Es gibt Morgen- und Abendduscher (sowie „Warmduscher“, aber das ist ein anderes Thema….😉). Dazu noch jene, welche anstelle einer Dusche immer ein Bad nehmen oder sich nur waschen. Ich bin ein Morgenduscher, dazu stehe ich. Und ja nicht kalt, das hasse ich.
Wie einfach ist es doch, am Morgen aufzustehen, in die Duschtasse oder Badewanne zu steigen und die Warm- und Kaltwasserregler nach Bedarf und Vorliebe einzustellen.
Mit diesem Background stieg ich in den A.T. ein. Die ersten beiden Nächte in den USA schlief ich ja noch im Barefoot Hills Hotel in Dahlonega. Die amerikanischen Duschen haben in der Regel keine Handbrause und keinen Schlauch. Der Warm- und Kaltwasserregler ist normalerweise ein einzelner Drehregler. Das heisst, man muss zuerst einen kalten Strahl aushalten, bevor dann irgendwann (hoffentlich) das warme Wasser kommt. Natürlich gibt es Techniken, wie man dem kalten Wasser ausweichen kann, dies ist dann aber schon Körperbeherrschung der höheren Art 😉.
Ganz anders präsentiert sich die Situation auf dem A.T.
Das erste Wort, dass man aus seinem täglichen Repertoire streichen muss ist das Wort DUSCHE. Das nächste ist Toilette mit WASSERSPÜLUNG. Auch WASCHBECKEN gibt es nicht, geschweige denn WASSERHAHNEN. WARMES Wasser gibt es nur, wenn man es selber aufheizt.
Diese Verhältnisse sind natürlich gewöhnungsbedürftig. Nicht jeder Hiker geht gleich sorgfältig mit den herrschenden Bedingungen um. Deshalb kommt es auch regelmässig zu Ausbrüchen von Norovirus in Hostels und anderen Plätzen, wo sich viele Hiker aufhalten. Eine Grundregel, welche nicht nur für das Trail-Leben gilt, ist natürlich das regelmässige Waschen von Händen, speziell nach dem Besuch der Toilette. Auf dem Trail wird dies schon schwieriger. Deshalb geben sich Hiker in der Regel nicht die Hand, sondern machen eine fist bump oder elbow bump, d.h. sie berühren sich zur Begrüssung nur mit der geschlossenen Faust oder dem Ellbogen. Damit ist die Möglichkeit einer Keimübertragung schon wesentlich kleiner.
Hier nun ein paar Informationen, wie ich das Thema Hygiene auf dem Trail angehe, wenn ich im Zelt oder Shelter schlafe.
Körperpflege:
Man bedenke, dass jeder Tropfen Wasser organisiert werden muss, d.h. Wassersuche, Filtrierung und Lagerung sind ein zentrales Thema. Sofern man mit dem offiziellen Führer oder einer App arbeitet, weiss man, wo Wasser auffindbar ist. Bei den Shelters ist in der Regel Wasser vorhanden. Dieses Wasser muss nun reichen zum Trinken, Kochen und für die Körperpflege. Dies bedeutet in der Regel, dass lediglich die Zähne geputzt werden. Den Staub des Trails an den Beinen reinigt man in der Regel mit Feuchttüchlein, welche man eh dabei hat. Richtig waschen (mit biologisch abbaubarer Seife) kann man sich in der Regel nicht, da zuwenig Wasser vorhanden ist. Man wartet also, bis man das nächste Mal in einem Hostel übernachten kann, um richtig zu duschen. Für viele Hiker mit kleinem Budget sind sogar die Hostels zu teuer, sie müssen sich Alternativen suchen, um wieder mal zu duschen. Zum Abtrocknen empfielt sich ein grösseres Microfasertuch.
Toilette:
Wenn man in oder bei einem Shelter übernachtet, hat es in der Regel ein Privy, d.h. eine offene Latrine. Das Toilettenpapier hat man selber dabei. In den meisten Privys sind Feuchttüchlein nicht erlaubt, da diese den biologischen Abbauprozess stören. Natürlich darf man sie trotzdem verwenden, man muss sie lediglich nach Gebrauch mitnehmen 😝. Deshalb immer ein Zip Lock Bag mitnehmen! Wo kein Privy vorhanden ist, muss bei grösseren Geschäften ein etwa 15 cm tiefes Loch geschaufelt werden, um alles sauber unter die Erde zu bringen. Eine kleine Handschaufel aus Plastik gehört deshalb zur Standardausrüstung. Ich empfehle, ein Feuchttüchlein auch zur Reinigung der Hände zu verwenden.
Küche:
Da das Wasser für Essen und heisse Getränke abgekocht wird, spielt es nicht so eine Rolle, ob das Kochgeschirr nach dem letzten Gebrauch 100 % sauber war. Beim Besteck muss schon eher aufgepasst werden. Aber eben, Wasser ist eher limitiert vorhanden. Das Essen wird direkt aus dem Kochgeschirr gegessen, es braucht also nicht noch einen Teller. Auch Tee oder Kaffee trinkt man meistens aus dem Kochgeschirr. Für die Reinigung des Geschirrs empfiehlt sich ein Microfaser Tuch.
Schlafen/Zelt:
Speziell bei nassem Wetter wird es schwierig, das Zelt sauber zu halten. Man bedenke, dass das Zelt jede Nacht neu aufgebaut wird. Zum Schlafen im Schlafsack wird empfohlen, einen Innenschlafsack zu verwenden, dieser lässt sich problemloser reinigen als der eigentliche Schlafsack. Es wird empfohlen, die Schlafwäsche separiert zu halten, d.h. man kommt aus den schmutzigen Hiking Klamotten raus und schläft in sauberen Sachen.
Wasser:
Dieses soll IMMER gefiltert werden und allfällig sogar chemisch oder mit UV-Licht behandelt werden. Das Trinken direkt aus Gewässern birgt das Risiko, dass man Bakterien oder sogar Viren trinkt und davon krank wird. Rein als Hinweis: Die heutigen Filter sind hocheffizient und schnell bei teilweise sehr kleinem Gewicht. Als kein Grund, ohne Filter auf den Trail zu gehen.
Kleiderwechsel:
Kleider sind Gewicht. Weniger ist deshalb mehr. Ich habe beste Erfahrung mit Unterwäsche, Socken und T-Shirts aus Merino-Wolle gemacht. Diese sind in der Anschaffung zwar teuer, aber sie trocknen rasch und absorbieren auch Körpergeruch. Man wechselt die Wäsche NICHT jeden Tag, auch nicht jeden Zweiten, denn aus Gewichtsgründen hat man wenig Wäsche dabei. Ich bin ein starker Schwitzer, aber hatte noch kein wirkliches Problem mit Körpergeruch. Dies wäre bei mir vollkommen anders mit synthetischer Wäsche. Wichtig: Möglichst KEIN DEO verwenden, auch wenn das ungewohnt sein dürfte. Bei vielen Hostels gibt es übrigens heute die Möglichkeit, die Wäsche waschen und gleich trocknen zu lassen.
Lebensmittel:
Hiker haben in der Regel einen wasserfesten Beutel, in welchem alle Lebensmittel gelagert werden. Die Hauptmahlzeiten sind meistens Fertigmenüs, denen das Wasser entzogen wurde. Alles andere fliegt lose durch den Beutel. Es empfiehlt sich, immer ein paar Zip Lock Beutel auf Reserve zu halten, um artgleiche Lebensmittel zu gruppieren.
Wunden:
Da man eigentlich konstant Schmutz ausgesetzt ist, müssen auch kleinere Wunden (dazu gehören offene Blattern) stets sauber gereinigt und desinfiziert werden. Entsprechend soll die Notfallapotheke bestückt sein.
Insektenstiche:
Mücken und andere stechende Insekten (z.B. Sandflöhe) sind ein echtes Problem, dito Zecken. Letztgenannte sind für viele Fälle von Borreliose (Lyme disease) verantwortlich. Es ist deshalb eminent wichtig, dass der Körper täglich auf Zecken abgesucht wird, damit diese umgehend, jedoch spätestens 24 Stunden nach dem Biss entfernt werden. Im Fall eines Bisses muss die Bissstelle in den nächsten zwei Wochen beobachtet werden, ob sich etwas verändert, dies ist jedoch nicht anders als bei uns. Nebst Insektenmittel und Zeckenzange sollte ein Anti-Histamin dabei sein und ein Mittel gegen Juckreiz, der einen sonst wahnsinnig machen kann und dazu führt, dass man sich blutig kratzt –> siehe Wunden

Der Trail scheint ja weit weg von einem 5-Sterne-Komfort zu sein 😅😎! Liebe Grüße aus Tirol
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Wie recht ihr habt. Und Saukaserstubn gibt’s hier auch nicht….🤔
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