27. Mai 2018 – Tag 18 / Waschküche, Waschtag und Vorbereitung

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h50, Cable Gap Shelter

Ankunft Ziel: 15h00, Fontana Dam Shelter (auch bekannt als Fontana Hilton).

Wetter: Neblig, dann zunehmend sonnig, extrem feucht (Waschküche)

Zurückgelegte Meilen: 6.7 heute, 174.3 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 2880′-3450′-1170′-1775′

Besonderes: Kurze Strecke heute, morgen geht es in die Smockies, dann wird es richtig streng.

Hier die Tagesgeschichte:

Als wir am Morgen aufwachten, regnete es immer noch leicht. Interessant ist, dass wir gegen 6h morgens wach werden, dies ohne Wecker. Nach dem Frühstück und Zusammenpacken liefen wir um 07h50 los. Der Regen hatte aufgehört, sodass wir vorerst ohne Schutz losliefen.

Der Regen in der Nacht hatte dazu geführt, dass die Luftfeuchtigkeit enorm hoch war. Ich kam mir wie in einer Waschküche vor. Wir waren noch nicht lange marschiert und ich war klitschnass. Monk erging es nicht besser.

Wir hatten beide den Führer nicht im Detail studiert, wussten aber, dass wir heute keine sieben Meilen laufen mussten bis Fontana Dam. Monk meinte noch, dass es eh alles nur runtergehen würde. Denkste! Irgendwann im Anstieg sagte ich ihm, dass ich vielleicht rückwärts laufen sollte, um das Gefühl zu haben, dass ich abwärts gehe 😉.

Unterwegs sah ich eine kleine Kröte. Genau eine solche, nur grösser, hatte die Schlange gestern beim Shelter gefressen.

Nach einer Weile sah ich um einen Baum herum Pilze mit einem Durchmesser von etwa 50 Zentimer, einfach nur eindrücklich.

Auch entdeckten wir wiederum neue blühende Pflanzen, welche wir noch nicht gesehen hatten.

Wir wollten heute bewusst nur bis Fontana Dam gehen. Direkt danach beginnen die Smockies. Wir haben eine Bewilligung lösen müssen, dass wir die Smockies durchwandern dürfen. Diese Bewilligung ist 8 Tage gültig. Deshalb möchten wir den Einstieg am Morgen machen.

Fontana Dam ist mit 480 Fuss Höhe (= 144m) der höchste Staudamm in den östlichen USA. Das Fontana Village Resort liegt 2 Meilen vom Damm weg.

Dies war in früheren Zeiten ein richtiges Dorf, ein altes Gebäude ist noch erhalten.

Ich hatte im Führer gesehen, dass es im Resort eine Coin Laundry gibt, ein Münz-Waschsalon. Also schlug ich Monk vor, dass wir unsere Kleider waschen könnten, nötig hatten sie es 🤢 und Zeit hatten wir auch.

Wir trampten zum Village, machten uns schlau, wie die Maschine funktioniert ($ 2.50 für Waschen, gleicher Betrag für Trocknen, alles in 25 Cent Stücken), gingen Geld wechseln (welcher Hiker hat gerne Münz im Portemonnaie🤔) und warfen alle unsere Schmutzwäsche in die Maschine. Da niemand in der Laundry war, machte ich einen schnellen Strip mit Kleiderwechsel (NEIN, hierzu gibt es kein Foto) und konnte so auch die aktuellen Kleider waschen.

Nach der Wäsche gingen wir während des Trocknungsvorganges etwas in der Lodge essen, welche etwa 300m oberhalb liegt

Gesättigt und zufrieden holten wir unsere Wäsche. Nach einem Eis aus der Gelateria sprach ich eine Mutter mit zwei Töchtern mit einem grossen Pickup an, ob sie mich und Monk zurückfahren könnte. Sie war zuerst skeptisch, aber nachdem ich gesagt hatte, dass wir auf die Ladefläche klettern würden, war alles klar 😊. Wir wurden zum Ausgangspunkt zurückgefahren. Von dort liefen wir die letzte Meile zum Shelter.

Dieser Shelter ist wirklich einzigartig. Es hat 24 (sic!) Plätze, Duschen mit Warmwasser sowie Toiletten (getrennt für Frauen und Männer), eine USB- Ladestation mit Solarpanel sowie fliessend kaltes Trinkwasser. Dies alles kostenlos!🤗🤗

Nicht umsonst wird der Shelter Fontana Hilton genannt.

Nach dem grosszügigen Mittagessen konnten wir das Abendessen problemlos ausfallen lassen. Ein paar Snacks, dazu eine vertiefte Lektüre des Führers zwecks Vorbereitung unserer Woche in den Smockies, dass war’s dann für heute abend.

Ich versuche morgen früh, alle aktuellen Beiträge hochzuladen. Die Blog Beiträge aus den Smockies folgen vermutlich erst nach Abschluss der Woche.

26. Mai 2018 – Tag 17 / Wildlife on the trail

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 07h45, Sassafras Gap Shelter

Ankunft Ziel: 17h15, Cable Gap Shelter

Wetter: Neblig, dann zunehmend sonnig, sehr feucht, ca. 16h00 ein paar Tropfen Regen

Zurückgelegte Meilen: 15.2 heute, 167.6 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 4330′-5062′-3690′-3700′-3165′-3800′-3500′-3600′-2880′

Besonderes: 2 Std. off the Trail wegen Einkauf in Robbinsville. Die ersten beiden Schlangen gesichtet und fotografiert.

Und hier der Tagesbericht:

Das Schlafen im Shelter hat den grossen Vorteil, dass man das Zelt nicht auf- und am Morgen wieder abbauen muss. Ansonsten schläft man wie beim Campen auf der Luftmatratze im Schlafsack. Aber genau die Luftmatratzen haben es manchmal in sich. Letzte Nacht hatten wir ein Paar im Shelter, deren Luftmatratzen bei jeder Bewegung SEHR LAUT geknarrt haben. Der junge Mann hatte einen sehr unruhigen Schlaf, entsprechend kam auch ich nur zu relativ wenig Schlaf. Ich revanchierte mich, indem ich Punkt 6h den Gasbrenner anwarf und mein Frühstück zubereitete 😁👍.

Monk und ich hatten nach dem gestrigen Tag besprochen, dass wir heute wieder mehr Meilen zurücklegen wollen. Als Mindestziel legten wir Brown Fork Gap Shelter fest (9.1 Meilen), als zweite Option den Campground bei Cody Gap (11.9 Meilen). Um 07h45 marschierten wir bereits los.

Es herrschte eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, dies sicher auch wegen des Nebels. Entsprechend hingen die Äste tiefer, weil sie feucht waren. Beim Anstieg in kurzen Hosen und T-Shirt war ich sehr schnell nass, einerseits wegen des Schwitzens, andererseits wegen der nassen Äste. Auch waren die Felsen teilweise extrem rutschig, sowohl Monk wie auch ich rutschten mehr als einmal aus, dies trotz der Wanderstöcke.

Dafür sahen die bemoosten Äste der Bäume und Büsche teilweise sehr schön aus.

Unterwegs sahen wir immer wieder blühende Büsche in schönstem Orange.

Auch fiel uns eine kleine rote Blume, die auch Monk als ehemaliger Gärtner noch nie gesehen hatte.

Beim Anstieg trafen wir auf einen Auerhahn („Grouse“), es musste sich um ein Weibchen mit Nest handeln, denn der Vogel machte Lärm und beeindruckte uns mit gestelltem Gefieder. Sie versuchte uns von der Stelle wegzuführen, wo wir sie sahen. Leider konnte ich kein Foto machen.

Später musste ich mal austreten und traf im Unterholz auf einen brütenden Vogel. Ich schaute mir die Sache näher an und wurde mit guten Aufnahmen belohnt. Selbstverständlich habe ich die Jungvögel nicht berührt, die Mutter hat das Nest anschliessend wieder aufgesucht.

Kurz nach 10h konnte die Sonne erstmals den Nebel durchdringen, die Szenerie änderte sich schlagartig, die Farben wurden intensiver, die Kontraste stärker. Auch die Gerüche wurden dank der Sonnenstrahlen viel intensiver.

Kurz vor dem Stecoah Gap, an welchem der Highway 143 durchführt, schlug ich Monk vor, dass wir per Autostopp die 9 Meilen nach Robbinsville fahren könnten, um Re-Supply zu machen (bedeutet den Einkauf von allem, was man so braucht). Als wir um 11h10 beim Gap ankamen, hielt ohne unser Zutun ein grosser Geländewagen mit 4 Personen und der Fahrer fragte uns, ob jemand nach Robbinsville mitfahren wolle. Am Gap sass bereits ein anderer Hiker, der südwärts unterwegs war. Zu dritt stiegen wir ein, ich auf dem Rücksitz mit den dort sitzenden zwei Personen, die anderen beiden im Gepäckbereich. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer und seine Frau eine Meile des A.T. in Georgia unterhalten und deshalb die Hiker immer speziell unterstützen. Sie luden uns beim Foodmarket Ingles ab, wo wir unsere Einkäufe tätigen konnten.

Jeepumbau auf dem Ingles-Parkplatz

Abschliessend gingen wir noch kurz zu McDonalds, welcher gegenüber lag. Der andere Hiker, ein sympathischer junger Mann, hatte Monk erzählt, dass sein Trailname ebenfalls Monk sei und dass er sein Portemonnaie verloren habe. Monk nahm ihm die Geschichte ab und gab ihm am Ende sogar etwas Geld. Als wir beide per Autostopp zum Stecoah Gap zurückfuhren, kamen auch ihm die Zweifel. Vermutlich war der junge Mann ein Betrüger, der es gezielt auf hilfsbereite Hiker abgesehen hat. Genau nach zwei Stunden waren wir wieder auf dem Trail mit ein paar Pfund mehr auf den Rücken.

Keuchend ging es wieder mal bergauf. Weshalb muss Essen immer so schwer sein?🤔

Wir kamen beim Brown Fork Gap Shelter durch, beschlossen aber, weiterzulaufen. Auch beim Cody Gap waren wir noch so im Schuss, dass wir durchliefen.

Auch dem weiteren Weg lief ich voraus und musste abrupt anhalten. Eine etwa 1.2m lange schwarze Schlange lag halb auf dem Weg.

Da mein Handy keine Batterie mehr hatte, rief ich Monk zu, dass er langsam zu mir kommen soll. Die Schlange wartete brav, bis Monk das Foto schiessen konnte. Anschliessend verzog sie sich ins Gebüsch.

Um 17h15 trafen wir beim Shelter ein. Wir hatten Glück, es waren erst zwei der sechs Plätze belegt, andere Hiker wollten in ihren Zelten schlafen. Wir machten es uns bequem, assen zu Abend und hatten noch gute Gespräche. Etwa 20m vom Shelter entfernt sahen wir dann die zweite Schlange, welche gerade daran war, eine Kröte zu verschlucken.

Das Foto entstand, als die Kröte schon im Magen war, die Schlange war nicht gerade amüsiert über die Störung.

Unsere Entscheidung im Shelter zu schlafen war goldrichtig, in der Nacht fiel erneut heftiger Regen.

25. Mai 2018 – Tag 16 / A day full of fun

Das Wichtigste in Kürze:

09h30 Treffpunkt für das Guided Whitewater Rafting. Zurückgelegte Strecke auf dem Nantahala River: 8 Meilen in zwei Stunden.

Start: 13h25, NOC, Wesser N.C.

Ankunft Ziel: 17h25, Sassafras Gap Shelter

Wetter: Sonnig🌄, sehr warm, ab 17h00 leichter Regen

Zurückgelegte Meilen: 7.1 heute, 152.4 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 1723′-4720′-4330′

Besonderes: Das erste Mal im Leben geraftet 🤗.

Und hier die Tagesgeschichte:

Das gestrige Gewitter verbrachte ich beim Restaurant am Fluss, ich war dort, um meinen Blog zu schreiben (Gratis WiFi 😊). Das Restaurant war bereits geschlossen. Beim ersten schweren Donner ging prompt der Alarm los. Irgendwann tauchte dann ein Polizist auf, er wollte von mir lediglich wissen, ob ich den Alarm auch gehört hätte. Nach 90 Minuten Dauerregen entschied ich, dass ich trotz Regen wieder zur Unterkunft laufen würde, um auch noch ins Bett zu kommen.

Zum Glück konnten wir es heute etwas lockerer nehmen, wir mussten erst um 09h30 beim NOC sein für das Whitewater Rafting. Monk und ich waren uns einig, dass wir im River’s End Restaurant frühstücken würden. Um 08h00 waren wir dort und nahmen einen Tisch auf der Veranda direkt am Fluss. Als Special wurde auf der Karte die Fontana Hashbrowns angepriesen. Wir bestellten beide dasselbe.

An einem Hiking Tag verbrenne ich im Moment zwischen 3000 und 4000 Kalorien. Es ist schwierig, diese Menge wieder zuzuführen. Entsprechend wirkt sich das auf das Gewicht aus (für mich persönlich ein positiver Nebeneffekt 😉). Ein kalorienreiches Frühstück wie im Bild oben hilft hier sicher, auch wenn man das sonst auf dem Trail nicht bekommt respektive selber machen kann. Auch die Kohlehydrate sind sehr wichtig. Nur in diesem Fall war es dann doch übertrieben, sicher ein Kilo Kartoffeln pro Person ist zuviel. Entsprechend ging die Hälfte zurück in die Küche, was ich nicht gut finde (Food waste ist heute ein echtes Problem).

Um 09h30 waren wir beim Wassersportcenter und durften als erstes ein Formular (Waiver) unterschreiben, welches den Veranstalter so ziemlich von allem entlastet, was so passieren kann.

Monk, der in Colorado schon geraftet ist, sagte mir, dass er ein Wetsuit (Nassanzug) anziehen würde, da das Wasser sicher kalt sei. Als blutiger Anfänger fand ich, dass ich hier besser auf ihn höre. Also rein in den Neoprenanzug😁.

Sieht doch schon gut aus, oder? Nachher gab es noch Neoprenschuhe und nach dem Safetybriefing per Video eine Jacke sowie die Schwimmweste. Deren korrekter Sitz wurde übrigens peinlich genau kontrolliert 👍.

Man beachte, dass die Weste noch nicht korrekt geschlossen ist.

Nun ging es mit dem Bus rund 8 Meilen flussaufwärts zur Einwasserungsstelle.

Oben angekommen wurden die Schlauchboote abgeladen und die Teilnehmer aufgeteilt.

Wir hatten das Vergnügen, einen Guide zu haben, der dies jetzt bereits im 17. Jahr macht, im übrigen ein Bär von Mann (gross und über 300 Pfund schwer).

Die folgenden Bilder sprechen für sich:

Wunderschön war immer wieder der Gischtnebel, welcher über Fluss lag. Die zwei Stunden Fahrt haben unheimlich Spass gemacht, das mache ich wieder einmal 😎. Und der Guide war Hammer, er wusste unglaublich viel über den Fluss, die Pflanzen am Ufer und die Gegend und hat uns mit seinen Geschichten bestens unterhalten.

Nach der Rückkehr beschlossen Monk und ich noch etwas Kleines zu essen, bevor wir heute den gewaltigen Anstieg zum nächsten Shelter angehen würden.

Für mich gab es einen Taco Salat, ein All time favourite von mir.

Für alle, welche in Basel wohnen: Einen wunderbaren Taco Salat gibt es im Restaurant Aeschenplatz, den nehme ich IMMER, wenn ich dort bin 😋.

Auf unserem Weg zum Trail passierten wir den Dampfzug, welcher heute als Touristenattraktion unterwegs ist.

Nach vierstündigem (Sic!) Aufstieg, bei welchem wir auch schöne Lookouts passierten, kamen wir beim Shelter an.

Ein letzter Blick auf den Fluss

Dieser ist zweistöckig und fasst 14 Personen. Etliche Hiker hatten ihre Zelte gestellt, im Shelter schliefen letztendlich nur 6 Personen und ein wunderschöner Weimaraner Rüde.

Bei leichtem Regenfall beendete ich meinen heutigen Blog und versuchte, bald Schlaf zu finden.

25. Mai 2018 / Happy 10th birthday Nora and Tristan

Auch wenn ich auf dem Trail bin, meine Gedanken sind doch auch immer wieder in der 🇨🇭.

Heute werden mein Göttibueb Tristan und seine Zwillingsschwester Nora 10 Jahre alt, ich bin mächtig stolz auf die beiden Kinder meiner Schwester.

Liebe Nora, lieber Tristan

Ich wünsche euch alles Liebe und Gute für euer Leben. Ich denke an euch und freue mich auf ein Wiedersehen.

Götti Erwin Pike

24. Mai 2018 -Tag 15 / Lockerer Tag und erneute Planänderung

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 08h25, Cold Spring Shelter

Ankunft Ziel: 13h30, Nantahala Outdoor Centre, Wesser N.C.

Wetter: Sonnig🌄, warm

Zurückgelegte Meilen: 11.5 heute, 145.3 seit Anfang

Elevation (in Fuss) 4920′-5080′-3850′-4627′-4100′-4115′-1723′

Besonderes: Morgen vormittag gehen wir Wildwasser Raften, yesssss😎👍.

Und hier die Tagesgeschichte:

Die Mäuse im Shelter liessen mich nicht sehr tief schlafen, mehrmals hörte ich sie auch an meinem Rucksack, obwohl dort nichts Essbares drin war. Im Dunkeln jeweils ein Schlag an den Rucksack, dann war wieder Ruhe 😁.

Nach Frühstück und Zusammenpacken marschierte ich um 08h25 los, es schien bereits die Sonne. Monk war rund 15 Min. früher gestartet. Nach einem leichten Anstieg zum Cooper Ridge Bald Lookout auf rund 1500m ü.M. wurde ich mit einem wunderbaren Ausblick auf ein Nebelmeer belohnt.

Im weiteren Tagesverlauf folgten immer wieder Abschnitte, wo es im letzten Jahr Wildfires gegeben hatte. Dies ist immer speziell, weil dort auch keine Vögel zu hören sind.

Hier nochmals drei Aufnahmen vom Nebelmeer, etwas später aufgenommen, die Wolken lösen sich bereits auf.

Nebst den Wildblumen, welche blühen, hielt ich immer etwas Ausschau auf Pilze. Man weiss ja nie, ob man mal darauf angewiesen ist 😉. Diese zwei Prachtsexemplare standen direkt neben dem Trail, deshalb sind sie wohl eher nicht Speisepilze.

Auf dem Wesser Bald liefen wir lange dem Kamm entlang mit wunderbarer Aussicht.

Heute war ganz klar Trittsicherheit gefragt, wir bewegten uns teilweise im alpinen Bereich mit Kletterabschnitten. Aber es war einfach nur wunderbar, bei diesen äusseren Bedingungen unterwegs zu sein.

Hier Monk beim letzten grossen Aufstieg am Jump-up Lookout (1200m ü.M.).

Der Lookout verdient seinen Namen, eine wunderbare Fernsicht entlohnt für die Strapazen des Aufstiegs.

Beim nicht enden wollenden Abstieg Richtung Nantahala Outdoor Centre wechselten wir die Klimazone. Während oben die Rhododendren erst langsam ihre Blüte vorbereiten, ist weiter unten der Fortschritt feststellbar.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, im Nantahala Outdoor Centre (NOC) Re-Supply zu machen (ich brauchte Gas und Toilettenpapier, Monk einen neuen Wasserfilter und andere Dinge) und dann anschliessend nochmals 2.7 Meilen bis zur nächsten Campsite zu wandern. Dies auch deshalb, weil der Anstieg vom NOC bis zum nächsten grossen Berggipfel ansonsten gut 3300 Fuss ausmacht (fast 1000 Höhenmeter), dies auf nur 8 Meilen.

Als wir beim NOC ankamen, sahen wir gegenüber dem General Store ein nettes Restaurant mit Terrasse und Blick auf den Fluss. Wir entschieden spontan, etwas essen zu gehen.

Im Führer hatte ich gesehen, dass das NOC Wildwasser Rafting Fahrten anbietet. Ich habe so etwas bis heute noch nie gemacht, liebäugelte aber mit dem Gedanken. Als Monk dies hörte, schlug er vor, hier zu zelten und dann zu raften. Leider gab es keine Campsite, deshalb nahmen wir wieder zwei Kojenbetten im Hostel. Dies war übrigens eine Super-Entscheidung, kurz nach 20h begann nämlich ein Gewitter mit Blitz und Donner sowie Starkregen.

Auf dem Weg zum Hostel muss man ein Geleise überqueren, das Schild macht hier natürlich besonders Sinn.

Wir gehen also morgen um 09h30 raften, und dies ohne schlechtes Gewissen. Die vergangenen 11 Wandertage waren wir stets sehr fokussiert und schnell unterwegs, jetzt darf auch mal etwas Spass sein.

Ich freue mich auf morgen 🤗🤗🤗!

Nebenbei: Nur noch 30 Meilen bis zum Great Smoky Mountains National Park.

23. Mai 2018 – Tag 14 / The luckiest 13th day of hiking

Das Wichtigste in Kürze:

Start: 09h22, Winding Stair Gap

Ankunft Ziel: 17h48, Cold Spring Shelter

Wetter: Zuerst bevölkt und neblig, dann Sonnenschein

Zurückgelegte Meilen: 15.8 heute, 133.8 seit Anfang

Elevation (in Fuss, 1 Fuss = 30.48 cm) 3770′-4980′-4180′-5360′-5320′-5342′-4236′-4920′

Besonderes: Zu zweit im 6er Shelter. Cool!

Und hier die Story zum Tag:

Wir hatten im Gooder Grive Hostel übernachtet. Der Inhaber, Zen, sieht dem jungen Rocky Balboa ähnlich (Film „Rocky“ mit Sylvester Stallone). Typ: Eher relaxt mit psychodelischen Ansätzen. Dafür merkte man im Hostel, dass da einige Projekte anstanden, um das Hostel funktionsfähig zu halten.

Nach dem selber vor der Hintertüre gekochten Frühstück warteten wir darauf, wieder zum Winding Stair Gap gefahren zu werden. Mit uns wartete Philip (Trailname Tex), der Mann mit dem langen Messer, auf den Shuttledienst. Auf der Fahrt zum Trail fragte Zen Tex, was er beruflich gemacht habe. Dieser sagte, er hätte die letzten 10 Jahre ein eigenes Malergeschäft gehabt. Darauf bot ihm Zen an, ihn bei den Projekten im Hostel gegen Bezahlung zu unterstützen. Tex sagte, er hätte es nicht eilig mit dem Trail und nahm das Jobangebot an.

Somit stiegen beim Trail nur Monk und ich aus.

Wir hatten uns als Mindest-Tagesziel den Wayah Shelter ausgesucht, eine Distanz von 11 Meilen. Wie man dem Höhenprofil (Elevation) in der Kurzversion entnehmen kann, hatten wir in den ersten 4.2 Meilen wieder mal eine knackige Steigung zu erklimmen (rund 360 Höhenmeter).

Ich merke, dass mit jedem Tag auf dem Trail sowohl die physische wie auch die mentale Stärke zunimmt. Was am Anfang vielleicht noch grosse Mühe bereitet hat, geht jetzt viel leichter😊. Man schöpft aus den gemachten Erfahrungen👍.

Monk und ich nahmen diese Steigung in der Morgenfrische ohne Probleme.

Brücke mit Wasserfall kurz nach dem Einstieg bei Winding Stair Gap

Oben angekommen war Zeit für ein Foto vor einer uralten Eiche.

Im Laufe der weiteren Wanderung kamen wir wieder an einem wunderbaren Aussichtspunkt vorbei, dem Wayah Bald. Dies war der höchste Punkt unserer heutigen Wanderung (1608 m über Meer). Hier sahen wir auch, was Waldbrände für Auswirkungen haben können, eine riesige Bergflanke war vollkommen nackt. Auf der Bergkante konnte man sehen, wie die Feuerwehrleute mit einer Schneise das Feuer hatten stoppen können.

Auf dem Wayah Bald steht ein alter Feuerwacht-Turm, der zum John B. Byrne Gedächtnisturm umbenannt wurde. Der Turm erlaubt wunderbare Aussichten.

Auf dem Abstieg traf ich nochmals auf die bereits bekannten Wild-Orchideen, eine Fünfergruppe, welche ich fotografieren MUSSTE.

Nach einem letzten Anstieg durfte ich nochmals die Aussicht geniessen.

Beim Wayah Shelter kamen wir gegen 15h an, dieser war leer. Wir entschieden uns, noch weitere 4.8 Meilen zu laufen bis zum Cold Spring Shelter. Auf den letzten 3.5 Meilen nahm ich etwas Gas weg, ich fühlte mich ausgepowert. Eine kurze Rast, ein Energieriegel und etwas Wasser, dann ging es wieder.

Monk war knapp eine Viertelstunde vor mir am Ziel. Wir hatten den Luxus, dass der Shelter leer war, wir konnten uns also breit machen.

Foto by Monk

Vor dem Shelter war ein kleiner Tisch mit Sitzbänken, ideal, um zu kochen und zu essen. Direkt daneben die Quelle, besser geht’s nicht.

Wir hängten unsere noch feuchten Zelte zum Trocknen auf und assen dann unsere frisch zubereiteten Mahlzeiten.

Relativ bald ging Monk schlafen, ich haderte noch mit richtigen Platz für die Bärensäcke, der erste Baum war zu schwach gewesen und beugte sich, die Säcke hingen deshalb zu tief 🤔. Irgendwann hatte ich das Problem gelöst, schlüpfte in meinen Schlafsack und schrieb am Blog.

Ein nagendes Geräusch machte mich stutzig. Mit der Taschenlampe leuchtete ich den Shelter aus. Und siehe da: Eine Maus machte sich an den Snack-Taschen von Monk’s Rucksack zu schaffen. Sie hatte bereits ein Loch ins Netz der Tasche gefressen. Ich hängte seinen Rucksack an eine spezielle Leine, ich hoffe, jetzt ist Ruhe.

Gute Nacht😴

Especially for Halley:

I very much enjoy the hike with your father, although the guy has much longer legs than me 😉. We do well together, I hope we can continue for a while (till Maine?). Best regards,

Pike (Erwin)

21. Mai 2018 – Tag 12 / Verfressene Bären, Hagel und Bestleistung

Heute morgen war kurz nach 6 Uhr Tagwache für mich, ich hatte eh sehr schlecht geschlafen als Ölsardine. Monk war ebenfalls kurz darauf wach. Wir hatten in diesem Shelter gestern abend schräge Leute angetroffen. Ein relativ junger, Tabak kauender Mann, der der Tabak ständig ausspuckte und erzählte, dass er heute den Trail verlassen würde wegen anderweitiger Verpflichtungen. Eine junge Frau, welche von sich sagte, dass sie krank sei und ebenfalls morgen ginge. Welcher Art die Krankheit war blieb unklar, aber die Frau konnte trotzdem ständig barfuss auf dem kalten und nassen Waldbogen rumlaufen. Ihre Lieblingsbeschäftigung schien zu sein, die Anwesenden wortlos anzustarren, ihr eigenes Gesicht war bis auf die Augen hinter der Decke versteckt (erinnerte mich an die amerikanische Serie Tool time, dort war von einem Nachbarn auch immer nur der obere Teil des Gesichts zu sehen, weil er hinter einem Zaun stand). Am unheimlichsten war aber ein relativ kleiner, griesgrämiger Mann um die 50 in Tarnkleidung (die Jacke war viel zu gross), der ein riesiges Messer trug. Er sprach praktisch kein Wort, kaute und spuckte ebenfalls Tabak und stand am liebsten mit dem Rücken zu den Anwesenden. Monk nahm den Film „Deliverance“ in den Mund und machte sich am Morgen bald vom Acker, so suspekt war ihm die Geschichte.

Knapp vor 8h war auch ich auf dem Trail Richtung Southern Nantahala Wilderness.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, bis zum Carter Gap Shelter zu laufen (12.5 Meilen) mit der Option, bei guter Form noch 3.7 Meilen bis zum Betty Creek Gap anzuhängen. Am Morgen war der Himmel bevölkt und es war angenehm kühl. Monk und ich waren gut in Form, wir legten die ersten 4.9 Meilen bis zum Standing Indian Shelter in zwei Stunden zurück, dies trotz grösserer Steigungen, die wir nehmen mussten. Beim Trail lag dort ein zerrissener gelber Sack, den ich schnell als Bärensack identifiziert hatte. In der Nähe lag ein Zweiter. Eine Hikerin, die vom Shelter kam, klärte uns auf. In der Nacht hatte ein Bär etwa drei bis vier Bärensäcke runtergeholt, welche mit der alten Methode (Schnur um einen Baumstamm gewickelt) befestigt waren. Ranger Nick hatte uns bei der Einführung genau vor dem gewarnt und uns die PCT Methode gezeigt, bei welcher die Schnur frei hängt. Und interessanterweise konnte der Bär keine der Säcke mit der PCT Methode runterholen. Aber er hatte sicherlich auch so genug zum Fressen 😉. Die Hiker im Shelter haben das Ganze im übrigen voll mitbekommen😯.

Auf dem Trail wurde ich wieder von einer wilden Orchidee begrüsst, diese war in der schönsten Blüte.

Auf einmal war der gesamte Trail mit Blattwerk bedeckt, welches aber nicht mehr ganz war. Dies erstreckte sich sicherlich über eine Meile. Im Gegenzug waren die Bäume und Büsche ziemlich entlaubt. Wir wussten ja von gestern, wie ein starker Gewitterregen aussieht, aber dies hier? Und tatsächlich hatte hier ebenfalls gestern ein Hagelsturm gewütet mit Golfballgrossen Hagelkörnern. So gesehen hatten wir noch Glück gehabt.

Wir kamen um 14h beim Carter Gap Shelter an. Einerseits war es uns noch zu früh, um Quartier zu beziehen, andererseits fühlten wir uns noch fit. Also assen wir eine Kleinigkeit und zogen dann weiter.

Während der Hiker days waren Monk und ich an einem Vortrag über den American Chestnut Tree. Es handelt sich um die Edelkastanie, welche im Jahr 1908 im New Yorker Stadtteil Bronx im Zoo mit einem aus Asien eingeschleppten Pilz angesteckt wurde. Die Pilzinfektion breitete sich immer mehr aus, bis Ende der fünfziger Jahre starben in den USA geschätzt 4 Milliarden (sic!) Bäume. Es wird nun mittels Biotechnologie versucht, Pilzresistente Bäume zu züchten, um den Baum wieder grossflächig anzusiedeln. Am Vortrag wurde darauf hingewiesen, dass einzelne Bäume überlebt hätten und es wurde um Mithilfe gebeten, solche Bäume zu melden. Gross war meine Überraschung, als ich auf dem Hike in einem im letzten Jahr abgebrannten Stück drei Bäume entdeckte, von denen einer in diesem Jahr sogar Früchte getragen hatte.

Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich gebessert, die Sonne schien und es war wärmer geworden.

Wir wanderten weiter auf dem abgebrannten Stück und kamen auf dem Ridgepole Mountain zu einem wunderbaren Aussichtspunkt.

Ab hier ging es nur noch abwärts bis zum Betty Creek Gap. Unterwegs sah ich noch diesen grossen Baumpilz.

Interessant war auch zu beobachten, wie die abgebrannten Bäume und Büsche schon wieder austrieben. Die Natur ist ein Wunder.

Um 16h15 trafen wir am Ziel ein und schlugen als erstes unsere Zelte auf. Im Sonnenschein hängten wir noch Sachen auf, welche vom Vortag oder der Nacht feucht waren.

Nach dem Abendessen zogen wir uns zur Nachtruhe zurück.

Zurückgelegte Meilen: 16.2 heute (Bestleistung), total 105.8 (inkl. A.T. Approach von 8.8 Meilen). Morgen werden wir nach drei Meilen die offiziellen 100 A.T. Meilen haben.🤗🤗🤗

20. Mai 2018 – Tag 11 / Time to say goodbye

Von links nach rechts: Monk, Gizmo, Jennifer (richtiger Name), Kimi (richtiger Name), Pike

Heute morgen war ein trauriger Moment. Wir wussten, dass Gizmo uns nicht weiter begleiten würde, er muss zuerst die medizinische Abklärung seines Knieproblems abwarten.

Nach dem Frühstück, welches vielseitig und gut war, fuhr uns Gizmo noch zum Punkt, wo wir am vergangenen Mittwoch den Trail verlassen hatten. Die Fahrt war speziell schön, aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit hing ein Nebel zwischen den Büschen und Stämmen, der im Morgenlicht milchig weiss erschien.

Nach einem herzlichen Abschied und einem letzten Gruppenfoto, welches ein anderer Hiker für mich aufnahm, stiegen wir Punkt 9h am Dicks Creek Gap in den Trail ein.

Zwei Gedanken gingen mir durch den Kopf. Einerseits echte Freude, nach drei Tagen Nichtstun wieder auf dem Trail zu sein. Andererseits eine gewisse Unsicherheit, wie sich diese Pause ausgewirkt hatte.

Wie schon gewohnt ging es gleich aufwärts. Es war alles feucht, die warme Luft erinnerte mich stark an eine Waschküche. Bald kam ein Hinweis, dass wir uns in der Southern Nantahala Wilderness befinden würden.

Das heutige Tagesziel war, mindestens bis zur Staatsgrenze Georgia/North Carolina zu wandern (8.9 Meilen), bei gutem Vorwärtskommen bis zum Muskrat Creek Shelter (11.8 Meilen). Wir hatten am Morgen im TV die Wetterprognosen gehört, diese verhiessen ab 14h lokale Gewitter und Platzregen. Wir wussten also, dass wir uns eher beeilen mussten, wollten wir nicht stundenlang nass rumlaufen. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, mit offenen Augen rumzulaufen und auch links und rechts vom Trail zu schauen. So entdeckte ich die Orchideen, welche fast schon verblüht waren.

Monk hatte an den Trail days ein paar Hiker Boots zu einem Schnäppchenpreis gekauft, nachdem er zu Beginn des Trails in Sandalen und dann in Turnschuhen unterwegs war. Die heutigen Trailschuhe müssen anscheinend nicht mehr eingelaufen werden, Monk konnte dies nur bestätigen, er lief wie eine Eins😁.

Ein erstes Highlight war erreicht. Wir passierten die Staatsgrenze.

Damit ist der erste von 14 Bundesstaaten abgehakt, YIPPIEH🤠.

Es war noch lange nicht 14h, als wir ziemlich nahe Gewittergrollen hörten. Auch die Temperatur war merklich gefallen. Als wir kurz darauf an einem Bach Wasser holten, frischte der Wind stark auf und die ersten Tropfen fielen. Schnell den Regenschutz über den Rucksack gezogen und die Regenjacke montiert, dann ging es weiter. Nicht lange, und das Gewitter ging direkt über uns los. Wir waren mitten in einem steilen Anstieg, kein Platz in Sicht, um sich unterzustellen. Also einfach weitermarschieren und den prasselnden Gewitterregen ignorieren.😎

Nach etwa einer halben Stunde hörte der Regen wieder auf und wir konnten dann auch die Regenausrüstung wieder ablegen.

Kurz vor halb vier kamen Monk und ich beim Muskrat Creek Shelter an. Dieser ist für max. 8 Personen angelegt, 3 waren schon da. Monk und ich diskutierten kurz, ob wir noch 4.9 Meilen bis zum nächsten Shelter gehen sollten, aber entschieden uns dann doch dagegen. Schliesslich war es ja der erste Tag nach der Pause. Also beanspruchten wir zwei Plätze im Shelter, was uns das Aufstellen der Zelte im nassen Wald ersparte.

Im Laufe der nächsten zwei Stunden trafen noch weitere Hiker ein, diese mussten dann auf ihre Zelte ausweichen, nachdem der Shelter voll war. Um 17h40 traf dann auch noch Jennifer ein. Kimi war kurz so gegen 16h vorbeigekommen, wollte aber noch zum nächsten Shelter. Damit werden wir Kimi wohl nicht mehr sehen, another goodbye.

Zum Abendessen machte ich mir Grüntee, dazu Spaghetti Carbonara aus dem Beutel (Trockengericht), diesen hatte ich noch aus der Schweiz mitgebracht. War echt lecker. Danach machte ich mir noch einen feinen Cappuccino, danke Tanja 😘.

Wir liegen nun gepackt wie Sardinen im Shelter. Wenn ich bedenke, dass ich erst eine Nacht in einem Shelter verbracht habe, wo wir erst noch nur zu dritt waren, dann wird das eine interessante Nacht.

Zurückgelegte Meilen: 11.8 heute, total 89.6.

Wenn alles rund läuft, werden wir morgen abend die ersten 100 Meilen zurückgelegt haben 🤗.

Muskrat Creek Shelter

22. Mai 2018 – Tag 13 / 100 Meilen geschafft

Wir schliefen im Zelt auf zwei kleinen, ausgeebneten Terrassen mitten in den Büschen bei Betty Creek Gap. Ich hatte mir gestern noch ganz kurz überlegt, ob ich ohne Aussenzelt schlafen soll. Das wäre aber schön in die Hose gegangen. Gegen 4h in der Früh begann es zu regnen. Eigentlich kein Wunder, wir schliefen ja auch nur eine Meile von Mooney Gap entfernt. Mooney Gap wurde identifiziert als einer der nässesten Plätze in den östlichen USA mit einer geschätzten jährlichen Niederschlagsmenge von 93.5 inches (d.h. etwa 2.34 Meter!).

Ich lag im Zelt und spürte Kopfschmerzen, vermutlich ausgelöst von einer Verspannung im Nacken. Ich drehte mich aber nochmals und nahm noch eine Runde Schlaf. Um 6h war dann aber Tagwache. Petrus hatte ein Einsehen und stoppte den Regen vorher. Schnell die beiden Bear bags runtergeholt und dann hiess es Frühstücken. Bei mir gab es Haferflocken mit getrockneten Früchten mit – oh Luxus – fettreduzierter Milch, welche ich noch von den Hiker days übrig hatte. Dazu eine grosse Portion Grüntee 😁.

Anschliessend hiess es zusammenpacken. Ich tue mich immer noch schwer, ein nasses Zelt einzupacken. Aber ich mache Fortschritte 👍. Monk marschierte etwa 08h15 los, ich brauchte 15 Min. länger. Ein kleines Eichhörnchen leistete mir Gesellschaft, oder vielmehr hatte es auf meinen Abfallsack abgesehen, welchen ich noch nicht eingepackt hatte.

Um 08h30 war auch ich auf dem Trail. Gerade vor mir war eine Studentenklasse von der Universität von Georgia gestartet, welche etwa 500m von uns entfernt gezeltet hatte (gute Distanz…., so von wegen Nachtlärm😉). Unglaublich, ein Ruf von der hintersten Läuferin und alle machten artig Platz. Habe mich natürlich herzlich bedankt.

Und wieder mal ging es von Anfang an zünftig den Berg hoch. Wir hatten 950 Fuss zu erklimmen, um auf den Albert Mountain zu gelangen, auf welchem der Firetower die offizielle 100 Meilen Marke ausmacht. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man ausgeruht und verpflegt oder müde vom Tag so eine Steigung nehmen muss. Heute lief es deshalb ausnehmend gut. Ich kam an einer zweiten Gruppe Studenten vorbei, welche aber noch bei ihren Zelten waren.

Irgendwann überholte ich Monk. Und dann erneut Trail Magic. Mitten im Wald tauchte eine Lichtung mit einer Waldstrasse auf, auf welcher mehrere Fahrzeuge standen, angeschrieben mit „University of Georgia“. Ein Mann stand daneben und grüsste fröhlich. Ich fragte ihn, was er hier so mache. Er erklärte mit, dass er und ein Kollege auf eine Gruppe warten würden, bei welcher jemand krank sei. Insgesamt seien etwa 50 Personen in 6 Gruppen à je etwa 8 Personen unterwegs, wovon 2 Leiter waren. Er fragte mich, ob ich irgendetwas benötigen würde, Gas oder anderes. Ich sagte ihm, dass wir bei den Snacks out seien, aber sowieso am Abend in Franklin im Hostel schlafen würden, da wir Lebensmittel einkaufen müssten. Er zauberte einen grossen Beutel mit Schokoriegeln etc. hervor. Monk, der dazu gestossen war und ich durften uns reichlich bedienen. Am Schluss erhielten wir sogar noch ein Honey Bun, ein süsses Gebäck. Lecker 😋. Mit einem herzlichen Dankeschön verabschiedeten wir uns.

Das letzte Stück zum Firetower war nicht mehr Wandern, sondern Klettern in überhängenden Felswändern (okay, ist jetzt ein bisschen übertrieben, aber es war schon chogge steil). Ich war dankbar, dass wir beide heil ankamen.

Monk erhielt einen Anruf von seiner Freundin und war so vertieft im Gespräch, dass er glatt am Firetower vorbeilief. Ich liess es mir nicht nehmen, Fotos zu schiessen und ich erkletterte sogar den Turm, leider war die Plattform dann aber verriegelt. Ich hätte aber eh nichts gesehen, es herrschte schlechte Sicht aufgrund des Regens.

Weiter ging der Trail runter und wieder hoch, gefolgt von der nächsten Senke und dem nächsten Anstieg. Heute herrschte schon fast Hochbetrieb auf dem Trail, mehrmals kamen mir Hiker entgegen und zweimal begegnete ich Seniorengruppen, welche wohl eher eine Exkursion machten.

Und wieder mal ein Selfie von unterwegs….der Bart spriesst…..noch 😎

Unterwegs sah ich noch zwei schöne Fotomotiv. Orange ist In auf dem Trail👍.

Gegen 13h hörte ich Donnergrollen, ganz leichter Regen setzte ein, doch dieses Mal zog das Gewitter an uns vorbei.

Nach gut 5 1/2 Stunden hatten Pike und ich um 14h05 Winding Stair Gap erreicht.

Wir hatten Glück und konnten mit einem Begleitfahrzeug von Mähtraktoren, welche den Highway-Mittelstreifen und Rand 6x im Jahr mähen, ein Stück Richtung Franklin in North Carolina mitfahren.

Anschliessend standen wir am Highway 64 und machten Autostopp.

Nicht lange und eine Frau einer neben dem Highway gelegenen Kirche nahm uns mit. Nach einer kurzen Mittagspause in einem netten Restaurant liefen wir zum Gooder Grove Hostel. Endlich Duschen, Kleider waschen (lassen) und dann noch das:

War am Ende wohl etwas unvorsichtig mit dem Billigrasierer, siehe meine Oberlippe 🤕.

Anschliessend wurden wir zu Walmart gefahren, um unsere Vorräte aufzufüllen. Für das Abendessen leisteten wir uns ein Sandwich (Monk) resp. ein Wrap (ich) von Subway, welche wir im Hostel assen.

Unglaublich: Die kranke junge Frau aus dem Shelter von vor zwei Tagen hat heute im Hostel angefangen zu arbeiten. Sie heisst Ciera, stammt aus Providence in Rhode Island und arbeitet jetzt, bis sie das Busticket für die Heimreise bezahlen kann. Und auch unser Mann mit dem langen Messer hat heute abend hier eingecheckt, er heisst Philip und stammt aus Houston/Texas. Sachen gibt’s….

Zurückgelegte Meilen: 12.2 heute, total 118.0 (inkl. A.T. Approach von 8.8 Meilen).

Das Leben auf dem Trail (Teil 1) / Hygiene

Es gibt Morgen- und Abendduscher (sowie „Warmduscher“, aber das ist ein anderes Thema….😉). Dazu noch jene, welche anstelle einer Dusche immer ein Bad nehmen oder sich nur waschen. Ich bin ein Morgenduscher, dazu stehe ich. Und ja nicht kalt, das hasse ich.

Wie einfach ist es doch, am Morgen aufzustehen, in die Duschtasse oder Badewanne zu steigen und die Warm- und Kaltwasserregler nach Bedarf und Vorliebe einzustellen.

Mit diesem Background stieg ich in den A.T. ein. Die ersten beiden Nächte in den USA schlief ich ja noch im Barefoot Hills Hotel in Dahlonega. Die amerikanischen Duschen haben in der Regel keine Handbrause und keinen Schlauch. Der Warm- und Kaltwasserregler ist normalerweise ein einzelner Drehregler. Das heisst, man muss zuerst einen kalten Strahl aushalten, bevor dann irgendwann (hoffentlich) das warme Wasser kommt. Natürlich gibt es Techniken, wie man dem kalten Wasser ausweichen kann, dies ist dann aber schon Körperbeherrschung der höheren Art 😉.

Ganz anders präsentiert sich die Situation auf dem A.T.

Das erste Wort, dass man aus seinem täglichen Repertoire streichen muss ist das Wort DUSCHE. Das nächste ist Toilette mit WASSERSPÜLUNG. Auch WASCHBECKEN gibt es nicht, geschweige denn WASSERHAHNEN. WARMES Wasser gibt es nur, wenn man es selber aufheizt.

Diese Verhältnisse sind natürlich gewöhnungsbedürftig. Nicht jeder Hiker geht gleich sorgfältig mit den herrschenden Bedingungen um. Deshalb kommt es auch regelmässig zu Ausbrüchen von Norovirus in Hostels und anderen Plätzen, wo sich viele Hiker aufhalten. Eine Grundregel, welche nicht nur für das Trail-Leben gilt, ist natürlich das regelmässige Waschen von Händen, speziell nach dem Besuch der Toilette. Auf dem Trail wird dies schon schwieriger. Deshalb geben sich Hiker in der Regel nicht die Hand, sondern machen eine fist bump oder elbow bump, d.h. sie berühren sich zur Begrüssung nur mit der geschlossenen Faust oder dem Ellbogen. Damit ist die Möglichkeit einer Keimübertragung schon wesentlich kleiner.

Hier nun ein paar Informationen, wie ich das Thema Hygiene auf dem Trail angehe, wenn ich im Zelt oder Shelter schlafe.

Körperpflege:

Man bedenke, dass jeder Tropfen Wasser organisiert werden muss, d.h. Wassersuche, Filtrierung und Lagerung sind ein zentrales Thema. Sofern man mit dem offiziellen Führer oder einer App arbeitet, weiss man, wo Wasser auffindbar ist. Bei den Shelters ist in der Regel Wasser vorhanden. Dieses Wasser muss nun reichen zum Trinken, Kochen und für die Körperpflege. Dies bedeutet in der Regel, dass lediglich die Zähne geputzt werden. Den Staub des Trails an den Beinen reinigt man in der Regel mit Feuchttüchlein, welche man eh dabei hat. Richtig waschen (mit biologisch abbaubarer Seife) kann man sich in der Regel nicht, da zuwenig Wasser vorhanden ist. Man wartet also, bis man das nächste Mal in einem Hostel übernachten kann, um richtig zu duschen. Für viele Hiker mit kleinem Budget sind sogar die Hostels zu teuer, sie müssen sich Alternativen suchen, um wieder mal zu duschen. Zum Abtrocknen empfielt sich ein grösseres Microfasertuch.

Toilette:

Wenn man in oder bei einem Shelter übernachtet, hat es in der Regel ein Privy, d.h. eine offene Latrine. Das Toilettenpapier hat man selber dabei. In den meisten Privys sind Feuchttüchlein nicht erlaubt, da diese den biologischen Abbauprozess stören. Natürlich darf man sie trotzdem verwenden, man muss sie lediglich nach Gebrauch mitnehmen 😝. Deshalb immer ein Zip Lock Bag mitnehmen! Wo kein Privy vorhanden ist, muss bei grösseren Geschäften ein etwa 15 cm tiefes Loch geschaufelt werden, um alles sauber unter die Erde zu bringen. Eine kleine Handschaufel aus Plastik gehört deshalb zur Standardausrüstung. Ich empfehle, ein Feuchttüchlein auch zur Reinigung der Hände zu verwenden.

Küche:

Da das Wasser für Essen und heisse Getränke abgekocht wird, spielt es nicht so eine Rolle, ob das Kochgeschirr nach dem letzten Gebrauch 100 % sauber war. Beim Besteck muss schon eher aufgepasst werden. Aber eben, Wasser ist eher limitiert vorhanden. Das Essen wird direkt aus dem Kochgeschirr gegessen, es braucht also nicht noch einen Teller. Auch Tee oder Kaffee trinkt man meistens aus dem Kochgeschirr. Für die Reinigung des Geschirrs empfiehlt sich ein Microfaser Tuch.

Schlafen/Zelt:

Speziell bei nassem Wetter wird es schwierig, das Zelt sauber zu halten. Man bedenke, dass das Zelt jede Nacht neu aufgebaut wird. Zum Schlafen im Schlafsack wird empfohlen, einen Innenschlafsack zu verwenden, dieser lässt sich problemloser reinigen als der eigentliche Schlafsack. Es wird empfohlen, die Schlafwäsche separiert zu halten, d.h. man kommt aus den schmutzigen Hiking Klamotten raus und schläft in sauberen Sachen.

Wasser:

Dieses soll IMMER gefiltert werden und allfällig sogar chemisch oder mit UV-Licht behandelt werden. Das Trinken direkt aus Gewässern birgt das Risiko, dass man Bakterien oder sogar Viren trinkt und davon krank wird. Rein als Hinweis: Die heutigen Filter sind hocheffizient und schnell bei teilweise sehr kleinem Gewicht. Als kein Grund, ohne Filter auf den Trail zu gehen.

Kleiderwechsel:

Kleider sind Gewicht. Weniger ist deshalb mehr. Ich habe beste Erfahrung mit Unterwäsche, Socken und T-Shirts aus Merino-Wolle gemacht. Diese sind in der Anschaffung zwar teuer, aber sie trocknen rasch und absorbieren auch Körpergeruch. Man wechselt die Wäsche NICHT jeden Tag, auch nicht jeden Zweiten, denn aus Gewichtsgründen hat man wenig Wäsche dabei. Ich bin ein starker Schwitzer, aber hatte noch kein wirkliches Problem mit Körpergeruch. Dies wäre bei mir vollkommen anders mit synthetischer Wäsche. Wichtig: Möglichst KEIN DEO verwenden, auch wenn das ungewohnt sein dürfte. Bei vielen Hostels gibt es übrigens heute die Möglichkeit, die Wäsche waschen und gleich trocknen zu lassen.

Lebensmittel:

Hiker haben in der Regel einen wasserfesten Beutel, in welchem alle Lebensmittel gelagert werden. Die Hauptmahlzeiten sind meistens Fertigmenüs, denen das Wasser entzogen wurde. Alles andere fliegt lose durch den Beutel. Es empfiehlt sich, immer ein paar Zip Lock Beutel auf Reserve zu halten, um artgleiche Lebensmittel zu gruppieren.

Wunden:

Da man eigentlich konstant Schmutz ausgesetzt ist, müssen auch kleinere Wunden (dazu gehören offene Blattern) stets sauber gereinigt und desinfiziert werden. Entsprechend soll die Notfallapotheke bestückt sein.

Insektenstiche:

Mücken und andere stechende Insekten (z.B. Sandflöhe) sind ein echtes Problem, dito Zecken. Letztgenannte sind für viele Fälle von Borreliose (Lyme disease) verantwortlich. Es ist deshalb eminent wichtig, dass der Körper täglich auf Zecken abgesucht wird, damit diese umgehend, jedoch spätestens 24 Stunden nach dem Biss entfernt werden. Im Fall eines Bisses muss die Bissstelle in den nächsten zwei Wochen beobachtet werden, ob sich etwas verändert, dies ist jedoch nicht anders als bei uns. Nebst Insektenmittel und Zeckenzange sollte ein Anti-Histamin dabei sein und ein Mittel gegen Juckreiz, der einen sonst wahnsinnig machen kann und dazu führt, dass man sich blutig kratzt –> siehe Wunden