Gipfel war der Snowbird Mountain, auf welchem eine Station der amerikanischen Flugsicherung steht (Gruss an Tamara😁).

Danach ging es wieder zünftig runter zum Deep Gap (Nomen est Omen).

Dort angekommen war Wasser auffüllen angesagt.

Nun folgte der nächste Anstieg Richtung Max Patch Summit.

Hier eine Impression vom Trail im Wald.

Der Max Patch Summit scheint ein beliebter Ort bei der Bevölkerung zu sein. Es führt eine Strasse hoch, welche kurz vor dem mit Gras bewachsenen Gipfel endet. Diverse Personen waren vom oder zum Parkplatz unterwegs. Ein paar junge Leute hatten ihre Zelte aufgestellt und versuchten im aufkommenden Gewitterwind Drachen aufsteigen zu lassen.

Das Panorama war eindrücklich, speziell auch mit der Gewitterstimmung.

Beim Abstieg Richtung Shelter fing der Regen an, dieser war jedoch nur leicht und hörte nach einer guten Stunde auf.

Auf dem Weg zum Shelter hatten die Rhododendron richtige Tunnels gebildet, diese waren wegen des Regens sehr dunkel und mit leichtem Dampf gefüllt. Eine mystische Stimmung war das.

Kurz vor dem Shelter sah ich noch einen Baum mit einer grösseren Anzahl von Baumpilzen, ein schönes Motiv.

Nach der Ankunft und Abendessen hiess es noch, die Wasservorräte aufzufüllen.

Der heutige Tag war ein richtiger Aufsteller. Ein neuer Tagesrekord bei prächtigem Wetter, was will man mehr😊.

Morgen werden wir nochmals um die 17.9 Meilen laufen, um am Abend nach Hot Springs zu gelangen. Dort gibt es sogar ein Spa, mein Rücken könnte eine Massage gebrauchen. Schaun wir mal…😎

Breaking News + + + 30.05.2018 / Schweizer im Alleingang ohne Sauerstoff auf dem Dach des Appalachian trails + + + Breaking News

Heute Mittwoch um 09h13 Schweizer Zeit hat der Extrem-Hiker Erwin Pike Freiburghaus aus Pratteln im Alleingang und ohne Sauerstoff den Gipfel des Clingmans Dome erklommen.

Nach wochenlanger Vorbereitung in diversen Basislagern hat er diese alpine Herausforderung gemeistert und das Dach des Appalachian trails mit einer Höhe von 6643 Fuss bestiegen.

Nach dem Aufstieg meinte er zu seiner Leistung: „Dies ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein gigantischer Sprung für mich“.

29. Mai 2019 – Tag 20 / Der Berg ruft…

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h40, Russell Field Shelter

Ankunft Ziel: 16h50, Double Spring Gap Shelter

Wetter: Dauerregen, Wege deshalb nur noch Sumpf

Zurückgelegte Meilen: 16.4 heute, 205.6 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 4360′-4328′-5527′-4920′-5215′-4435′-4880′-4840′-5240′-4817′-5607′-5430′-5550′-5507′

Besonderes: Wild-Truthahn und Deer gesichtet.

Auf dem Rocky top (5441 Fuss oder 1632.3m ü.M.)

Und hier die Tagesgeschichte:

Der heutige zweite Tag in den Smockies war zäh. Mit einem sehr kurzen Unterbruch hatten wir Dauerregen. Eine grosse Front als Vorläufer des tropischen Sturms bringt im Moment viel Regen und stürmischen Wind. Die Aussichten für die kommenden Tage sind nicht berauschend😐. Der Name Smockies kommt im Übrigen daher, dass aufgrund des vielen Regens, der hier jährlich fällt, oftmals die Sicht schlecht ist respektive Regenwolken wie Rauch die Berge verhüllt.

Wir starteten bereits um 07h40. Die Nacht war wegen des stürmischen Windes bei mir unruhig gewesen. Auch kam um 22h30 am Vorabend noch ein Hiker-Paar an. Diese waren zwar sehr rücksichtsvoll und ruhig, aber ich fragte mich dann lange, was sie mit ihrem Essen gemacht hatten. War dieses ev. im Shelter oder hatten sie es ordnungsgemäss versorgt?

Wir wussten aus dem Führer, dass wir heute einige hohe Gipfel passieren würden. Als Minimum-Tagesziel hatten wir den Derrick Knob Shelter nach 9 Meilen gesetzt. Im Nationalpark gilt die Regel, dass man im Shelter oder auf bezeichneten Zeltplätzen schlafen muss, wildes Campieren ist strikte verboten. Shelter haben immer den Vorrang. Die Thru-Hiker haben hier sogar gewisse Privilegien, aber auch Pflichten.

Aufgrund der Wettersituation war klat, dass ich die Regenjacke von Beginn tragen würde, nicht jedoch die Regenhose. Eines hatte ich aber nicht bedacht. Seit unserem Start auf dem Trail ist die Vegetation stark gewachsen. Im Moment steht das Gras schon sehr hoch. Bei Regen neigt sich das Gras stark Richtung Trail. Dies hat zwei eminente Nachteile. Erstens werden die Wanderstöcke permanent gebremst, der Krafteinsatz ist entsprechend höher. Zweitens wird konstant Wasser an den Socken und Schuhen abgestreift. Aus diesem waren meine Socken und Füsse nach einer gewissen Zeit triefend nass (trotz Goretex im Schuh). Das andere Paar Socken war von gestern noch feucht, aber ich musste trotzdem wechseln, weil ich sonst Blasen befürchtete. Apropos Blasen: Heute habe ich die 200 Meilen Marke überschritten ohne irgendwelche Blasen bisher. Danke an LOWA für die hochwertigen und bequemen Schuhe (nein, nicht gesponsort, sondern selber bezahlt).

Der Anstieg zu den Gipfeln ging über lange Zeit durch fast schon Regenwald. Es regnete konstant, alles war grün, überall tropfte es, die Luftfeuchtigkeit war enorm. Einzig die Temperatur stimmte nicht. In diesem Wald sah ich auch zun ersten Mal einen Wild-Truthahn. Leider war das Tier schnell im Unterholz verschwunden, sodass ich kein Foto machen konnte. Irgendwann veränderte sich die Vegetation aufgrund der Höhe merklich, viel mehr offene Grasflächen tauchten auf und es wurde felsig.

Beim ersten hohen Gipfel (Rocky top) machte eine Hikerin (Hubbles, eine 23-jährige Film- und Fernseh-Schauspielerin aus New York) ein Foto von mir (siehe oben).

Hier ein Video vom Gipfel:

Gemäss Führer gab es verschiedene Aussichtspunkte auf der Strecke. Heute war jedoch nichts, ABER AUCH GAR NICHTS zu sehen, eine dicke Regendecke verunmöglichte jede Sicht. Auch sonst war heute fototechnisch nichts zu holen.

Als wir beim Zielshelter angekommen waren, beschlossen wir, zum nächsten Shelter zu laufen (+5.7 Meilen) oder allfällig bis zu übernächsten (+7.4 Meilen).

Die Wege wurden aufgrund des Dauerregens immer schlechter psssierbar.

Ein Hiker, der mir entgegenkam, meinte auf meine Frage, wie es im laufe, nur: Muddy and tired (schlammig und müde). Eine doch ungewöhnlich ehrliche Antwort, weil sonst nämlich auf solche eine Frage aus Prinzip nur sehr positive Antworten kommen.

Der nächste Shelter war leer, aber auch teilweise unter Wasser und voll im Wind. Ein leichter Entscheid, weiter zu gehen und die letzten 1.7 Meilen zu machen. Diese hatten es aber nochmals in sich, der Weg war teilweise komplett unter Wasser, der Boden tief und morastig. Auf diesem Stück mussten meine letzten Snacks dran glauben, ich lief quasi auf Reserve. War aber irgendwie auch normal, ich lief bereits über 15 Meilen bei grossen Höhenunterschieden, war komplett nass und dreckig.

Ich kann mir so langsam vorstellem, wie es einem Thru-Hiker gehen muss, der tagelang im Nassen unterwegs ist, mangels Shelters (oder weil diese voll sind) Campieren muss, aber kein Geld, nur schon gelegentlich mal in einem Hostel zu schlafen, wo er für US $ 20-30 ein Bett und eine warme Dusche erhält und die Chance hat, seine Sachen zu Trocknen.

Endlich beim Shelter angekommen musste ich feststellen, dass dieser schon sehr gut gefüllt war, es hatte nur noch wenig freie Plätze. Aber wenigstens hatte jemand ein Feuer hinbekommen im Kamin (ein Luxus, die meisten Shelter haben nur offene Feuerstellen im Freien draussen, das macht im Dauerregen aber keinen Spass respektive ist nicht praktikabel). Alle versuchten, ihre Schuhe zu trocknen, ein Bild für Götter.

Der Rest der Bekleidung wird morgen immer noch feucht sein, bei diesen Temperaturen respektive der Luftfeuchtigkeit trocknet nichts.

Direkt hinter dem Shelter war ein Deer (Reh) am Äsen, welches sich durch Nichts (auch nicht durch mich😉) aus der Ruhe bringrn liess.

Das Essen (Idahoe Kartoffelstock aus dem Beutel mit einem Knoblauch Dip gepimpt schmeckte HERRLICH und wärmte von innen😋). Zum Abschluss gönnte ich mir (rein zur Prophylaxe 😉) einen Whisky. Da ich doch etwas kalt hatte, war ich bald im Schlafsack.

Wir sind jetzt noch 2.8 Meilen vom Clingmans Dome entfernt, dem höchsten Punkt auf dem gesamten A.T. Morgen früh werden wir ihn besteigen (6643 Fuss, 1992.9m ü.M.). 🤗😎👍💪